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Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer: Medien haben keine Schulz-Euphorie herbeigeschrieben

„Keine Euphorie herbeigeschrieben“: Spiegel Chefredakteur Klaus Brinkbäumer über die Schulz-Berichterstattung
"Keine Euphorie herbeigeschrieben": Spiegel Chefredakteur Klaus Brinkbäumer über die Schulz-Berichterstattung

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat sich in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gegen Kritik gewehrt, die Medien und auch der Spiegel hätten zu euphorisch über den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz berichtet. Brinkbäumer verwies auf diverse Enthüllungsgeschichten des Spiegel zu Schulz: "Das ist nun das Gegenteil von, nennen wir es mal Fanberichterstattung."

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Das Spiegel-Cover, das Schulz als „Sankt Martin“ zeigt, sei laut Brinkbäumer ironisch gewesen. „‚Sankt Martin‘ konnte man nun gewiss nicht zu 100 Prozent ernstnehmen“, so Brinkbäumer gegenüber dem Deutschlandfunk. Selbstkritisch zeigte sich der Spiegel-Chef dagegen beim späteren Cover „Kippt sie?“, das einen übergroßen Martin Schulz zeigte, der sich anschickte mit dem Zeigefinger eine Angela-Merkel-Figur umzustoßen. Darüber hatte der Spiegel geschrieben: „Merkeldämmerung“. Zu diesem Titelbild meinte Brinkbäumer nun: „Die eigentliche Titelzeile lautete: ‚Kippt sie?‘ Darüber stand aber der Begriff ‚Merkeldämmerung‘ und der stand da wie eine Tatsache, ohne Fragezeichen, ohne irgendeine Form von Ironisierung oder Infragestellung. Und ob es nun wirklich eine ‚Merkeldämmerung‘ gibt, muss man zumindest nach dem Wahlergebnis von gestern bezweifeln.“

Auch andere Medien wie FAZ, SZ, TV-Sendungen und Talkshows hätten Schulz im Vorfeld der Landtagswahlen nicht hochgejubelt, meint Brinkbäumer: „Die kritischen Fragen kamen schnell, die kamen nicht erst, als Umfragen wieder in die andere Richtung gingen. Das war Journalismus, wie er sein sollte: Er war kritisch, er war hinterfragend.“

Der Spiegel habe zu Schulz eine „freundlich-neugierige, kritische Berichterstattung“ gemacht. Die Umfragen, die die SPD nach der Nominierung von Schulz im Aufwind sahen und die 100% Zustimmung beim SPD-Parteitag bei der Wahl Schulz‘ zum Vorsitzenden seien außerdem real gewesen. „Plötzlich offenbarte sich eine Perspektive für die SPD und das spiegeln Medien. Ich würde nicht sagen, dass da eine Euphorie durch Medien erzeugt wurde, die sich dann in Umfragen spiegelte, sondern ich würde sagen, dass Medien natürlich Umfragen abgebildet haben“, so Brinkbäumer. Allerdings würde er die Medien bitten, künftig weniger auf Umfragen zu hören: „Dass Umfragen zu viel Bedeutung bekommen haben, das halte ich für wahr. Dass wir eine Euphorie herbeigeschrieben hätten, daran glaube ich nicht.“

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Alle Kommentare

  1. Brinkbäumer’s Opportunismus ist deckungsgleich mit den Spiegel-Titeln. Jetzt ändert er die Meinung, weil Schulz nicht bringt, was erhofft wurde.

    Jeder wird sich noch an die Spiegel-Messages erinnern : Schulz ist derart überzeugend als Merkel-Killer, dass die Prise Ironie im ersten Titelbild das Ziel der Aussage auch noch verstärkt. Die Wahl des selbstgefälligen Fotos war keine kritische Draufschau auf den Kandidaten, sondern sollte die unkritische Grundhaltung der ersten Texte lediglich relativieren. Denn die waren für kritische Leser hart an der Grenze.

    Der zweite Titel („Kippt sie“) war die absolut überzeugte Prognose: Ja sie kippt. Titelbild-Wahl durch Brinkbäumer – wer sonst?

