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Von Hartmut Ostrowski bis Carsten Maschmeyer: die Geldgeber hinter der Start-up-Schmiede Hanse Ventures

Gehören zu den Business Angels bei Hanse Ventures: Ex-Bertelsmann CEO Hartmut Ostrowski, Ex-G+J-Vorstand Torsten-Jörn Klein, Unternehmer Carsten Maschmeyer (v.l.)
Gehören zu den Business Angels bei Hanse Ventures: Ex-Bertelsmann CEO Hartmut Ostrowski, Ex-G+J-Vorstand Torsten-Jörn Klein, Unternehmer Carsten Maschmeyer (v.l.)

Seit sieben Jahren ist Hanse Ventures am Markt. Ob Marktplätze für Second-Hand Designermode oder Serviceplattformen für Pflegedienstleistungen - Privatpersonen wie Ex-Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer sowie VC-Geber haben seither mehr als 65 Millionen Euro in junge Firmen der Start-up-Schmiede investiert. Ein millionenschwerer Komplettverkauf ist nicht in Sicht. Denn das Hanse Venture-Management lässt den Jungunternehmern Zeit, um zu reifen und ihre Expansion voranzutreiben.

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Jahrelang leitete Hartmut Ostrowski als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des Gütersloher Medienriesen Bertelsmann – bis 2011. Überraschend gibt der Bielefelder seinen Posten ab und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seither führt der Manager ein zweites Leben als Unternehmer und Investor. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich der gebürtige Bielefelder vor Längerem an Toptranslation beteiligt, einer Agentur für Fachübersetzungen. Das Unternehmen gehört zu einem bunt gemischten Strauß von Firmen, die aus einer Start-Up-Schmiede aus Hamburg stammen. Ihr Name: Hanse Ventures. Ostrowski hat nicht nur Geld in die jungen Firmen gesteckt, er bringt hier auch seine jahrelangen geschäftlichen Erfahrungen ein. „Hartmut Ostrowski unterstützt uns mit seiner unternehmerischen Expertise beim weiteren Ausbau von Top Translation“, erklärt Tobias Seikel gegenüber MEEDIA. Der ehemalige stellvertretende Verlagsleiter des Stern muss es wissen. Der studierte Diplomkaufmann verantwortet als COO die operative Führung des Inkubators und ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Investoren und den Jungunternehmern. Zugleich ist er einer von vier Partnern bei Hanse Ventures – neben Firmengründer Jochen Maaß, Ex-Warburg-Manager Alexander Eulenburg und seit kurzem Marvin D. Andrä, Ex-Manager von Unister.

Beste Gesellschaft

Als Geldgeber befindet sich Ostrowski in bester Gesellschaft. Ob der bundesweit bekannte und umtriebige Geschäftsmann Carsten Maschmeyer, der bei pflege.de eingestiegen ist, oder die Samwer-Brüder mit Rocket Internet bei Hausgold oder der frühere Gruner + Jahr-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein bei rebelle, einem Marktplatz für Designermode aus zweiter Hand – Persönlichkeiten aus verschiedenen Branchen haben sich Anteile an den Jungunternehmen der Hanseaten gesichert. Sie reichen von Hochzeitsplaza, einer Serviceplattformen für Brautpaare, Klinikum Plus, einem Portal, das Patienten und Ärzte zusammenbringen soll, bis zu Vitraum, das Immobilienbesitzer und Bauherren von der Planungsphase bis zur Montage neuer Fenster und Räume unterstützten soll. Das Interesse an den Firmen ist groß. Ob Privatpersonen oder Venture Capital-Geber – immer mehr Investoren suchen nach geeigneten Kapitalanlagen, die sich langfristig lohnen könnten. Denn geringere Fremdkapitalkosten führen dazu, dass immer mehr Kapital auf die Märkte strömt. „In Summe haben externe Co-Investoren über 65 Millionen Euro in unser Start-up-Ökosytem investiert“, verrät Seikel.

Kapitalgebern, die das schnelle Geld wittern, nimmt der Geschäftsführer rasch den Wind aus den Segeln. „Wir raten gerade Privatpersonen grundsätzlich davon ab, ihr komplettes Erspartes in einzelne Start-ups zu investieren. Denn der Aufbau von Start-ups zu wachstumsträchtigen Firmen ist immer verhältnismäßig hochriskant“, erklärt Seikel. Denn nicht jede Geschäftsidee gelingt. „Von 17 Gründungen haben wir bisher drei Firmen, die sich geschäftlich nicht nach unseren Erwartungen entwickelt haben, eingestellt beziehungsweise für im Verhältnis überschaubare Beträge verkauft,“ gesteht der Business Angel.

