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„Digital First“ und auf allen Kanälen: Wie Eurosport das neue Sport-TV mit Olympia und Bundesligafußball plant

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Machtverschiebung im Sportfernsehen: Eurosport überträgt die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 exklusiv, ab August überträgt der Sportkanal von US-Unternehmen Discovery die Freitagsspiele der Fußball-Bundesliga (Saison 2017/18). In München hat der Sender nun erste Details und seine Strategie vorgestellt: immer live, auf allen Kanälen und „Digital First“. MEEDIA war bei der Präsentation vor Ort.

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„Kein Olympia bei ARD und ZDF: Eurosport zeigt die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 exklusiv“ – eine Schlagzeile, deren Sprengkraft sich schon im November 2016 erahnen ließ – und spätestens mit der bevorstehenden Vergabe der Übertragungsrechte für die UEFA Champions League zur Gewissheit werden dürfte: Im Sportfernsehen bahnt sich ein Machtwechsel an. Für attraktive Sportrechte interessieren sich längst nicht mehr nur die öffentlich-rechtlichen Sender oder Pay-TV-Kanal Sky. Mittlerweile mischen auch Streaming-Anbieter wie DAZN und angeblich sogar Amazon um das quotenstarke Zuschauergold mit.

Dazu gehört auch Discovery, der Mutterkonzern von Eurosport.

Im Sommer des vergangenen Jahres hat sich das US-Unternehmen überraschend die Rechte an den Olympischen Spielen für den europäischen Markt von 2018 bis 2024 gesichert. Preis: 1,3 Milliarden Euro. Die nächsten Spiele können Sportbegeisterte hierzulande nur auf Sendern des Discovery-Konzerns verfolgen, teils frei empfangbar, teils im Pay-TV und im Netz. Ab August 2017 zeigt Eurosport gar die Freitagsspiele der Fußball-Bundesliga der Saison 2017/18. Ein Wirkungstreffer. Vor allem für die öffentlich-rechtlichen Sender, die jahrzehntelang von den Olympischen Spielen berichtet haben. Und nun einen ganz eigenen Preis zahlen müssen: ihr Prestige als Platzhirsch ist angekratzt.

Quoten-Gold: Olympia

„Wir sind Discovery bis an unsere Schmerzgrenze entgegengekommen“, räumte ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm nach den geplatzten Verhandlungen um die Sub-Lizenzen ein. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte geradezu ratlos: „Sollte Discovery seine Entscheidung nochmals überdenken und auf unser Angebot zurückkommen wollen, sind wir jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen.“ ARD und ZDF sollen allein für die Sub-Lizenzen der Winterspiele 2018 in Pyeongchang und der Sommerspiele 2020 in Tokio zwischen 100 bis 200 Millionen Euro geboten haben. Offenbar nicht genug für Discovery, die bis zu 300 Millionen Euro verlangt haben sollen. Es kursieren viele Zahlen, offizielle Bestätigungen gibt es nicht.

Welchen Stellenwert die Olympia-Übertragung hat, manifestiert sich ohnehin nicht nur in Belluts Wehmut, der bitteren Abschiedsbilanz des ZDF-Sportchefs Dieter Gruschwitz und dem öffentlich-rechtlichen Notfallplan um ein Mini-Olympia: Das Erste und ZDF waren 2016 die einzigen Sender mit zweistelligen Marktanteilen – wesentlich dazu beigetragen haben neben der Fußball-EM in Frankreich auch oder vor allem die mehr als 300 Stunden Live-Berichterstattung aus Rio. Dass Discovery im Allgemeinen, und Eurosport im Speziellen, mit diesen Zuschauerzahlen liebäugeln – liegt auf der Hand.

Wird sich der Preispoker auszahlen?

Eurosport hat sich zwar ein attraktives Sportrechte-Paket gesichert, allerdings eines durchaus umstrittenen Wettbewerbs – das Turnier hat in den letzten Jahren unter diversen Skandalen (Stichwort: Doping) und der trotzhaften Unbeirrtheit und Anforderungen des International Olympic Commitee (IOC) gelitten, das zeigten zuletzt auch die Bewerbungs-Abstimmungen in Hamburg und München/Garmisch.

Es wirkt daher umso mehr wie eine Kampfansage, dass Eurosport ausgerechnet in München von seinen Plänen für die Olympischen Spiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang (9. bis 25. Februar) und der Fußball-Bundesliga unterrichten will. Die Adresse: Das Kounge, ein rund 200 Quadratmeter kompaktes Loft mit Industrie-Charme – und das Restaurant von Holger Stromberg, der rund zehn Jahre lang die deutsche Fußballnationalmannschaft bekocht hat. Man wollte offenbar nichts dem Zufall überlassen.

