Ärger um Sitzordnung bei Illner: Die Linke, Beatrix von Storch und der Katzentisch

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Bei Maybrit Illner nur am "Katzentisch"? Die Linke fühlt sich beim ZDF links liegengelassen. Sie will sich das nicht bieten lassen und löst ein zähes Hin und Her aus.

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Dass die Sitzordnung eine äußerst heikle Sache sein kann, weiß fast jeder, der schon mal eine große Familienfeier ausgerichtet hat. Beweist man als Gastgeber dabei ein glückliches Händchen, hebt das die Stimmung. Kompliziert wird es mit der Platzierung von Geschiedenen, Querulanten und anderen schwierigen Gästen. Die Planer der ZDF-Talkrunde „Maybrit Illner spezial“ bewiesen am Donnerstag bei der Platzierung ihrer Gäste so wenig Geschick, dass eine Politikerin mit großem öffentlichem Tamtam absagte. Schuld war ein extrem schwieriger Gast.

Bei Illner mit von der Partie: AfD-Vizechefin Beatrix von Storch, die immer wieder mit rechtspopulistischen Bemerkungen Empörung auslöst. Doch wer sollte mit der AfD-Ideologin reden? Die Frage beschäftigte Sender und Politik über Stunden – böses Blut kochte hoch.

Mittags machten die Linken im Bundestag ihrem Ärger Luft. Sie verschickten eine Pressemitteilung. Überschrift: „Im Bundestag stärkste Oppositionspartei, bei ‚Illner-Spezial‘ am Katzentisch?“. Der Vorgang, so wie die Linken ihn schilderten: Ihre Migrationsexpertin Sevim Dagdelen sollte mit von Storch in einer Extra-Runde diskutieren. Vom ZDF verweigert werden sollte ihr der Zugang zum Sitzkreis der Talksendung mit SPD (Fraktionschef Thomas Oppermann), CDU (Vizechefin Julia Klöckner), Grünen (Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth) und FDP (Vizechef Wolfgang Kubicki).

Die Linken zeigten sich pikiert – und sagten ihre Teilnahme ab. Und zwar nicht ohne die Angelegenheit für einen Seitenhieb gegen SPD und Union zu nutzen: „Ob die große Koalition vor der wichtigen Landtagswahl in NRW inzwischen so nervös ist, dass sie nur mit ihr genehmen Oppositionsparteien diskutieren möchte, oder ob das ZDF die Entscheidung eigenmächtig getroffen hat, wissen wir nicht.“ Diese Ausgrenzung der Linken solle im Wahljahr aber bitte einmalig blieben.

Da stellte sich natürlich die Frage, wer nun mit von Storch reden könnte – oder ob die AfD-Frau nun wegen der Absage der Linken auch nicht mehr mitmachen durfte bei der Sendung „Notruf im Wahljahr“ über Innere Sicherheit in Deutschland. Doch zum Glück zeigte sich die FDP unerschrocken und wollte einspringen.

Wolfgang Kubicki sollte nun ins Duell mit der AfD-Frau. „Er ist gerne bereit, Frau von Storch zu stellen“, sagte Parteisprecher Nils Droste am Nachmittag. Wie hinter den Kulissen zu erfahren war, sollte Kubicki anders als offenbar die Linken-Abgeordnete seinen Platz in der großen Runde in den anderen Teilen der Sendung aber sicher haben. AfD-Sprecher Christian Lüth versicherte, von Storch habe zugesagt beim ZDF. Am späteren Nachmittag teilte ein ZDF-Sprecher mit, Illner selbst werde mit von Storch reden. Die Linke blieb derweil draußen.

Der Sender zeigte sich überrascht vom Rückzug der Linken: „Wir sind verwundert, dass uns die Linke so kurzfristig zu dieser Sendung absagt, obwohl sie seit längerem das Konzept kannte und uns unter dieser Prämisse auch die Teilnahme einer Linken-Politikerin zugesagt hatte.“

So richtig Viel hat die Linke nicht verpasst. Kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gaben sich die versammelten Politiker vor allem gegenseitig die Schuld dafür, dass in den vergangenen Jahren in den Ländern auch Polizeistellen abgebaut worden seien, obwohl man jetzt dringend mehr brauche. Maybrit Illner sagte in dem kurzen Gespräch mit Storch zu der Sache mit der Linken, sie hätten leider kurzfristig abgesagt.

Während die AfD-Frau bekannte Positionen wie mehr Abschiebungen vertrat, kam das einzig Überraschende von einer Islamismus-Expertin, die später noch hinzugezogen wurde. Nina Käsehage sagte: „Sogenannte Gefährder haben in Nordrhein-Westfalen sehr viel mehr Freiheiten als in anderen Bundesländern.“ Man beobachte sogar eine Abwanderung von radikalen Salafisten aus anderen Bundesländern nach NRW.

