Geschäftsführer, Medienkritiker, Entertainer: Eine Hymne auf den Tele-5-Chef Kai Blasberg

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Ist denn schon jemandem aufgefallen, dass einer der coolsten Typen im deutschen Fernsehen keine eigene Sendung hat, dafür aber einen eigenen Sender? Kai Blasberg, Tele-5-Geschäftsführer seit mittlerweile zwölf Jahren, macht unsere Medienlandschaft zu einem schöneren Ort. Und das wirklich nicht nur, weil er das Publikum mit Filmen beschenkt, in denen es Haie regnet.

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Von Hendrik Steinkuhl

Immer wieder hatte sich der Geschäftsführer über die Harmlosigkeit deutscher Humorproduktionen beklagt, auch in seinem eigenen Sender. Warum also nicht mit gutem Beispiel vorangehen, warum nicht zeigen, wie man richtig böse ist? Vom Moderator auf die Show von Benjamin von Stuckrad-Barre angesprochen, antwortete also der Chef: Der eigene Sender sei zu klein, deshalb kamen die bedeutenden Politiker nicht, damit habe die Fallhöhe gefehlt und das Konzept der Show nicht funktioniert. „Da saßen nur so Plunsen. Der dicke Döring von der FDP, so was kommt mir ja normalerweise nicht in den Sender.“

Merci, Kai Blasberg. Seit dem dicken Thoma von RTL hat es in Deutschland keinen Senderchef mehr gegeben, der von der Meinungsfreiheit so intensiv Gebrauch gemacht hat wie der CEO von Tele 5. Während die Mehrheit führender deutscher Medienmenschen klingt, wie sich zwei Handvoll Götterspeise anfühlen, wird bei Blasberg gerne mit Hass gekocht. In den anderen Sendern kommt das natürlich eher weniger gut an, doch zum Glück gehört Blasberg nicht zu denen, die über soziale Ausgrenzung trübsinnig werden. Im Gegenteil. „Viele von denen finden mich scheiße. Und das ist mein Lohn.“

Vor 15 Jahren startete das neue Tele 5, vor zwölf Jahren kam Kai Blasberg dazu und machte aus dem Sender den Spartenpublikumsliebling. Mit einem Prozent Marktanteil spielt Tele 5 auf dem Fernseh-Massenmarkt überhaupt keine Rolle, doch das ist Blasberg nach eigenem Bekunden herzlich egal. Vielleicht, vermutlich nervt es ihn in Wahrheit schon ein wenig; der 52-Jährige ist zu ehrgeizig, um Erfolg ausschließlich in der von ihm selbst diagnostizierten Qualität zu messen. Aber unzweifelhaft verstößt Blasberg konsequent wie kein anderer gegen das Mantra des eingangs erwähnten Helmut Thoma: „Der Köder muss dem Fisch gefallen, nicht dem Angler.“

Blasberg spricht dagegen von seinem Sender schon mal als Disco, deren Chef und Türsteher er sei und entsprechend alleine entscheide, wer hereinkomme. Und so hat Spartenfernseh-Deutschland Kai Blasberg nicht nur Formate wie „Walulis sieht fern“ oder „SchleFaZ“ mit den großartigen Hai-Trash-Filmen „Sharknado“ zu verdanken, sondern auch die dringend notwendige Entblößung des kreativen One-Hit-Wonders („Genial daneben“) Hugo Egon Balder. Der jammerte sich bekanntermaßen jahrelang durch Mediendeutschland mit der Trauerbotschaft, dass kein Sender den Mut habe, seine Hammer-Idee „Der Klügere kippt nach“ zu senden. Dann kam Kai Blasberg und sagte: „Gut, dann machen wir das“ – und Hugo Egon Balder fuhr das Format aufs Schönste vor die Wand. „Ich glaube, dass er seinen Witz zuvor nie wirklich zu Ende gedacht hat“, lautete Blasbergs Analyse in einem vor Kurzem veröffentlichten Interview bei DWDL.

