Mehr Macht den Autoren: VG Wort und Urheber einigen sich auf neuen Ausschüttungsplan für Tantiemen

Es geht um Hunderte Millionen Euro: Die VG Wort hat sich mit ihren Mitgliedern auf einen neuen Verteilungsplan geeinigt
Es geht um Hunderte Millionen Euro: Die VG Wort hat sich mit ihren Mitgliedern auf einen neuen Verteilungsplan geeinigt

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) und ihre Mitglieder haben sich nach monatelangen Streitigkeiten auf einen neuen, rechtskonformen Verteilungsplan geeinigt. Dieser sieht vor, dass die Urheber zukünftig automatisch 100 Prozent der Tantiemen erhalten. Verlage werden an den Einnahmen nur beteiligt, wenn die Autoren ausdrücklich zustimmen.

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Das Geld kann fließen: Bei der VG Wort gemeldete Autoren erhalten zukünftig 100 Prozent der Ausschüttungen. Darauf hat sich die Verwertungsgesellschaft mit ihren Mitgliedern am vergangenen Samstag in München verständigt. Das Ergebnis gilt als Durchbruch nach monatelangen Streitigkeiten über die Verteilungspraxis aus den vergangenen Jahren.

Zuletzt war die VG Wort höchstrichterlich dazu gezwungen, die Ausschüttungspraxis, die pauschal eine Aufteilung der Einnahmen zwischen Autoren und ihren Verlagen vorgesehen hatte, zu reformieren. Das im April 2016 gesprochene Urteil galt rückwirkend bis 2012weshalb die VG Wort insgesamt rund 100 Millionen Euro von den Verlagen zurückfordern und nun neu verteilen muss.

Das Urteil wurde für die Gesellschaft zur Zerreißprobe. Erstritten hatte es Wissenschaftsautor und Jurist Martin Vogel, hinter den sich die Journalistengewerkschaft Freischreiber stellte. Gemeinsam hatten sie eine Sperrminorität für Entscheidungen erreicht. Nicht alle Autoren waren über Vogels Sieg und die Blockade durch den Pakt mit den Freischreibern glücklich. Manche hatten grundsätzlich keine Probleme damit, die Verlage an den Einnahmen zu beteiligen. Diese entstehen zum größten Teil aus Geräteabgaben, die die VG Wort von den Herstellern von Kopiergeräten, mit denen urheberrechtlich geschützte Werke für den privaten Gebrauch vervielfältigt werden, einfordert.

VG Wort nahm 2016 fast 185 Millionen Euro ein

Freilich hatten auch die Verlage, die Mitglied in der VG Wort sind, an der bisherigen Regelung nichts auszusetzen. Für diese, nach Angaben der VG Wort rund 10.000 Unternehmen, geht es nämlich nicht nur um die 100 Millionen Euro, sondern auch um zukünftige Einnahmen. Allein im Jahr 2016 sammelte die VG Wort fast 185 Millionen Euro ein – das drittbeste Ergebnis in seiner fast 60-jährigen Geschichte. Zwischenzeitlich kam es immer wieder zu Anfeindungen gar zu rechtlichen Auseinandersetzungen, nachdem sich Vogel unter anderem von der FAZ zu Unrecht attackiert gefühlt hatte.

Erst eine – ebenfalls umstrittene – Reform durch den Gesetzgeber im Dezember 2016 machte Verhandlungen zwischen den Parteien wieder möglich. Diese hatte vorgesehen, dass jeder Autor selbst darüber entscheiden darf, ob er seine Ausschüttungen teilen möchte. Wer dies befürwortete, konnte anonym von seinen Ansprüchen zurückzutreten. So sollte es Verlagen zudem unmöglich gemacht werden, Druck auf jene Autoren auszuüben, die auf ihre 100 Prozent bestanden hatten – dieser Plan ging ganz nicht auf.

Diese Gesetzesänderung bildet nun auch die Grundlage für die neue Ausschüttungspraxis. Auch zukünftig können Autoren anonym von ihren Ansprüchen zurücktreten und gegenüber der VG Wort erklären, dass ihre Tantiemen zwischen ihnen und den Verlagen aufgeteilt werden sollen. Der Rücktritt von den Ansprüchen soll jedoch keine grundsätzliche Entscheidung sein, sondern für jedes Werk einzeln gelten. Autoren können ihre Entscheidung also wieder ändern. Je nach Text- und Verbreitungsform sollen zwischen 15 und 50 Prozent der Einnahmen an die Verlage fließen.

Auf allen Seiten wird die nun getroffene Entscheidung begrüßt. Stefan Niggmeier, selbst Mitglied bei Freischreiber, spricht von einer „Revolution“. Die Gewerkschaft für freischaffende Autoren nennt es eine „ideale Situation“. Die Freischreiber-Vorsitzende sieht eine „faire Regelung für beide Seiten“ erreicht. „Mit der freiwilligen Abtretung muss sich die behauptete Gemeinschaft zwischen Urheber und Verleger immer wieder aufs Neue beweisen.“

Seitens der VG Wort gibt man sich erleichtert. „Mit den neuen Verteilungsregelungen wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass die VG Wort die gemeinsame – sehr erfolgreiche – Rechtewahrnehmung für Urheber und Verlage fortsetzen kann. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist gelungnen“, kommentieren die Vorstände Robert Staats und Rainer Just.

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