Mindestens 100.000 Euro Investment

Dass sich bei Hanse Ventures eine hochkarätige Clique von Unternehmern als Investoren trifft, hat die Firma vor allem zwei alten Hasen aus dem Medienbereich zu verdanken: Rolf Schmidt-Holtz, ehemaliger CEO der Bertelsmann Music Group und Ex-Chefredakteur des WDR, sowie der langjährige Vorstandsvorsitzende des Hamburger Zeitschriftenhauses, Bernd Kundrun. Sie haben den Inkubator vor sieben Jahren aus der Taufe gehoben. Begleitet von einem medialen Feuerwerk erlangte der hanseatische Brutkasten für gewitzte Gründerideen hierdurch schnell öffentliche Aufmerksamkeit. Hilfreich ist für Hanse Ventures zudem, dass die beiden Zugpferde geschäftlich über ein breites Netzwerk verfügen, das sie für die jungen Unternehmer einsetzen. Doch die Norddeutschen lassen nicht jeden in den erlauchten Investorenkreis. „Wer sich an unseren Start-ups beteiligen will, muss mindestens 100.000 Euro pro Investment mitbringen. Diese Untergrenze gilt für Privatpersonen, institutionelle Personen investieren in der Regel deutlich mehr“, betont Seikel.

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Welche Gründer das Hanse Ventures-Management fördert, unterliegt einer strengen Auswahl: Von mehr als 100 Bewerbungen werden etwa zehn Geschäftsideen angenommen. Aufgepäppelt werden die Start-ups in schmucken Büros mit bestem Blick auf die Hamburger Elbphilharmonie. Tür an Tür sitzen hier Gründer und ein 30-köpfiges Team aus Kaufleuten, Rechtsanwälten, Programmierern, die die Gesellschaften zur Marktreife begleiten. Für die Dienstleistung erhält Hanse Ventures die Mehrheit der Anteile an den Firmen, bis später durch weitere Finanzierungsrunden neue Geldgeber dazustoßen. Die Ideen, die dem Inkubator angetragen werden, sind vielschichtig. Dazu gehört Kitchen Advisor, das vor wenigen Tagen an den Start ging. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Vergleichsplattform, die Kunden bei dem Kauf einer geeigneten Küche beraten sollen. Dafür erhalten sie bei erfolgreicher Vermittlung von den Küchenherstellern eine Provision. „Wir sind das Schweizer Taschenmesser unter den Online-Plattformen, da wir Makler, Vergleichsportal, Ratgeber und bester Freund gleichzeitig sind“, werben die Gründer auf ihrer Plattform für ihre Idee.

Hanse Venture ist eine von wenigen Firmen in der Venture Capital-Branche, die junge Gründer mit riesigem Aufwand auf ihrem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit begleiten. Vor einigen Jahren hatten die Samwer-Brüder mit Rocket Internet ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt, allerdings, indem sie vor allem Start-ups aus den USA kopiert haben. Heute ist Rocket Internet eher als Finanzinvestor unterwegs, der nach attraktiven Beteiligungsmöglichkeiten Ausschau hält. Auch andere Konzerne haben sich aus diesem risikoreichen Geschäft zurückgezogen. Dazu gehört der Gütersloher Medienriese Bertelsmann. Das Unternehmen schloss 2014 seinen VC-Arm BDMI in Berlin. In Deutschland hatte die Gesellschaft für Bertelsmann-Verhältnisse offenbar zu wenig attraktive Deals hervorgebracht.

Noch kein Komplettverkauf

Jetzt allerdings gerät die Start-Up-Szene durcheinander, seitdem der schwedische Investor Kinnevik massiv Anteile an der Berliner Web-Holding der Samwer-Brüder abgestoßen hat. „Rocket Internet hat in Deutschland eine Leuchtturmfunktion. Wenn das Unternehmen nicht gut läuft, ist dies für die Start-up-Branche in Deutschland insgesamt nicht zuträglich“, meint der Geschäftsmann. Doch das ist für einen vollständigen Verkauf nicht immer wichtig. Bei vielen Übernahmen sind strategische Überlegungen entscheidend. „Das Marktumfeld kann beim Verkauf an einen Strategen durchaus sekundär sein, da im Kalkül des Käufers andere Faktoren eine größere Rolle spielen“, urteilt der Manager. Bislang kann Hanse Ventures nicht den ganz großen Komplett-Exit vorweisen. Von einem millionenschweren Megaverkauf träumt das Management noch: „Wir haben bisher noch keines der aus unserer Sicht besonders ausssichtsreichen Unternehmen komplett verkauft. Sehr lukrative Teilverkäufe haben sowohl wir als auch externe Co-Investoren bereits mehrfach realisiert“, sagt der Diplomkaufmann.

Dabei hätte Hanse Ventures durchaus gute Chance, mit lukrativen Beteiligungen, wie pflege.de, kräftig Kasse zu machen. Doch die Gründer und die Hanse Venture-Führung halten sich zurück. Sie wollen, dass die Unternehmen behutsam weiter reifen und wachsen – beispielsweise durch eine Expansion in Auslandsmärkte. Dadurch versprechen sie sich langfristig einen höheren Verkaufserlös oder möglicherweise bessere Chancen, den Zögling an die Börse zu bringen. Business Angel wie Hartmut Ostrowski & Co. üben sich wohl in Geduld. Sie können auf das große Geld warten.

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