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„Aus heutiger Sicht hätte die Serie wahrscheinlich nicht überlebt“: UFA-Chef Kosack über 25 Jahre „GZSZ“

„Der Daily-Markt ist schon immer hart umkämpft gewesen“, so  UFA-Chef Joachim Kosack
"Der Daily-Markt ist schon immer hart umkämpft gewesen", so UFA-Chef Joachim Kosack

Vor 25 Jahren, am 11. Mai 1992, ist "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" zum ersten Mal auf Sendung gegangen. Fast von Anfang an mit dabei: Joachim Kosack, heute einer der Geschäftsführer der für "GZSZ" verantwortlichen UFA Serial Drama und der UFA Fiction – und von 1996 bis 1999 als Storyliner, Chefautor und Regisseur RTL-Dailysoap-Dauerbrenners. Warum die Serie erst die Kurve kriegen musste, das Genre (noch) ein Comeback erleben wird und womit die UFA Trends setzen will, erzählt Kosack im MEEDIA-Interview.

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Herr Kosack, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ hat am 11. Mai den 25. Geburtstag gefeiert – mit über 6.000 Folgen gilt die Daily-Soap als erfolgreichste und langlebigste im deutschen Fernsehen. Wie ist das denn passiert?
Joachim Kosack:
Weil es ein großartiges Format ist. Weil Menschen gern horizontal-langlaufende Serien schauen – in einem Ritual, tagtäglich – und mit ihnen alt werden. Außerdem zieht „GZSZ“ auch immer wieder neue Zuschauer in seinen Bann.

Das war allerdings nicht immer so. Im Februar 1992 startete die Produktion von „GZSZ“, als Vorlage für die ersten 230 Folgen dienten noch die Bücher von der australischen Serie „The Restless Years“. Kaum 800.000 Zuschauer haben damals zugesehen. Wie viele Jahre hätten Sie der Daily-Soap damals gegeben?
Aus heutiger Sicht hätte die Serie wahrscheinlich nicht überlebt. Damals haben vor allem private Sender wahnsinnig viel Programm gesucht und waren – wie RTL – bereit, etwas auszuprobieren. Man gab Sendungen wie „GZSZ“ die Zeit, sich zu entwickeln. Ich kam 1996 zur 997. Folge dazu, als die Quoten merklich angezogen hatten und das Format begann, zum Erfolg zu werden. Da lief „GZSZ“ aber schon vier Jahre. Insofern war es bereits eine Leistung, das Format aus Überzeugung so lange laufen zu lassen.

Heute schafft es „GZSZ“ immer wieder, regelmäßig bis zu drei Millionen Zuschauer einschalten zu lassen. Können Sie den Wendepunkt, an dem „GZSZ“ das Ruder rumgerissen hat, verorten?
Es kursiert die Legende, dass der damalige Executive Producer nach zweieinhalb Jahren, als die Quoten von „GZSZ“ noch nicht so gut waren, zu den unglücklichen Autoren kam und sagte: „Die Quoten laufen doch gut!“ Aus dem einfachen Grund, weil die Serie bei Frauen unter 25 Jahren der Marktführer ist – und darauf werde man nun aufbauen. Das Format wurde für die jungen Leute langsam aber sicher ein tagtäglicher Begleiter. Aber wann und wodurch die Serie schließlich zum Erfolg wurde, müsste man vermutlich einen Historiker oder Familienwissenschaftler fragen.

Diese wertvolle Zielgruppe hat „Mila“ (2015) – ebenfalls eine Produktion von UFA Serial Drama – offenbar gefehlt. Die Daily-Soap wird heute als Paradebeispiel für Daily-Soap-Flops angeführt.
Na ja, wenn wir immer so leicht definieren könnten, warum die eine Sendung floppt oder nicht, gäbe es vermutlich keine Flops. Wir können bei „Mila“ (Sat.1, Anm. d. Red.) über die ungünstige Programmplatzierung um 19.00 Uhr reden und genauso über den Inhalt . Dazu hat es viele interne Analysen gegeben. Sicher ist eigentlich nur: Mit „Mila“ haben wir versucht, eine neue Daily-Drama-Serie zu starten und dabei bestimmte, routinierte Abläufe nicht zu bedienen, um etwas wirklich Neues zu machen. Das hat leider nicht funktioniert. Sicher auch, weil der Markt für die Dailys schon immer ein hart umkämpfter gewesen ist.

