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BDZV-Präsi Mathias Döpfner und seine fatale Google-Abhängigkeit

Peng!, Herr Döpfner, Spiegel Daily und der Vortragsreisende Kai D.
Peng!, Herr Döpfner, Spiegel Daily und der Vortragsreisende Kai D.

Springer-Chef und BDZV-Präsident Mathias Döpfner erklärte diese Woche, dass die Zeitungsverlage komplett von Google abhängig seien. Erstaunlich. Sein ehemaliger Angestellter K. Diekmann fährt derweil mit Uber in Nigeria herum. Spiegel Daily hat eine Medienkolumnistin, die früher auch mal Freches über den Spiegel schrieb und der Stern hat ein nettes Cover zum Thema Merkel-Schulz.

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Ei, was sagte Mathias Döpfner denn da diese Woche laut in seiner Funktion als BDZV-Präsi: „Wir profitieren nicht von dem Traffic, den Google uns verschafft – wir sind komplett davon abhängig.“ Wie bitte? Die Zeitungsverlage sind komplett abhängig vom Google-Traffic? Ja sagemal! Die armen Verlage. Und weil das so sei, wollen sie halt auch über dieses zigfach verkorkste Leistungsschutzrecht Kohle von Google dafür haben, dass Google ihnen diesen überlebensnotwendigen Traffic zuführt.

Die ganze Schizophrenie des Leistungsschutzrechts wird alleine schon in diesem einen seltsamen Zitat ersichtlich. Springer macht ja nun wirklich viel, mehr als manch andere, um eine Antwort auf die digitale Herausforderung zu finden. Die Pay-Angebote von Bild und Welt gehören zu den Vorreitern der Branche. Mit Business Insider haben sie einen globalen Digital-Player im Portfolio. Die Bilanzen sind schön shiny. Dass sich Springer (und andere) immer noch in dieser kleinkarierten Leistungsschutz-Debatte verstricken – verstehe das, wer will.

Was macht eigentlich die ehemalige Springer-Führungskraft Kai Diekmann so? Er tourt durch Nigeria und hält Medien-Vorträge. Wie stets fleißig dokumentiert bei Twitter.

Dabei fällt auf, dass Diekmann immer noch irgendwie auch unter der ollen Bild-Flagge segelt, wenn auch mit einem „Former“ vor dem „Editor in Chief“.

Schon neulich, als Diekmann den israelischen Staatschef Netanjahu interviewte und später, als eine gewisse Bibi – Sie wissen schon: Wap dappa, dap dingsbums usw. – die Bild-Redaktion besuchte, konnte der oberflächlichen Twitter-Leser den Eindruck gewinnen, als wäre KD bei der Bild nie gegangen. Es heißt ja, niemals geht man so ganz. Im Falle von Diekmann und der Bild offenbar noch mal so halb.

Dabei ist Diekmann doch nun für den Fahrdienst-Vermittler Uber unterwegs, um dessen Fame zu mehren. Das hat er bei Twitter pflichtschuldigst auch nicht ganz vergessen:

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Wenn das mal kein Top Influencer-Content ist!

Themenwechsel (wurde auch Zeit): Die geschätzte Kollegin Ulrike Simon schreibt jetzt eine Medienkolumne für Spiegel Daily, die neue digitale Nachmittagszeitung aus dem Hause Siewissenschon. In der ersten Folge ging es um den früheren stern-Chef und fleißigen Bücherschreiber Michael Jürgs. Böse Sätze über den Spiegel, wie sie Frau Simon noch in ihrer Madsack-Medienkolumne schrieb, wird man von ihr nun vermutlich seltener lesen:

Schon seit langem reden Hamburger „Spiegel“-Kollegen in Gesprächen mit mir von den „drei Fragezeichen“, wenn sie die Chefs des Berliner Büros meinen, René Pfister und seine beiden Stellvertreter Michael Sauga und Christiane Hoffmann. Sie sagen, ihnen fehlten die direkten Drähte in die Politik, weshalb es dem „Spiegel“ in dieser Hinsicht an Relevanz mangle. Prangern sie das intern an, bekommen sie zu hören, am Hauptstadtbüro sei schon immer herumgenörgelt worden, aber Hauptstadtjournalismus funktioniere nun einmal nicht so idealistisch, wie man sich das an der fernen Elbe vorstellt.

Damals ging es darum, dass der stern den Spiegel an Tag der großen Spiegel-Party zum 70. Jubiläum mit der Enthüllung ausbootete, dass Sigmar Gabriel nicht als Kanzlerkandidat der SPD antritt (dass der Stern die Story bringt, hat übrigens dieser kleine Mediendienst Ihres Vertrauens hier als erster in die Welt hinaus posaunt). Das Medienblog „Altpapier“ schrieb über die Verpflichtung Ulrike Simons bei Spiegel Daily:

Das könnte spannend werden, schon weil Simon vor gar nicht langer Zeit (vgl. AP aus dem Dezember) über „Knatsch“ im Spiegel-Verlag nicht nur berichtet, sondern ihn angefeuert hat. Womöglich hat sie damals dazu beigetragen, dass der damalige SPON-Chefredakteur nicht mehr im Amt ist; womöglich hatte sie schon 2014 (vgl. kress.de) dazu beigetragen, dass der damalige Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner erst recht nicht mehr im Amt ist. Unter diesem, den Riehl/ Tieschky heute in der SZ „unglückselig“ nennen, war die Daily-Idee einst entstanden. (Und dass Büchner derzeit das Amt eines „Chief Content Officer“ bei jener Madsack-Mediengruppe bekleidet, für die Simon nun nicht mehr schreibt, wäre ein weiterer Beleg dafür, in welch Kreisen sich die Dinge drehen …).

Der große Larry David würde sagen: „Pretty, pretty interesting …“

Der stern wiederum hatte diese Woche eine schöne Titel-Idee zum Thema Merkel-Schulz:

Das hat schon was, dieses Bild und dann auch noch die wunderbar lautmalerische Zeile. Wobei, wenn man ganz ehrlich ist, müsste man statt der Kanzlerin eigentlich Hannelore Kraft mit Nadel am Schulz-Ballon zeigen. Niemand richtet die SPD so gründlich zu Grunde wie die SPD.

Der Cicero betitelte übrigens schon seine April-Ausgabe mit einem Schulz-Kopf als Heißluftballon und war damit weit davon entfernt, auf den so genannten Schulz-Zug aufzuspringen. Beide Titelbilder haben zwar eine verwandte Idee, sind aber trotzdem eigenständig und gelungen.

Ebenfalls gelungen ist diese Überschrift aus dem nach wie vor glücklicherweise (größtenteils) frei zugänglichen Spiegel Online:


Die Überschrift ist sowohl originell als auch echt wahr. Mehr kann man wirklich nicht verlangen.

Schönes Wochenende!

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