„Als ich Journalist war, hat es mich an Pressekonferenzen immer geärgert, wenn es keine gute Story zu erzählen gab. Heute haben wir eine gute Geschichte zu erzählen“, sagt Eurosport-CEO Peter Hutton. Denn Digitalstrategie, exklusive Olympia- und Bundesliga-Rechte hin oder her: Der Sender plant nichts Geringeres als die Reformation der Sportberichterstattung, heißt es durch die Blume. „Wir wollen Sport für den Zuschauer noch zugänglicher machen, als je zuvor“, sagt Hutton.

„Digital First“: Mehr Content für Online-Zuschauer

Dafür wolle man sich teilweise von der altbewährten Verwertungskette – erst Fernsehen, dann Online – aufweichen, wie Ralph Rivera, Managing Director of Eurosport Digital, sagt. Sein Motto: „Digital First“. Neben den Live-Übertragungen der Olympischen Winterspiele 2018 und den Freitagsspielen der Fußball-Bundesliga wolle man den Zuschauer auch im Web und über die kostenpflichtige OTT-App Eurosport Player mit (Extra-)Content füttern: Spielanalysen, kompakte Highlight-Berichterstattung von aktuellen und vergangenen Partien, On-Demand-Inhalten und Online-Shows sollen die Online-Zuschauerschaft au allen Endgeräten überzeugen. „Wir wollen den Zuschauern einen Platz bieten, der bisher nicht existiert hat“, so Rivera. Besonders bei den Olympischen Spielen wolle man hier „jeden Moment“ aus „jeder Perspektive“ zeigen können. Virtual-Reality- und 4K-Perspektiven nicht ausgeschlossen.

„Home of the Olympics“: Wie Eurosport von den Olympischen Spielen berichten will

„Wir glauben dennoch, dass die Olympia-Berichterstattung eines der zentralen linearen Events ist“, sagt Susanne Aigner-Drews. Das zeigt nicht nur der selbstbewusste Claim („Eurosport – Home oft he Olympics“). „Es wird mehr Olympia gezeigt, als je zuvor“, sagt die DACH-Geschäftsführerin bei Discovery. „Auf allen Bildschirmen, über alle Verbreitungswege.“ Demnach werden sowohl die drei Free-TV-Kanäle von Discovery in Deutschland (Eurosport, DMAX, TLC) als auch Pay-TV-Kanal Eurosport 2 und das Online-Angebot (Eurosport Player) in die Berichterstattung mit einbezogen.

Das Herz der Berichterstattung soll dabei aber Free-TV-Kanal Eurosport sein. Das Turnier verschwindet also nur teilweise hinter der Bezahlschranke. Von Live-Wettkämpfen über Highlights bis zu Show-Formaten – der Kanal soll während der Olympischen Spiele 24/7 von dem Turnier berichten. Im Fokus stehen allerdings Wettbewerbe mit deutscher Beteiligung. Einziger Nachteil: Aufgrund der Zeitverschiebung finden zahlreiche Wettkämpfe mitten in der Nacht statt (die Eurosport-Übertragung soll um 1.00 Uhr beginnen)– hier will man mit dem Eurosport Player offenbar gegensteuern.

Im Rahmen dessen werden zwei andere Discovery-Kanäle zu Sportsendern umfunktioniert. Bei DMAX, sozusagen dem Männersender von Discovery, wolle man mit losen Livestrecken auffahren und sich auf den Bobsport und Rennrodeln spezialisieren. Hingegen TLC, der Frauensender von Discovery, soll „der Fixpunkt für Eiskunstlauf-Fans“ werden, erklärt Aigner-Drews. Pay-TV-Kanal Eurosport 2 berichtet von internationalen Highlights und zeigt die Freitagsspiele der Fußball-Bundesliga, wenn Free-TV-Kanal Eurosport noch für Olympia reserviert ist. Insgesamt komme man damit auf rund 50 Stunden Olympia-Berichterstattung im Free-TV, so Aigner-Drews.

Als namhafte Neuzugänge im Expertenteam wurden Gold-Turner Fabian Hambüchen (Olympia-Team Reporter) und die dreifache Olympia-Siegerin Anni Friesinger-Postma (Expertin Eisschnellauf) verpflichtet. Als Moderatoren werden die ehemaligen Sky-Gesichter Jan Henkel und Birgit Nössing antreten.

„Thank God it’s Matchday“: Wie Eurosport von der Fußball-Bundesliga berichten will

Eine weitere Akquise, die im Juli 2016 für Aufsehen gesorgt hat: Discovery hat sich von der DFL das Rechtepaket A (für das Pay-TV) gesichert – und damit die Freitagsspiele der Fußball-Bundesliga, Highlight-Berichterstattung zu allen 306 Bundesligaspielen der Saison 2017/18 und den Relegationsspiele. Den Auftakt macht der DFL-Supercup am 5. August.

