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Spiegel Dailys ungewöhnliche App-Store-Abstinenz: Welche Vor- und Nachteile hat eigentlich so eine Web-App?

Besonders für News-Angebote ungewöhnlich: Spiegel Daily erscheint als Web-App
Besonders für News-Angebote ungewöhnlich: Spiegel Daily erscheint als Web-App

Mit seiner "smarten Abendzeitung" Daily will der Spiegel im Digitalen vieles anders machen als bisher gewohnt. Das bezieht sich nicht nur auf das redaktionelle Konzept, sondern auch auf das technische. Daily ist nicht in Apples App- oder Googles Play-Store zu bekommen, sondern erscheint als so genannte Web-Applikation. Doch was genau bedeutet das, und welche Vor- und Nachteile bringt diese Alternative mit sich? MEEDIA verschafft Überblick.

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Wer dieser Tage in seinem App-Store nach Spiegel Daily sucht, wird nicht fündig werden. Denn die neue Nachrichten-App aus dem Hause Spiegel, die am vergangenen Dienstag nach jahrelanger Konzeptionierung gestartet ist, verzichtet auf den Vertriebsweg, den Publisher und andere App-Entwickler für gewöhnlich einschlagen. Der Grund: Daily ist eine so genannte Web-Applikation – das birgt einige Vor- aber auch Nachteile. Ersteres vor allem auf Entwicklerseite.

Web-Apps unterscheiden sich von Native Apps in erster Linie in der Aufbereitung für unterschiedliche Plattformen. Natives werden konkret für einzelne Betriebssysteme wie iOS oder Googles Android programmiert, die unterschiedliche Sprachen erfordern, und sind dann auch nur für die mit den entsprechenden Betriebssystemen ausgestatteten Endgeräte verfügbar. Die Aufbereitung für alle Plattformen ist bei Native Apps entsprechend teuer. Web-Apps laufen als browserbasierte HTML-Produkte und haben grundsätzlich den Vorteil, dass sie unabhängig vom System auf allen Geräten verfügbar sind und sich in der Regel dem Endgerät anpassen, also responsiv sind. Auf Entwicklerseite sind Web-Apps deshalb eine vergleichsweise günstige Alternative.

Web-Apps haben zudem den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer Funktion unabhängig von Regeln der App-Store-Betreiber gestaltet werden können. Das schlägt sich unter anderem auf der finanziellen Seite nieder, eine Umsatzbeteiligung fällt weg, genauso wie die Prüfung des Store-Betreibers bei Updates.

Web-Apps bieten sich für Nachrichtenangebote durchaus an, sofern sie keinen Zugriff auf Hardware wie die Smartphone-Kamera benötigen. Gegen die Programmierung als Web-App spricht allerdings die nicht zu unterschätzende Push-Funktion, die ebenfalls nur bei Natives möglich ist. Vor allem für News-Apps, die fortlaufend aktuell berichten – wie Spiegel Online und andere Newsportale– ist diese Funktion eigentlich nicht mehr wegzudenken. Auch für eine App wie Daily mit seiner niedrigen Aktualisierungsfrequenz (ein Mal am Tag) wäre eine Push-Funktion durchaus sinnvoll, um den Nutzer direkt – und nicht via Umleitung durch eine E-Mail – ins Angebot zu ziehen, sobald eine neue Ausgabe zur Verfügung steht.

Was für den Entwickler von Vorteil ist, kann für den Nutzer nachteilig sein

Die Vorteile auf Programmierer-Seite können sich unter Umständen als Nachteile auf Nutzerseite entpuppen. Die App-Store-Abstinenz widerspricht grundsätzlich dem gelernten Verhalten des Nutzers – es ist fast schon natürlich zuerst im Store nach neuen Angeboten zu suchen (zumal dortige Platzierungen auch einen Marketing-Effekt haben).

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Gegen die Gewohnheiten des Nutzers spricht auch, dass Web-Apps wie Daily grundsätzlich keine automatische Position auf dem Homescreen haben. Für Nutzer wie App-Anbieter ist das aber von Bedeutung. Wer den schnellen Zugriff bevorzugt, muss sich Daily manuell auf den Bildschirm holen. Das ist zwar kein großer Aufwand, selbstverständlich ist es jedoch auch nicht.

Zwar ist eine Web-App etwas anderes als die reine Verlinkung zu einer Mobil-Seite. Mit dem Icon auf dem Homescreen ist aus Nutzersicht aber noch immer kein Native-Feeling erreicht. Bei Daily wird dies vor allem bei der Login-Pflicht deutlich. Wer als Anwender im Privatmodus surft, wird automatisch immer wieder dazu aufgefordert, seine Daten erneut einzugeben. Nun ist die Verwendung des Inkognito-Modus zwar die eigene Entscheidung des Nutzers, nur hat er sie vermutlich wegen deutlich größeren Datenfressern als Spiegel Daily eingeschaltet. Die Umstellung in den normalen Modus ist zwar nur wenige Klicks entfernt, im Digitalempfinden aber damit schon wieder mühselig. Im Fall von Daily kommen weitere Bugs hinzu, die vor allem in der Web-Ausspielung auftreten.

Eine weitere Auflistung zu Vorteilen der unterschiedlichen App-Möglichkeiten können Sie unter anderem bei app-entwickler-verzeichnis.de oder lifewire nachlesen.

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Alle Kommentare

  1. „Web App“ ist in dem Fall wirklich nur ein anderer Begriff für Webseite. Selbst die Ablage auf dem Homescreen ist eher eine Illusion, denn zumindest unter iOS ruft das Anklicken eines Artikels in der „Web App“ nochmal separat den Browser auf.

    Den Hauptnachteil für SPIEGEL DAILY der Beschränkung auf eine Webseite wurde in dem Artikel hier gar nicht thematisiert: Man kann die ganze Ausgabe nicht für die Offline-Nutzung herunterladen. Eine Abendzeitung bietet sich zum Lesen auf der abendlichen Heimfahrt an, nur hat man im Zug selten eine verlässliche Internetverbindung. Dafür wäre eine Offline-Version essentiell.

  2. Ganz so negativ sollte man die Web Apps nicht darstellen. Es wäre leicht, den Benutzer auf die Erstellung eines Homescreen Icons hinzuweisen, und darauf, dass man das natürlich nicht im Privatmodus machen sollte. Eine tägliche Nachrichten-App hat dann kaum noch einen Nachteil, selbst eine Offline-Leseoption wäre ohne weiteres realisierbar.

    Push geht leider auf iOS noch nicht, allerdings auf Android und Desktop-Systemen wie macOS X und Windows.

    Ich denke, dass es sehr im Interesse der Branche ist, die Vorteile der Web Apps zu nutzen.

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