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Zweites DAB+ Multiplex vor Zuschlag: Nur noch drei Bieter im Rennen

Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz
Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz

Der Bieterwettkampf um das zweite bundesweite Digitalradio-Multiplex geht in die entscheidende Phase. Die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Landesmedienanstalten will am 6. Juni entschieden, wer den Zuschlag erhält. Im Rennen waren bislang vier Unternehmen, jetzt haben sich zwei Gesellschaften zu einer Anbietergemeinschaft zusammengetan.

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Nachrichten in Schlagzeilenform, Verkehrsdaten, Wetterkarten, Musiktitel und ihre Interpreten – wer in seinem Auto über ein Digitalradio verfügt, kann schnell auf diverse Informationen zugreifen. Immer mehr Fahrzeugkäufer lassen sich daher ein solches Radio einbauen. Aktuell seien es hierzulande jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug, erklärt ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) gegenüber MEEDIA. Bundesweit empfangen können Autofahrer bislang die Angebote von vier öffentlich-rechtlichen und neun kommerziellen Sendern über das erste Digitalradio Multiplex – in der Radiobranche auch als „Bundesmux“ bekannt.

Doch das könnte sich ändern. Denn demnächst soll ein zweites Digitalradio-Multiplex hinzukommen. Darum bemühen sich seit Wochen vier private Gesellschaften. Doch in die Bietergruppen ist jüngst Bewegung gekommen. Zwei Bewerber haben sich zusammengeschlossen, um ihre Verhandlungsposition zu festigen: die Absolut Digital GmbH & Co. KG in Nürnberg, die zur Oschmann-Gruppe zählt, und die Media Broadcast Digital Radio GmbH, eine dafür von der Freenet-Tochter Media Broadcast gegründete Gesellschaft. Ein Media Broadcast-Sprecher bestätigt auf MEEDIA-Anfrage, dass der Kölner Konzern gemeinsam mit Absolut Radio die Plattformkapazitäten beantragt hätten. „Die Kompetenzen ergänzen sich optimal, beide Unternehmen verfügen als einzige Bewerber über jahrelange Erfahrung im DAB+-Geschäft. Durch entsprechende umfangreiche Investitionen und Initiativen zur Förderung stehen diese Unternehmen wie keine zweiten für die Etablierung von DAB+ in Deutschland“, erklärt ein Sprecher der Kölner Freenet-Tochter das gemeinsame Engagement. Dabei sei das Konsortium offen für weitere Partner, heißt es.

Media Broadcast und Absolute Radio stehen mit zwei anderen Interessenten im Bieterwettstreit: der Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH, die zum Firmenreich des Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel zählt, sowie die Radi/o digital GmbH. Hinter dieser Gesellschaft stehen der Medienunternehmer Peter Löw und der ehemalige N24-Geschäftsführer Ulrich Ende. Wer das Rennen macht, steht in zwei Wochen am 6. Juni fest. Dann will die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Landesmedienanstalten entscheiden, wer das Rennen macht.

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Die Media Broadcast-Gruppe könnte durch den Deal ihre Position in diesem Geschäft deutlich ausbauen. Denn die Freenet-Tochter ist seit August 2011 für den Betrieb und den Ausbau des ersten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zuständig. Zudem ist das von Geschäftsführer Wolfgang Breuer geleitete Unternehmen auch in Hamburg und in Berlin mit einen regionalen DAB-plus-Multiplex aktiv, das mehrere kommerzielle Programme ausstrahlt.

Doch auch den beiden Konkurrenten werden gute Chancen nachgesagt. Vor allem der Leipziger Immobilienkönig Steffen Göpel hat reges Interesse an dem zweiten Multiplex, da er durch die Kette von 15 Hörfunksendern auf lukrative Vermarktungsgeschäfte mit Großunternehmen hofft. Daher hat sich der Geschäftsmann auch zwei Medienprofis an seine Seite geholt: der Hörfunkmanager Florian Schuck, der früher Geschäftsführer der Radio Group GmbH war, sowie der Leipziger Rechtsanwalt René Laier. Sie sind Geschäftsführer der im Mai 2016 gegründeten und in Hamburg ansässigen Digital Audio Broadcasting Plattform. Auch bei der Radi/o digital GmbH ziehen zwei Profis hinter den Kulissen die Strippen: der Medienunternehmer und Ex-DAPD-Eigentümer Löw sowie der frühere N24-Geschäftsführer Ulrich Ende. Löw ist heute Miteigner der Nachrichtenagentur Spot on News. Erhalten die beiden gewieften Medienhasen den Zuschlag, hätte sich Spot on News neben dem Nachrichtengeschäft auf einen Schlag ein weiteres Standbein im Radio verschafft. Die Ausbauziele von Löw und Ende sind ehrgeizig: Machen die beiden Geschäftsleute den Deal, will das Spot News Management die ersten vier Sender bereits im Juli starten, vier weitere Sender sollen im Herbst folgen.

Für Löw und Ende wäre das Geschäft auch aus Vermarktungssicht lukrativ. Ob Handelskonzerne oder Finanzdienstleister – die Radiokette wäre insbesondere für Großunternehmen interessant, die ihre Werbekampagnen bundesweit streuen wollen. Dies sei möglich, weil die neu gegründete Gesellschaft auf die Strukturen der Nachrichtenagentur und deren Vermarktungstochter Airmotion Media GmbH aufsetzen soll. Steuern soll die Radiokette Ulrich Ende. Für die Vermarktung soll Tanja Hagen verantwortlich zeichnen. Sie hatte mehr als zehn Jahre in leitender Position bei der Radio Marketing Service (RMS) nationale Key Account-Kunden, Mediaagenturen und internationale Vermarktungspartner betreut.

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