In diesem Interview sagte er außerdem, es sei sehr interessant zu sehen, wie wenig aus der Branche komme, wenn man sie lasse.

Merci encore une fois.

Dass deutschen Fernsehsendern der Mut zu Experimenten fehlt, ist vollkommen richtig. Doch das kann man jeden Tag irgendwo lesen. Dass Deutschland aber auch wahrlich keinen Überschuss an Künstlern hat, denen man ob ihrer Qualität aber sofort einen Sendeplatz geben müsste, ist allerdings genauso wahr. Nur sagt das bis auf Kai Blasberg niemand.

Dass DWDL-Chef Thomas Lückerath auf Blasbergs absolut zutreffende Analyse mit den Worten: „Sie sind ja richtig gut drauf heute“ reagierte, ist dann auch nur ein weiterer Beleg für die Mittelmäßigkeit des Medienstandortes Deutschland. Da redet ein Senderchef den Klartext, den sich alle Journalisten wünschen, und dem Interviewer fällt nichts Besseres ein als ein reichlich anmaßender Spruch, der jeden wachen Leser massiv irritiert.

Könnte man Kai Blasberg nicht einfach mal für seine Art würdigen? Oder wenigstens seine klar vorgetragene Meinung nicht derart dümmlich kommentieren? Auch wenn er zuweilen arrogant und unverschämt ist, auch wenn er schon mal mit diebischer Freude erzählt, wie er sich gegenüber Sibel Kekilli als vermeintlicher Fan ihres „Gesamtwerks“ geoutet hat, auch wenn der deutsche Bürgersohn bei so viel Boshaftigkeit und Blasbergs offensiv vorgetragenem Distinktionsbedürfnis immer den Impuls hat, den Schmähenden zu mäßigen und den Geschmähten zur Seite zu springen.

Kai Blasberg nur als recht erfolgreichen Geschäftsführer eines Spartensenders wahrzunehmen, ist zu wenig. Und ihm das Label des impulsiven Querkopfs anzuheften, wird ihm überhaupt nicht gerecht. Denn in Wahrheit ist Kai Blasberg nicht nur ein hervorragender Manager, sondern auch ein echt guter Entertainer. Keiner seiner Sätze ist langweilig, überall lauern Pointen, und zwar meistens die guten; also die, die auch ein bisschen weh tun. Außerdem ist er ein exzellenter Medienkritiker, der beiden Seiten gleichberechtigt einschenkt, Sendern wie Künstlern.

Selbst Christian Ulmen, den die deutschen Humor-Feingeister neben Olli Dittrich zu ihrem König erklärt haben, stößt Blasberg ansatzlos vom Thron. Auf die Zuschauerfrage, ob er noch weitere Folgen von Ulmens „Who wants to fuck my girlfriend?“ senden würde, antwortete Blasberg einst: „Nein.“ Die Idee der Sendung sei gut gewesen, doch Ulmen habe sie schlecht produziert. „Und gute Ideen, die vertan sind, kann ich überhaupt nicht leiden.“

Merci infiniment, Kai Blasberg. Oder weniger prätentiös:

Du bist die coolste Sau im deutschen TV.

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Alle Kommentare

  1. „Dass DWDL-Chef Thomas Lückerath auf Blasbergs absolut zutreffende Analyse mit den Worten: „Sie sind ja richtig gut drauf heute“ reagierte, ist dann auch nur ein weiterer Beleg für die Mittelmäßigkeit des Medienstandortes Deutschland.“

    Den Chef eines Konkurrenz-Mediums derart zu attackieren, ist ebenso ungewöhnlich wie dümmlich. Es ist niveaulos und schadet Meedia, so wie auch diese naiv anmutende Jubelarie auf – den wirklich sehr fähigen – Kai Blasberg kein Ruhmesblatt eines Branchenmagazins darstellt.

    Ich habe noch nicht viel von Hendrik Steinkuhl gelesen. Vielleicht aber sollte er mehr am Inhalt seiner Texte feilen denn an der Verpackung. Lautsprech ersetzt keine klugen Gedanken.

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