    Die Spitze der Union wurde mehr als nervös. Nur Angie behielt die Nerven, sie regierte einfach weiter, empfing internationale Präsidenten, und die für einen Moment treulosen Wahl-Bürger fingen an, Schulz mit der Kanzlerin zu vergleichen.

    Man muss allerdings zugeben, dass der Spiegel auch als Erster wieder „den Stecker gezogen hat“ – und den künftigen „Gottkanzler“ fallen ließ. Als allererstes Medium thematisierte Spon überraschend das fehlende Programm des SPD-Kanzlerkandidaten (was ich damals als unsolidarisch empfand). Am Folgetag übernahmen auch andere Journalisten das Wording ihres Leitmediums Spon. Schulz stürzte wieder ab – eine direkte Folge der kritischen Medien-Kommentare. Es gab ja sonst keine anderen Einflüsse – mangels Programm.

    Wenn jetzt Brinkbäumer allerdings jetzt seinen Anfangshype zu kaschieren sucht, dann ist das Faking. .

    Jetzt ist es dem Spiegel peinlich, dass in Wahlkampf-Dokus internationaler Medien und an Journalisten-Schulen die Spiegel-Titel als perfekte Ikonen für eine gescheiterte Wahlkampf-Beeinflussung gezeigt werden, jahrlang. Um den Aufstieg und Fall eines prominenten Politikers zu illustrieren, trotz / wegen des Medienhypes.

    Den Image-Schaden kann Brinkbäumer nicht abbiegen, indem er seinen anfänglichen Schulz-Jubel naiv uminterpretiert: „War ja nicht so gemeint“.

  2. Brinkbäumer hat mit seinem Satz recht. Man lese genau. Er hat gesagt, die „Medien hätten keine Schulz-Euphorie herbeigeschrieben“. Nein, sie haben sie selbst inszeniert. Brinkbäumer ist nicht dumm. Eher schlau. Das ist geführlich. Mit seiner Art der Sprach(un)genauigkeit windet er sich aus jeder Kritik. Selbstverliebter Ego. Schau er sich seinen Schulz-Titel an: Schleimerei!

  3. >Die Umfragen, die die SPD nach der Nominierung von Schulz im Aufwind sahen seien außerdem real gewesen.

    https://www.youtube.com/watch?v=urd6a8P4qvk#t=18m08

    „Bis jetzt haben mir ALLE gesagt, wir verstehen diesen [Schulz-]Effekt nicht, ich habe noch KEINEN getroffen, der diesen Effekt versteht“

    Wenn Brinkbäumer sich dummdreist hinstellt und HEUTE (im Nachhinein) nichtmal auf die Idee kommt, dass der Wahrheitsgehalt dieser Umfragen absolut fragwürdig sein könnte, dann zeigt das für mich, der Mann hängt mit drin, in diesem Schulz-PR-Hype-Lügensumpf.

  4. Herr Brinkbäumer, selbstverständlich haben die Medien den Martin Schulz nicht herbeigeschrieben. Sonst wären die Wahlen ja anders ausgegangen.
    Naja, der Wahlausgang lag womöglich aber auch ein wenig an dem Kandidaten.

    Gefährlich halte ich allerdings die Anweisung an die Medien, künftig weniger auf Umfrage-Ergebnisse zu setzen. Wollen Sie die Wähler-Herde orientierungslos machen?

    Medien und Umfrageergebnisse, das sind nicht unwichtige Werkzeuge einer weichen Demokratie- Ausprägung, die bisher weitgehend auf die Ausübung physischer Gewalt verzichten kann. Was will man mehr.

    Spiegel unter 200 000 ?

  5. Ich hatte mich schon gewundert, dass Herr Brinkbäumer so lange keines seiner Cover mehr erklären musste …

  6. Ja klar, jetzt war’s wieder keiner, und der Spiegel schon gar nicht. Wer seine Sinne noch halbwegs beisammen hatte, musste sich angesichts des Schulz-Hypes (jawohl, auch in den Medien) zwar fragen, ob jetzt alle den Verstand verloren haben. Aber da sind die einschlägigen Medien wohl mal wieder ganz falsch aufgefasst worden.