Inwiefern?
Vor zehn Jahren gab es zahlreiche Telenovelas und tägliche Fiction-Formate. Davon haben ungefähr drei überlebt – vielleicht lassen sich noch „Berlin – Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ dazuzählen. Der Markt für tägliche Serien ist heute ein völlig anderer. Mit „Mila“ haben wir 2015 etwas Neues versucht, das mit Konventionen bricht. Ein Format, das nicht ganz so romantisch erzählt, etwas frischer und moderner ist. Das war ein Versuch, der einfach nicht funktioniert hat. Und natürlich die Frage aufgeworfen hat: Welche neuen Formate kann man überhaupt noch in diesem fragmentierten Markt starten?

Die Frage würde ich gern an Sie zurückspielen: Was sagt der gescheiterte Versuch über den Markt aus? Zwar sind neben „GZSZ“ auch Soaps wie „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ erfolgreich – aber eben auch alt eingesessen. Haben neue Daily-Soaps im deutschen Fernsehen überhaupt noch eine Chance?
Auf jeden Fall. Schon damals hat man gesagt, dass der Markt gesättigt sei. Dann kam „Bianca – Wege zum Glück“ (2004), woraufhin „Sturm der Liebe“ (2005) und vieles mehr entstanden ist. Die Frage, die wir uns momentan bei der UFA stellen, ist: Welches Format weckt Begehrlichkeiten bei Auftraggeber und Zuschauer? Natürlich ist es schwieriger geworden, ein Daily Drama zu etablieren, weil die Individualisierung von Programm – alles ist jederzeit und überall abrufbar – für ein Daily-Format problematisch ist. Das darf aber keine Ausrede sein. Wir müssen den richtigen Schlüssel finden, um diese Begehrlichkeit wieder zu wecken und eben neue Formate wie „Mila“ im traditionellen Fernsehen zu starten und zu ritualisieren. Beim „Tatort“ läuft es nicht anders.

Was ist denn der Schlüssel zum Soap-Erfolg? Welche Herausforderungen muss das Genre heute im deutschen Fernsehen bewältigen?
Das Programm muss einerseits ein klares Versprechen mitbringen und sehr eindeutig sein, die Neuaufladung allerdings auch. Ein Film über einen Flugzeugabsturz ist spannend – aber was können Sie der Story noch hinzufügen, damit sie neu erscheint? Das ist bei einem Daily-Format nun mal schwer, weil tägliche Formate von der großen Liebe, der Romantik und großen Versprechen leben. Diesen Spagat müssen Sie hinbekommen: Das Genre zu wahren, ohne dabei altbacken zu wirken.

Wie würden Sie das Programmversprechen von „GZSZ“ beschreiben?
„GZSZ“ transportiert in einer Folge mehrere Erzählstränge, Farben und Temperaturen. Gleichzeitig verfolgen die Zuschauer Menschen in ihrem Leben, die sich einerseits nah an der eigenen Lebenswirklichkeit bewegen, sich andererseits aber dramatisch davon abheben.

Um mal einen dieser Erzählstränge zu skizzieren: Der machthungrige Anwalt Jo Gerner entführt seine eigene Tochter, weil er sie nicht mit deren bitterbösen Mutter teilen will, die leidet Höllenqualen, später ist alles wieder gut – und plötzlich taucht ihre unbekannte Halbschwester auf und tarnt sich als Babysitterin. Wie entstehen diese unglaublichen Geschichten?
Bei der Entstehung von „GZSZ“ kann man von einem klar definierten Prozess reden, nach dem unsere Autorenteams arbeiten – um das oft bemühte Wort „Writers Room“ mal nicht zu verwenden. (lacht) Da sitzen zunächst Menschen zusammen, die sich überlegen, welche Figuren wir im Ensemble haben…

…da spricht der ehemalige Theaterregisseur aus Ihnen…
…weil wir uns am Theater auch immer überlegen mussten: Wir können uns 15 Schauspieler leisten – wie stelle ich mein Ensemble zusammen, um meine Geschichte erzählen zu können? Denken Sie an ihr letztes Familienfest: Da gibt es die kleine Jessica, Tante Emma, noch ein paar Onkel – alle sind ihnen eigentlich ans Herz gewachsen, obwohl sie den ein oder anderen vielleicht auf den Tod nicht ausstehen können. Wir mögen es, uns über sie aufzuregen. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch für sie, wenn sie etwa im Lotto gewinnen. Also, erster Schritt: ein Ensemble zusammenstellen, das unser Leben abbildet. Im zweiten Schritt stricken die sogenannten Storyliner Woche für Woche die Folgen sozusagen in einer Wegbeschreibung weiter, bevor Dialoge getextet werden und schließlich gedreht wird.

