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Emmanuel Macron sperrt die Presse aus: DJV fordert neuen französischen Präsidenten zu „fairen Umgang“ mit Journalisten auf

„Von einem als liberal geltenden Politiker müssen Journalisten einen liberalen Umgang mit den Medien erwarten dürfen“, so der DJV zu Emmanuel Macrons (Foto) Plänen.
„Von einem als liberal geltenden Politiker müssen Journalisten einen liberalen Umgang mit den Medien erwarten dürfen“, so der DJV zu Emmanuel Macrons (Foto) Plänen.

Der neue französische Präsident hat seine Mitarbeiter und Minister zu "Vertraulichkeit, Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein" ermahnt – dazu gehört offenbar auch, nicht in jedes Presse-Mikrofon zu sprechen, wie die FAZ berichtet. Darüber hinaus sperrt Emmanuel Macron Journalisten fortan auch aus dem Élysée-Palast aus. Medienvertreter reagieren empört, auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat sich zu Wort gemeldet.

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Am vergangenen Sonntag hat Emmanuel Macron das Amt des französischen Staatspräsidenten angetreten. Nicht nur seine Anhänger sind nach wie vor euphorisch, auch die Schlagzeilen in der europäischen Presse fielen überwiegend positiv aus. Das soll offenbar so bleiben, denn eine im Zweifel unliebsame Berichterstattung wird nun zum Teil ein Riegel vorgeschoben: Wie die FAZ berichtet, hat der neue französische Präsident am Donnerstag eine Erlaubnis seiner Vorgänger aufgehoben. Journalisten dürfen fortan nicht mehr im Innenhof des Élysée-Palastes, dem Amtssitz des Präsidenten, die Sitzungen des Regierungskabinetts verfolgen.

Darüber hinaus soll Macron seine Minister und Mitarbeiter zu „Vertraulichkeit, Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein“ bei der ersten Kabinettssitzung ermahnt haben. Sein Stab solle nicht in jedes Mikrofon sprechen, das ihm hingehalten werde. Fortan wolle sich Macron sogar nur noch von selbst ausgewählten Journalisten auf Reisen begleiten lassen. Einen ersten Vorgeschmack der Informationskontrolle hat das traditionelle Kabinettsfoto mit allen Ministern geliefert: Dort seien TV-Kameras nicht zugelassen gewesen, das Mannschaftsbild wurde von einem Regierungsfotografen geschossen. Regierungssprecher Christophe Castaner bestätigte im Anschluss an die Sitzung, dass Macron und sein Premierminister Edouard Philippe einen neuen Umgang mit der Presse pflegen wollen, berichtet die Zeitung.

Der rigorose Kontrollversuch der Presse stößt in Frankreich auf scharfe Kritik. Über 20 Medienhäuser haben ihren Unmut in einem offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten geäußert, wie Spiegel Online berichtet. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert Macron zu einem „einem fairen und transparenten Umgang mit Journalistinnen und Journalisten auf“. Dass Macron entscheiden will, welche Pressevertreter ihn begleiten dürfen, rieche für den DJV nach „versuchter Einflussnahme“, so Bundesvorsitzender Frank Überall. „Von einem als liberal geltenden Politiker müssen Journalisten einen liberalen Umgang mit den Medien erwarten dürfen“.

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