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Eurovision Song Contest schwach wie seit 2009 nicht mehr, MDR landet Treffer mit Muttertags-Show

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Salvador Sobral gewinnt den ESC 2017 für Portugal, Foto: Andres Putting

Das erneut schlechte Abschneiden Deutschlands beim Eurovision Song Contest interessierte diesmal deutlich weniger Zuschauer als in den vergangenen Jahren. Der Tagessieg war dem Ersten zwar nicht zu nehmen. Doch das Signal ist deutlich. RTL wollte vom ESC-Glanz profitieren, ging aber baden.

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Das sind die fünf Dinge, die Sie über die Quoten vom Samstag wissen müssen:

1. Tagessieger mit problematischer Tendenz: ESC hat 1,5 Mio. Zuschauer weniger als noch vor einem Jahr

„Amar Pelos Dois“ heißt der Siegertitel des 62. Eurovision Song Contest, er stammt von Salvador Sobral aus Portugal, das knapp vor Bulgarien und Moldau ins Ziel ging. Deutschland landete mit Levine und ihrem Titel „Perfect Life“ auf dem vorletzten Platz (mit nur sechs Punkten). Der Abend aus Kiew interessierte 7,76 Mio. Zuschauer ab 3 Jahren, die das Erste problemlos zum Tagessieg trugen. Zugleich ist das aber die schlechteste Zuschauerzahl seit acht Jahren: Bevor Lena 2010 für Deutschland abräumte, war das ESC-Interesse 2009 (als Alex swings Oscar sings für Deutschland ins Rennen gingen und zumindest Platz 20 holten) mit 7,36 Mio. zwar nicht auf dem Tiefpunkt angelangt. (Der war schon ein Jahr zuvor erreicht, als die No Angels antraten und nur 6,38 Mio. zusahen.) Doch das reichte, um in der ARD danach den Befreiungsschlag über die Kooperation mit Stefan Raab zu wagen. Ärgerlich ist die jetzige Zuschauerzahl auch, weil im vergangenen Jahr – auch schon ohne großen ESC-Hype – noch 9,38 Mio. eingeschaltet hatten, anderthalb Millionen mehr. Am Samstag sah dennoch jeder dritte Zuschauer (31,5%) Song Contest, den „Countdown für Kiew“ hatten zuvor 3,94 Mio. eingeschaltet (14,5%), und für die „Grand Prix Party“, bei der es wenig zu feiern gab, blieben ab 0.45 Uhr noch 2,56 Mio. dran. Im jungen Publikum hatten 3,65 Mio. eingeschaltet (exakt 1 Mio. weniger als im Vorjahr), der Marktanteil lag bei 39,8%. Kleiner Trost: Zu den 7,76 Mio., die den ESC im Ersten sahen, kommen noch einmal 320.000 Zuschauer, die die Show beim Digitalsender One verfolgten (1,3%).

2. Stefanie Hertels „Muttertagsshow“ bringt den MDR nach vorn, RTL geht als ESC-Trittbrettfahrer unter

RTL wollte auch ein bisschen vom ESC profitieren und zeigte ab viertel nach acht als direkte Konkurrenz zum Countdown im Ersten „Song Contest – Das Phänomen“. Klingt nach einer guten Idee, war aber keine: Mit 1,33 Mio. Zuschauern ab 3 jähren landete RTL hinter „Hotel Transsilvanien“ in Sat.1 (1,43 Mio.) und musste außerdem dem MDR den Vortritt lassen. 1,54 Mio. hatten dort „Stefanie Hertel – Die große Show zum Muttertag“ eingeschaltet, das reichte für gute 5,3% Marktanteil. Zur Primetime war der MDR damit der zweitstärkste ESC-Konkurrent – freilich mit riesigem Abstand.

3. „Wilsberg“ beschert dem ZDF einen guten Primetime-Start – aber danach …

Der Abstand zwischen Kiew und „Wilsberg“ im ZDF fällt schon deutlich knapper aus. 4,83 Mio. (16,8%) reichten aber noch lange nicht, um dem Ersten gefährlich zu werden. Während zum „heute journal“ 3,26 Mio. dranblieben, musste sich „das aktuelle Sportstudio“ nachher mit 1,98 Mio. begnügen, „Bella Block“ mit 1,19 Mio. Die Bundesliga-„Sportschau“ zum vorletzten Spieltag hatten im Ersten am Vorabend hingegen 5,29 Mio. Zuschauer ab 3 Jahren eingeschaltet. RTL war dafür am Nachmittag mit Formel 1 und dem Qualifying zum Großen Preis von Spanien erfolgreich, das ab 14 Uhr 1,81 Mio. sehen wollten (17,3%). Der SWR zeigte „Wer weiß denn sowas XXL“ und sicherte sich damit 4,1% dank 1,15 Mio. Zuschauern im Gesamtpublikum.

4. Sat.1 im jungen Publikum knapp vor RTL, ProSieben chancenlos

Im jungen Publikum sah’s für „Song Contest – Das Phänomen“ bei RTL auch nicht besser aus: 0,72 Mio. 14- bis 49-Jährige reichten für 8,7% Markanteil, für „Die 100 krassesten Videos aus 100 Ländern“ ging’s danach noch weiter bergab, nämlich auf 7,3% (750.000 junge Zuschauer). Sat.1 schaffte 9,0% mit Dracula, Frankenstein & Co.: dem animierten „Hotel Transsilvanien“ (0,83 Mio.). Richtig schlecht sah es hingegen für ProSieben aus, wo „Zu scharf, um wahr zu sein“ zu schwach, um wahr zu sein, war: 5,1% Marktanteil bei den jungen Zusehern (0,48 Mio.).

5. Vox kommt mit „Deep Impact“ glimpflich davon,. RTL II startet den Abend unter 3%

Damit landete ProSieben außerdem hinter Vox, wo von den 1,3 Mio. Zuschauern ab 3 Jahren für „Deep Impact“ 540.000 im Alter zwischen 14 und 49 Jahren waren. Das reichte für 5,7% in der jungen Zielgruppe, angesichts der Konkurrenz gar nicht so schlecht. Von solchen Werten kann RTL II mit „Warehouse 13“ nur träumen (2,2% bzw. 3,0%), für „Prison Break“ entschieden sich nachher 310.000 14- bis 49-Jährige, wenigstens 3,8%. Bei kabel eins war „Hawaii Five-0“ nach 22 Uhr die meistgesehene Sendung (1,1 Mio. Zuseher ab 3 Jahren). Und den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Eishockey-WM durch den Sieg gegen Italien sahen insgesamt 830.000 bei Sport1.

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