Das klingt tatsächlich eher nach einem routinierten, beinahe mechanischen Ablauf.
Wir arbeiten hier nach Spielregeln – „mechanisch“ wäre aber sicher der falsche Ausdruck. Man kann den Entstehungsprozess fast mit einer Partie „Die Siedler von Catan“ vergleichen: Eigentlich hat das Spiel sehr starre Regeln – aber umso mehr man in diese eintaucht, desto freier und fantasievoller kann man mit ihnen umgehen. Man muss gewisse Grenzen des Formates begreifen und auch akzeptieren. Etwa die Dauer einer Folge oder die Anzahl der Schauspieler. Und genauso wie Sie im Spiel ihre Siedlungen aufbauen, entwickelt sich aus den Figuren und der Storyline von „GZSZ“ irgendwann eine eigene Dynamik. Und da passiert es auch mal mir, dass ich sage: „Wow, mit dem Ausgang hätte ich jetzt nicht gerechnet.“

Und was passiert, wenn man die Spielregeln nicht befolgt?
Wir haben schon in den 90er-Jahren festgestellt, dass die Anzahl des Ensembles entscheidend ist. Diese liegt momentan bei etwa 22 Charakteren. Wird diese zu hoch, sind die Zuschauer überfordert. Es kommen zu viele Geschichten, Gesichter und Eindrücke zusammen – da verliert der Daily-Drama-Zuschauer den Überblick und schaltet ab.

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Die Zuschauer spielen gern mit, bei der Kritik hat „GZSZ“ aber oft die schlechteren Karten gehabt. „Miese Schauspieler, absurde Plots“, schrieb einmal Spiegel Online. Die Süddeutsche Zeitung bemängelte die „veraltete Figurenzeichnung“. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Ich kann sehr gut damit leben. Erstens: Weil diese Kritiken, die Menschen, die es gucken, nicht wirklich beeinflussen. Zweitens: Weil die Journalisten, die über GZSZ schreiben, meist nicht die Zielgruppe sind. Drittens, und das ist das Entscheidende: Wie sehr haben sich die Kritiker wirklich mit dem Format beschäftigt? Schauen Sie sich heute mal eine Folge „GZSZ“ an. Die kann locker mit hochgelobten Serien mithalten.

Sie können die Kritik also nicht nachvollziehen?
Es gibt einige Medienjournalisten, deren Kritik ich sehr ernst nehme – weil ich merke, dass sie sich tatsächlich mit dem Format auseinandergesetzt haben und auch das Genre im Großen und Ganzen sehen. Man kann nun einmal nicht ein Musical wie „Der König der Löwen“ durch die gleiche Brille betrachten wie ein Drama wie „Unsere Mütter, unsere Väter“. Oder „Breaking Bad“ mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ vergleichen. Ich bin immer bereit, mich mit Kritiken auseinanderzusetzen, solange nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ansonsten ist die Kritik irrelevant.

Auf der „GZSZ“-Website und auf Facebook, wo die Daily-Soap über 1,5 Mio. Follower hat, werden Fans regelmäßig mit Interviews, Ausschnitten und Videos versorgt – in den Kommentarspalten wird diskutiert, wie es weitergehen könnte oder sollte. Ein Lackmustest für neue Charaktere und Geschichten?
Das Format ist schon immer wahnsinnig nah am Zuschauer gewesen. Noch bevor es das Internet gegeben hat. Schon damals standen vor den Studios in Babelsberg etliche Fans, mit denen wir uns über die Serie unterhalten haben. Dieser direkte Kontakt ist ganz wichtig. Natürlich gibt es auch die Marktforschung und man muss permanent ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Zuschauer auf unsere Geschichten reagieren. Insofern ist das Internet natürlich ein wichtiges Instrument bei der Gestaltung von „GZSZ“. Die Zuschauer sind zwar keine Co-Autoren, geben aber wichtige Anregungen. Das sorgt manchmal für einen Overload an Inspirationen.

