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Arroganz-Anfall nach Desaster-Bilanz: Der bizarre Auftritt von Snap-CEO Evan Spiegel vor Analysten

Evan Spiegel, CEO von Snapchat
Evan Spiegel, CEO von Snapchat

Nach den Quartalszahlen war vor dem Showdown mit Analysten: In beiden Disziplinen versagte Börsenneuling Snap gestern. Während das Zahlenwerk neue Fragen zur hohen Bewertung aufwirft, leistete sich CEO Evan Spiegel obendrein noch einen bizarren Auftritt vor Analysten. Er lachte die Frage, ob Snapchat Angst vor Facebook haben müsse, einfach weg – und verglich den 430 Milliarden Dollar schweren Internetkoloss mit Yahoo. Analysten reagierten mit Kopfschütteln – und kürzten die Kursziele.

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Es war eine berechtigte Frage: Ob er vor dem großen Rivalen Facebook, der Snapchat mit Instagram Stories erkennbar zusetzt, eigentlich Angst habe, wurde Evan Spiegel  in der Analystenkonferenz gefragt, die sich an Snaps erste Quartalsbilanz anschloss, die nach jeder Lesart enttäuscht hatte.

Spiegels erste Antwort: ein Lacher. Ein skurriler Reflex angesichts der Tatsache, dass sich die Snap-Aktie zu diesem Zeitpunkt nachbörslich bereits um mehr als 20 Prozent im Sturzflug befand – Snap-Aktionäre dürfte das Lachen entsprechend im Halse stecken geblieben sein.

Die zweite Antwort machte es indes kaum besser. „Man muss sich damit wohlfühlen und es genießen, dass einen andere kopieren, wenn man großartige Dinge produziert“, erklärte der 26-Jährige in Anspielung auf die erbarmungslosen Kopien des Stories-Feature durch Facebook.

Neue Fehde: Evan Spiegel vergleicht Snapchat mit Google und Facebook mit Yahoo

„Wir glauben, dass jeder eine Kamera-Strategie entwickelt“, führte Spiegel weiter aus. „Wir glauben, dass wir jeden dabei besser verstehen helfen, wie wertvoll die Kamera ist“, klopfte sich der Snap-Chef weiter auf die Schulter, was angesichts von Quartalsverlusten von 2,2 Milliarden Dollar rhetorisch seltsam verrutscht wirkte.

Und damit nicht genug. Als krönenden Abschluss wählte Spiegel einen historischen Vergleich, der schiefer kaum gewählt sein konnte. „Nur weil Yahoo ein Suchfeld hatte, bedeutet das am Ende des Tages nicht, dass sie Google sind“ , feuerte der Snap-CEO wie bisher wohl heftigste Breitseite in Richtung Mark Zuckerberg.

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Wohl gemerkt: Spiegel sieht Snapchat als Stories-Pionier in der Rolle von Google bei der Suche, während Facebook das neue Yahoo sei. Angesichts von Bewertungunterschieden von 21 Milliarden (Snapchat) zu 433 Milliarden Dollar (Facebook) eine recht gewagte These, die schnell für Kopfschütteln sorgte.

Tatsache ist schließlich, dass Facebook-Tochter Instagram Snapchat mit der Kopie des Stories-Feature nach nur neun Monaten den Rank abgelaufen hat. Binnen eines Dreivierteljahres verfügt Instagram mit 200 Millionen aktiven Stories-Nutzern bereits über eine deutlich größere Nutzerschaft als Snapchat, das gerade mal 6 Millionen neue Mitglieder in 90 Tagen hinzugewann.

Zum Vergleich: Im praktisch gleichen Zeitraum konnte Instagram 50 Millionen neue täglich aktive Nutzer für Stories verbuchen – und damit um den Faktor acht schneller wachsen als Snapchat.

Kursziel 9 Dollar: Analyst stuft Snap herunter

Spiegels eigenwilliger Auftritt vor Analysten kam bei Anlegern nicht gut an. Die ohnehin schon schwer abgestürzte Snap-Aktie beschleunigte den Ausverkauf im nachbörslichen Handel weiter.

Analysten reagierten umgehend auf das Zahlenwerk und strichen ihre Kursziele zusammen: Brian Wieser von der Pivotal Research Group prophezeit mit nur noch 9 Dollar als erster Analyst ein einstelliges Kursziel – und damit weiter viel Luft nach unten.

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