Eine Aussage, die selbst der streitlustige SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nicht kommentierte. Und das, obwohl er vorher seinen Parteifreund, den umstrittenen NRW-Innenminister Ralf Jäger, immer wieder gegen Angriffe von CDU-Vize Klöckner in Schutz genommen hatte. Im Streit mit Klöckner gelang Claudia Roth dann noch ein im Publikum beschmunzeltes Bonmot: „Sie sind doch für die Leitkultur, wie wär’s denn mal mit Ausreden lassen?“

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Alle Kommentare

  1. Soso, die AfD-Vizechefin Beatrix von Storch löst also immer wieder mit „rechtspopulistischen Bemerkungen“ Empörung aus. Tzetzetze. Wenn doch nur alle Blaublütigen so wie in den Adelsromanen wären. Kann man in Deutschland eigentlich auch mit „linkspopulistischen Bemerkungen“ Empörung auslösen? Dumme Frage, natürlich nicht. Mit solcherlei Tun erhält man stattdessen überall tosenden Applaus.

    Und was heißt zudem „AfD-Ideologin“??? Vertreten die anderen Parteien und deren Politiker denn keine Weltanschauungen bzw. keine Ideologien? Kein Christentum? Kein Sozialismus? Kein Ökologismus und Feminismus? Kein Liberalismus? Echt nicht?!

  2. obwohl es nur am rande zum thema gehört, kann der moderatorin ein wendehalssyndrom zur zeit der wende nicht abgesprochen werden. das ist sicher.

  3. Irgendwie versucht man das mit Einladung und Sitzordnung immer so hinzubekommen, dass nicht genehme Gäste entweder gar nicht eingeladen oder eben am „Katzentisch“ platziert werden. Mal berücksichtig man nur die im Bundestag vertretenen Parteien. Dann nur die im Landtag vertretenen Parteien (war beim SWR schon zur R-Pf-Wahl so) usw..

    Das wird demnächst schwierig, wenn die AfD im Bundestag und wohl bald in allen Landesparlamenten vertreten sein wird. Bin gespannt, was man sich dann einfallen lassen wird.

    Das absolute Gegenbeispiel ist die FDP – wie die öffentlich-rechtlichen Sender nach der Bundestagswahl 2013 eine Partei, die teilweise unter 3 Prozent abgestürzt und am Sterben war, mit Einladungen und öffentlicher Präsenz am Leben gehalten haben. Da wurden die einzigen bekannten Vertreter dieser Partei (Lindner und Kubicky – die mangels Masse nach ihren Spitzen-Kandidaturen im Land selbiges sofort verlassen, um Richtung Bundestag zu wechseln) in sämtliche Sendungen eingeladen, in denen diese lokalen Größen nichts zu suchen hatten. (Die FDP war nicht mehr im Bundestag und in den Wahlumfragen z.B. immer hinter der AfD.)

  4. @ Peter Hanser: Miese Nummer mein Lieber. Als der „Schutzwall“ fiel war Frau Illner gerade mit dem Studium fertig und realtiv unpolisch als Sportjournalistin unterwegs. Man muss ihr, bei aller berechtigter Kritik am Talk-Stil, zugestehen, dass sie sich in den 28 Jahren danach weiterentwickelt hat. Oder haben Sie andere Informationen? Und die DDR hieß wirklich so und nicht nur so genannt, egal, was man politisch von ihr gehalten hat…

  5. Der dpa-Artikel, wie so oft ein Zwitter aus redaktionellem Text und Kommentar, war auch deshalb nicht das Gelbe vom Ei!

    Stichwort: Absage einer Linken? Aber von den Linken war doch jemand – gut platziert – mit von der Partie: Wo war noch schnell die gute Maybrit, bevor der antifaschistische Schutzwall 1989 fiel, in der so genannten DDR politisch aktiv?!