Von den 45 Spielen des Pakets finden 30 am Freitagabend (um 20.30 Uhr), fünf am Sonntagmittag (13.30 Uhr) und fünf am Montagabend (20.30 Uhr) statt. Der Clou: Während die Live-Partien und Highlights nur im Pay-TV gezeigt werden (Programmtitel: „Matchday“) können, findet die Vor- und Nachberichterstattung (Arbeitstitel: „Thank God it’s Matchday“) auch im frei empfangbaren Eurosport statt. Der Eurosport Player soll dabei – neben allen Toren und Highlights – noch mit zusätzlichen Formaten und Inhalten auffahren. Die Spiele kommentieren Matthias Stach und Marco Hagemann, als Experten-Duo treten Moderator Jan Henkel und Matthias Sammer auf.

Auf die Rechte an der UEFA Champions League, die aktuell verhandelt werden, habe man allerdings nicht geboten, so CEO Hutton.

Warum Sky noch Probleme machen könnte

„Sie werden in den kommenden Wochen ein völlig neues Eurosport erleben“, so Aigner-Drews. Allerdings ist ein entscheidender Punkt noch ungeklärt: Eine Einigung bezüglich der künftigen Distribution von Eurosport 2 über Sky – das die restlichen Bundesliga-Rechte hält – steht immer noch aus. Man wolle allen Sky-Abonnenten die Bundesliga-Spiele von Eurosport 2 zugänglich machen. Im Zweifel benötigen Fußballfans daher in der neuen Fußball-Saison möglicherweise einen zweiten Decoder.

Zwar habe man den Kollegen (oder der Konkurrenz) aus Unterföhring bereits ein Angebot unterbreitet, doch eine Antwort steht bisher aus, so Aigner-Drews. Natürlich wolle man „möglichst schnell eine Einigung finden. Aber es kann auch noch eine Weile dauern“, so Aigner-Drews offenbar betont gelassen. Denn immerhin habe man, Sky hin oder her, bereits mit dem Eurosport Player einen attraktiven Distributionskanal. Ob sich Fußball-Fans mit diesem zufrieden geben würden, bleibt allerdings zu bezweifeln.

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Alle Kommentare

  1. http://meedia.de/2017/05/10/quartalszahlen-disney-verdient-24-milliarden-dollar-aber-espn-bleibt-das-sorgenkind/
    ESPN-Abo-Verluste in der wachsenden Wirtschaft sind ein Zeichen der echten (nicht nur herbei-geschriebenen) Veränderung. Premiere/Sky hingegen hat aktuell wohl gute Abo-Zuwächse.

    Man könnte z.B. jeden Olympia-Wettbewerb pro Tag für je ein Euro anbieten. In der App natürlich. Die geht nämlich auch auf SmartTVs.
    Amazon und Google und Apple unterbieten sich dann gegenseitig und nehmen gar keine 15-30% Gebühren mehr und je nach Anbieter gibts 120fps bei iTunes aber nur in FullHD und auf den guten Fire2TV-Boxen in UHD1-4k 30fps 10Bit-HDR weil Amazon-Fire2-Box besser ist als Google-FireStick wo vielleicht nur 30fps FullHD 8Bit gehen.
    So einfach wäre das.

    Dicke Paket-Angebot sind unnötig.
    Das Timing passt auch, weil dank Netflix usw. die Bandbreiten und DSL-Anschlüsse darauf ausgelegt sind.
    Wie schon bei Musik und TV-Serien/Filmen entwickelt sich Internet-Sport-TV am linearen TV vorbei und die Establishment-Player (KabelTV-Anbieter) müssen sich vielleicht bald warm anziehen.
    Die Frage ist, ob die Firmen technologisch so schlau wie Amazon Apple Tesla oder auch Netflix sind oder ähnlich gut wie Fahrkarten-Automaten oder Online-Banking und ähnlich beliebte Software wie als allerneuestes Spiegel-Daily sein werden.

    Fast keine IT-Firma (Auch Amazon und Ebay kann man besser machen!) beherrscht die Kundenansprache von der iWatch (Jim Cramer benutzt die gerne und erzählt davon bei CNBC) über iPhoneSE, Phablets, Tabletts, Laptops und natürlich 60″-500-Euro-UHD1-4k-HDR-10-Bit(ok, nicht für 500 Euro glaube ich)-Fernsehern per Fernbedienung… Rentner-Bekannte lesen nur noch am Ipad weil man da die Schrift größer machen kann. PDF ist da natürlich nicht angebracht und Readly wird dort abgelehnt.
    Tja. Selber schuld wenn Ihr ersetzt werdet weil brauchbare Software keinen Boni-Manager kümmert.
    Das ist der Musik-Industrie(durch iTunes) und Linearem TV(durch PrimeVideo und Netflix) und Luxus-Uhren(durch iWatch) auch schon spürbar passiert und passiert bei Autos(durch Tesla3) auch bald.
    ESPN steht ja wohl auch schon endlich unter Druck(siehe Anfang des Textes)

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