„Produktionen wie GZSZ sind Kronjuwelen, die man hegen und pflegen muss“

„Die Verbindung der Zuschauer zu bestimmten Sendern und gewissen linearen Programmen ist vielleicht nicht mehr ganz so stark wie früher.“, haben Sie einmal gegenüber der Welt gesagt. Muss es „GZSZ“ vielleicht auch im Netz geben damit das Format langfristig erfolgreich sein kann?
Das Fernsehen ist, bei aller Fragmentierung, immer noch das stärkste Massenmedium. Und das wird auch noch lange so sein. Punkt. Aber das Fernsehen ist eben nicht mehr der einzige Multiplikator. Auch Punkt. „GZSZ“ wird zwar immer Fernsehprogramm bleiben, aber das Internet ist ein wichtiger Vertriebsweg geworden. Fernsehmacher, Werber und Journalisten – wir alle – wollen möglichst viele Menschen erreichen. Da ist eine Marke wie „GZSZ“ Gold wert, natürlich auch im Internet. Dazu braucht das Internet aber mehr „GZSZ“ als „GZSZ“ das Internet. Wieder Punkt.

Am 4. März 2016 haben Sie die Leitung der UFA Serial Drama angetreten. Wie fällt Ihrer erste Bilanz aus? Und wie lang ist Ihre To-Do-Liste?
In meinem ersten Jahr ist schon viel passiert. Wir haben die interne Struktur ein Stück weit umgebaut. Ein ganz wichtiger Punkt dabei war, unsere Serien eigenständig und teamorientiert aufzustellen. Der einzelne Produzent bzw. das kreative Team sollten mehr eigenständige Verantwortung bekommen. Weiter war uns wichtig, dass sich die Kollegen noch mehr untereinander vernetzen. Gleichzeitig haben wir uns als wichtiges To-Do vorgenommen, Ende 2018 in die Produktion eines klassischen Daily-Formates zu gehen. Das Thema steht ganz oben auf der Agenda. Nebenbei müssen Sie natürlich immer wieder überprüfen, dass Formate wie „GZSZ“ richtig aufgestellt sind, und sich fragen: Gehen wir mit dem Team in die richtige Richtung? Stehen ihm alle Ressourcen zur Verfügung, die es benötigt? Stimmt das Budget? Produktionen wie GZSZ sind nun einmal die Kronjuwelen, die man hegen und pflegen muss.

Kronjuwelen, weil Daily-Formate wie „GZSZ“ Zuschauer generieren?
Kronjuwelen deshalb, weil GZSZ seit 25 Jahren erfolgreich läuft, Zuschauer generiert und eine wirtschaftliche Sicherheit schafft. Man braucht eine gewisse Planungssicherheit, um große Produktionen verwirklichen zu können – daran hängen ja auch viele Mitarbeiter. Dafür ist natürlich eine tägliche und leidenschaftliche Kreationsarbeit nötig.

Die Welt hat Sie einmal einen „beharrlichen Dickbrettbohrer“ genannt. An welchen dicken Brettern bohren Sie den aktuell?
Wir arbeiten aktuell an neuen täglichen Formaten, die wir zur gegebenen Zeit vorstellen werden.

Als Sie ihr Amt angetreten sind, haben Sie über sogenannte Super Series geschwärmt, also einer aufwändigen Primetime-Telenovela mit 30 bis 60 Episoden pro Season. Handelt es sich dabei um ihr „dickes Brett“ oder wann werden Sie dieses Thema angehen?
Da sind wir schon wesentlich weiter und bereits mit Sendern im Gespräch. Das ist insofern ambitioniert, weil es eigentlich nur ein Mal im deutschen Fernsehen – dafür aber extrem erfolgreich – eine horizontale Primetime-Telenovela gegeben hat: „Hinter Gittern“. Und da wollen wir hin. Wir haben gute Konzepte, was uns von den Partnern auch zurückgespielt wird, und leisten gerade noch ein wenig Überzeugungsarbeit. Aber ich bin mir sicher, dass sich ein Sender trauen wird. Ich gehe fest davon aus, dass wir noch im Jahr 2017 jemanden finden werden, der uns beauftragt.

Für viel Gesprächsstoff hat auch die UFA Fiction-Produktion „Hitler“ gesorgt, bei der kurz vor Jahresende RTL als Auftraggeber abgesprungen ist. Ende Januar sagten Sie in einem Interview, dass Sie mit neuen Partnern im Gespräch seien. Wie lautet das Ergebnis?
Die Gespräche laufen noch. Übrigens haben der Sender und wir nach langen Überlegungen gemeinsam entschieden, getrennte Wege zu gehen.

Klingt nicht „sehr konstruktiv“, wie Sie in dem Interview gesagt haben.
Doch, auf jeden Fall. Die Gespräche sind noch immer sehr konstruktiv. Das sind einfach Projekte, die ihre Zeit brauchen. An „Unsere Mütter, unsere Väter“ hat Nico Hofmann ungefähr acht Jahre gearbeitet. Bei einem Thema wie Hitler überlegen Sender und Partner zwei Mal, bevor sie sich entscheiden – und das muss man auch.