  7. Das ist doch wie wenn man einen verhassten Fußball-Trainer kickt. Da wird fast jeder neue Trainer bejubelt – muss dann aber recht bald Leistung bringen. Bei Trainern gibts im Gegensatz zu Staats-Schulden-Machern keine 100 Tage Schonfrist.

    Das Politik-Versager oder inzwischen sogar Diktatoren sogar zurück-kommen und nicht auf ewig ihre Staats-Schulden per harter Arbeit ableisten müssen, ist inzwischen auch immer normaler…
    So gesehen sind negative Schulz-Berichte und Berichte über den SPD-Schulz-Zug-Hype durchaus unabhängig voneinander. Hoeness als Spekulations-Gewinn-Steuerzahler ist etwas ganz anderes als Hoeness als FC-Bayern Manager oder als Würstchen-Fabrik-Inhaber(?).

    Jeder Politiker müsste jedes Quartal eine Bilanz ablegen müssen. Dann würden manche Gebiete plötzlich gut regiert, würden ihre Staatschulden abzahlen und Nachbar-Länder oder insolvente Grundstücke dort billigst aufkaufen und ihre Arbeitslosen und Flüchtlinge dort zum halben Preis unterbringen… Aldi und Lidl beliefern dort vermutlich gerne hin falls es im Ausland sein sollte wie man es von den Bestellungen bei Pro-Bro oder Big-Bro oder Dschungel-Camp kennt. Hat China nicht für einen Euro einen ganzen Flughafen in Spanien aufgekauft ?

    Es reicht wenn ein Politiker anfängt und sichtbar Leistung abliefert so das man ihn ohne Aufwand von den Versagern und Schuldenmachern unterscheiden kann… Wer Alternativ sein will muss Digitale Parteitage statt Hinterzimmern anbieten und wirklich mal alternativ Verhalten statt nur an Realo-vs.-Fundis-Grüne, CDU-vs.-CSU oder auch Schill-Partei oder Piraten zu erinnern… Nach Schulz-Zug und Guido-Mobil oder auch Guido im Container. Plant die AfD auch etwas in der Richtung oder reicht es, sich zerstreiten zu lassen ?

    Falls die SPD gut da stände, würde Merkel sicher längst einen Plan haben, rot-rot-grün@Berlin kurz vor der Bundeswahl (wenn Bayern in Ferien ist und auf Mallorca und Sylt nur die Headlines der Bild-Zeitung liest) zum Scheitern zu bringen.
    CDU regieren zu lassen finde ich persönlich für jeden SPD-Genossen schlimmer als mit der Linken zu koalieren und 5 Jahre(Landes-Parlamente sind leider 5 Jahre glaube ich) der CDU(+FDP) die Macht über beispielsweise die Schulen und Landes-Sender/ÖR/GEZ und Medien-Politik oder z.b. ich glaube auch die (Online)Glücks-Spiel-Gesetze zu überlassen.
    Gute SPD-Genossen (Handelsblatt oder Wirtschaftswoche könnten das auch oder Huffington-Post oder Breitbart oder Soros) sollten das als Mitglieder-Umfrage per Facebook durchsetzen: „Besser Linke als CDU“ – „Merkel gehört abgewählt“.

    Sollte Spiegel sich schämen das junge Leute FDP wählen ? Hat FDP nicht Mindestlohn abgelehnt und ziemlich falsch gelegen ? Sollten diese Politiker also die Bildung oder Renten planen dürfen oder besser nur noch weisungsgebunden zum Mindestlohn arbeiten sollen ? Oder ist manches Bildungs-Vakuum schon in den Redaktions-Praktikanten angekommen ?

    Dez 2002: http://www.informationsdienst.ruhr/archiv/detail/archiv/2002/december/artikel/nrw-studenten-haben-mangelhafte-mathe-kenntnisse.html
    Okt 2016: http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/nrw/Studenten-sind-zunehmend-studierunfähig-article3390759.html

    1. Auch Ihr Text wird nach inkrafttreten des neuen Medienzensurgesetzes zweifellos als Hasskomentar eingestuft. Wahrscheinlich sogar Beleidigung und noch mehr. Das hier ist keine Ferkelei!

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