  6. Wenn ich diese miese Hetze gegen RECHTS lese, wird mir übel. Das ganze nennt man dann
    DEMOKRATIE
    Ich sage dazu; „In Deutschland gibt es KEINE Demokratie“
    Es ist alles nur leeres Geschwetz.
    Nur seltsam, das sich niemand dagegen aufregt.
    Genau so schlimm ist es, wenn
    sich dagegen jemand aufregt, wenn man sagt; Ich bin stolz ein DEUTSCHER zu sein!
    Dann würde so eine hergelaufene RATTE gleich sagen, er ist ein NAZI ! ! !
    „ARMES DEUTSCHLAND“

  7. Entschuldigung, was seid Ihr? Journalisten? Neutrale Berichterstatter? Oder Einflussnehmer und Verunglimpfer und einseitige „Hetzer“ (wobei ich dieses ständig von Medien benützte Wort schlimme finde). Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr provozieren wollt oder ob Euch einfach nur Eure eigene Meinung zu transportieren das Wichtigste ist. Vorausgeschickt, dass Illner das sehr gut gemacht hat gestern, weil sie die Politiker am Tisch nicht aus den Fragen entlassen hat, die die BÜRGER bewegen- meistens wenigstens aber sie könnte noch schneller unterbrechen. Dass „Illner selbst mit von Storch“ gesprochen hat, war keine Glanzleistung, weil sie in diesem Gespräch – als einzigem am ganzen Abend – ihre Abneigung (obwohl es sich um eine demokratisch zugelassene Partei handelt und nur das zählt) nicht verbergen konnte. Jede Antwort wurde mit Skepsis in Frage gestellt. Das geht gar nicht, den es bedeutet nur, dass der Sender (oder Illner) die Zuschauer für dumm hält und ihnen ihre Skepsis aufzwingt. Und bei Euch geht es eben auch gar nicht, dass Sätze fallen wie „…die mit rechtspopulistischen Bemerkungen Empörung auslöst“. Entschuldigung, solange man nicht alle, die mit ihren „populistischen Bemerkungen“ auf irgendeiner Seite Empörung auslösen (und da war gestern einiges am großen Tisch populistisch), gleich behandelt und bezeichnet, ist das einseitig, diskriminierend, verunglimpfend und lässt erkennen, dass Demokratie nur für die gelten soll, die die eigene Meinung vertreten. Peinlich!

  8. Wieso ist die FDP überhaupt dabei ? Die sind nicht mal im Bundestag so wie auch die AfD. Die Linke ist doch regulär gewählt im Bundestag.

    Auch Linke und Mittlere Wähler erkennen die ständige Ungleichbehandlung durch die Presse wenn es einem in dem Kram passt.
    „Merkel schmeisst einen Plagiator nicht sofort raus“=“schlecht“.
    „Trump schmeisst den FBI-Direktor schnell raus“=auch „böse“.
    usw.

    Die Leute(=Leser) haben immer höhere Abschlüsse (und eher immer kleinere Gehälter) und können/müssen dafür mit/nachdenken und Presse-Fehler erkennen.

    Würde die Kontrollfunktion der Presse funktionieren, gäbe es keine Klagereien wegen Leistungs-Schutz (FDP-CDU-Gesetz!) und jeder Parteitag und VW-Presse-Konferenz wäre seit 2000 rot-grün längst digital vom Volk mit-partizipierbar… So gesehen ist die vermeintliche Alternative auch nicht viel anders…

    Eine gute Presse würde dafür sorgen das alle 20jährigen wählen gehen weil sie wissen warum sie das besser mal machen sollten.

  9. Wer „rechtspopulistisch“ verwendet, beweist damit, ein Feind der Demokratie zu sein:

    1) Politiker haben demütige Repräsentanten der Wähler zu sein und dürfen nicht, wie es permanent geschieht, gegen Willen und Interesse ihrer Wähler handeln. Dazu muß das StGB erweitert werden.

    2) „Linkspopulistisch“ oder „Mittepopulistisch“ wird NIE verwendet. Das beweist, daß es hier allein um Hetze geht – ausgedrückt durch Kollektivisten, die dem Individuum die Rechte begrenzen wollen und strukturell im Geiste der brauchen und roten Sozialisten agieren.

    Diese Hetze ist heute nicht anders als unter den braunen oder roten Sozialisten, nur oft NOCH schlimmer.

    1. Soso, die „Hetze ist heute nicht anders als unter den braunen oder roten Sozialisten, nur oft NOCH schlimmer.“ In welchem Staat leben Sie eigentlich? Oder anders gefragt: Woher haben Sie Ihre Geschichtskenntnisse, wenn Sie politisch gefärbte Kommentare in der heutigen Zeit (so ärgerlich diese auch sein mögen) mit der lebensverachtenden Hetze der Nationalsozialisten gleichsetzen? Sorry, das ist unterste Schublade.
      Und zum Begriff „rechtspopulistisch“: Er ist mit Sicherheit längst überstrapaziert und ist zum Charatkerisieren der AfD auch zu eindimensional – den Nutzer dieses Begriffs aber als Demokratiefeind hinzustellen, scheint mir jedoch noch um einiges überzogener und weltfremder zu sein.

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