Nun sind Sie ja ohnehin erst einmal mit den nächsten 25 Jahren „GZSZ“ beschäftigt – oder spricht etwas dagegen?
Ich weiß nicht, wie da bei mir die Rentenregelung ist (lacht). Aber ich hätte kein Problem damit, mich auch noch mit 77 Jahren mit „GZSZ“ zu beschäftigen. Notfalls gucke ich es eben im Fernsehen.

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Alle Kommentare

  1. Fein das Interview mit Herrn Kosack. Passt zur aktuellen Diskussion, dass u.a. mit den Schauspielern, die dieses satte Pensum täglich spielen, in der Branche in einer Art und Weise umgegangen wird, dass es nahezu eine Unverschämtheit ist. Ich weiß nicht, warum heute in den Sendern inzwischen so viele Banausen sitzen, die überfordert zu sein scheinen und sich wahnsinnig wichtig gerieren. Die schauen sich ihre Daily-Leute nicht mal mehr an geschweige denn dass sie sich dankbar zeigen für deren Leistungen, der den Verkauf dieser Dailys in viele Länder erst möglich macht. Vor allem die Schauspieler sollten sich mal alle verbünden und keinen Vertrag mehr unterschreiben ohne die Zusage von Nachfolgeprojekten in der Tasche haben. Wenn Kosack „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ erwähnt, sollte er auch über den Unterschied zu heute reden. Eine Annette Frier z.B. hat wie selbstverständlich dort gespielt (steht heute noch gelassen dazu) und keiner wagt zu behaupten, sie sei keine gute Schauspielerin. Weder Herres (ARD Programmdirektor) noch Schwingel (ARD/Degeto-Sturm der Liebe) noch Granderath (NDR-Rote Rosen) noch – und das ist fast noch schlimmer – die Kolosse Studio-Hamburg-Gruppe (ca.15 100%-Produktionen) und Bavaria-Produzenten schaffen es, die nach Auswahlverfahren engagierten Schauspieler in ihren vielen Formaten zu besetzen (ist es bei RTL und Ihnen besser Herr Kosack?). Stattdessen beschäftigen sie ständig interne und externe CasterInnen (die auf ihren Seiten drohend schreiben, dass sich ja kein Schauspieler melden oder erwarten soll, dass sie sich nach unerwünschter Einreichung von Unterlagen rückmelden.. ein weiterer Irrsinn in sich). Dafür besetzen sie auch immer dieselben Leuten und kuscheln mit denjenigen Agenturen, die ihre Haute Volaute nur gnädig besetzen lassen hahahaha… Liest sich nach Lachnummer ist aber keine! Wer ist an diesem allgemeinen Versagen der Branche eigentlich schuld? Die Sender, die nur noch den von ihnen (Monopol) selbst ernannten „Stars“ Millionen Gebührengelder rein-stopfen wollen? Die im Voraus gehorsam buckelnden Produzenten, die nur die „richtigen“ Leute vorschlagen. Die Senderleute und Produzenten, die die Dailys in Deutschland eingeführt haben, waren sehr dankbar für diejenigen, die diese Kärrner-Arbeit geleistet haben. Es war undenkbar, dass sie nicht immer wieder bei diesen Formaten vorbei geschaut, die Leute eingeladen und weiter beschäftigt haben. Dazu sind die heutigen äähm… offensichtlich nicht in der Lage oder sie wollen einfach nicht. Und diese Kälte und Gleichgültigkeit bei erkennbarer Hybris zieht sich durch die ganze Branche. Leider. Denn mit der fehlenden Wertschätzung und Dankbarkeit von Produzenten und Sendern nimmt die Behauptung, nur schlechte Leute „müssten“ bei Dailys arbeiten, immer weiter überhand. Dabei ist die Daily-Erfahrung und -Leistung eine sensationell gute Schuld für jeden jungen Schauspieler. Dass viele trotzdem wegen des Images nicht dort arbeiten wollen, ist vermutlich keine dumme Entscheidung für ihre Zukunft. Dass die vor allem von ZDF-Leuten eingeführte und gehätschelte Trennung von E (Fernsehfilm) und U (Mist) muss zwingend aufhören. Herr Kosack übernehmen SIE! Dann haben auch neue Formate wieder ein Publikum, dem nicht – auch von Medien – permanent um die Ohren gehauen wird, das sei nur Schrott für dumme Zuschauer.

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