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„Axel Springer ist nicht mehr Bild mit angehängtem Digital-Geschäft“: CEO Mathias Döpfner erklärt die Q1-Bilanz

Der Umsatz steigt, die digitale Transformation ist schon so weit vorangeschritten, dass man sich als das Online-Medienhaus Nummer eins in Europa sieht. Trotzdem scheint es so, als befände sich Springer noch immer oder schon wieder im Kampfmodus. Diesmal geht es gemeinsam mit der Deutschen Bank und Daimler gegen die großen US-Tech-Giganten und um die Anerkennung der Kapitalmärkte.

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Am heutigen Mittwoch stellte der Konzern seine Bilanz für das erste Quartal 2017 vor. So stiegen die Erlöse im ersten Quartal um 6,7 Prozent auf 836,2 Millionen Euro. Der Umsatzanteil digitaler Medien zog dabei auf 71,6 (Vorjahr: 67,4) Prozent an. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 16,9 Prozent auf 147,2 Millionen Euro.

Die Zahlen sind gut, die Berliner haben nach eigener Einschätzung mal wieder geliefert. Nur goutieren das die Märkte nicht in der Art, wie es sich der Vorstand um CEO Mathias Döpfner erhofft. Deshalb sagte er bereits bei seinen einleitenden Worten zur Q1-Telefonkonferenz, dass das Classified-Geschäft brummt, die Digital-Unternehmungen Momentum entwickeln würden und deshalb eine Neubewertung von Axel Springer immer wahrscheinlicher erscheine.

Neubewertung? Tatsächlich sehen sich die Berliner schon länger von den Kapitalmärkten als unterbewertet. Offenbar glauben die Manager, dass Springer noch immer zu sehr als Zeitungs-Verlag und nicht als digitales Powerhouse wahrgenommen wird. Dabei erwirtschafte man fast drei Viertel aller Umsätze online.

Vor allem das Rubriken-Segment mit den starken Job- und Immobilien-Portalen bekomme bei den Marktbeobachtern zu wenig Beachtung, so die Klage. Im Vergleich zu den Wettbewerbern, die sich überwiegend auf digitale Annoncen-Angebote konzentrieren, würde deren Unternehmens-Wert im Verhältnis weit höher bewertet. Nach diesen Maßstäben, wäre alleine das Classified-Geschäft von Springer sogar wertvoller, als der gesamte Axel Springer Konzern zusammen. Im Bezug auf die Wahrnehmung einiger sagte Döpfner deshalb auch auf MEEDIA-Nachfrage: „Axel Springer ist nicht mehr Bild mit angehängtem Digital-Geschäft.“

Neben dem Bemühen, die Wahrnehmung des Unternehmens zu verändern und damit wohl auch den Börsenkurs positiv zu beeinflussen, stehen die kommenden Monate aus strategischer Sicht vor allem im Zeichen von Optimierungen. Die Berliner wollen sich darauf konzentrieren, die Potenziale der bereits vorhandenen Marken und Angebote noch besser zu nutzen, zu steigern oder effizienter zu gestalten. Dabei kommt gelegen, dass bei der wichtigen US-Tochter Business Insider die Umsätze gerade massiv steigen. So ist von einem Plus von über 50 Prozent in den ersten Monaten des Jahres die Rede.

Döpfner erklärt diese Zuwächse vor allem mit einem Boom im Video-Segment. Gewisse Hoffnungen verbinde man in diesem Bereich auch mit den neuen Möglichkeiten bei Facebook-Videos künftig Unterbrecher-Werbung auszuspielen.

An anderer Stelle positioniert sich der Verlag dagegen klar, gegen die großen US-Unternehmen. So stellte der Springer-Vorstand noch einmal den Plan vor, gemeinsam mit anderen Unternehmen wie der Deutschen Bank und Daimler einen Generalschlüssel für das Internet zu entwickeln. So sollen sich die Nutzer künftig nur noch über einen Dienst, bei einer Vielzahl von Angeboten anmelden bzw. identifizieren können. Noch befindet sich das Projekt allerdings in einer recht frühen Phase.

In einer Phase des ständigen Wandels ist das Portfolio-Management des Medienhauses. So kamen auch die kleinen Beteiligungen an AirBnB und Uber zur Sprache, die Springer im Austausch gegen Werbeplatzierungen erworben hat. Dies sehen die Manager wohl eher als strategische Schachzüge, um stärker und positiver auf den US-Markt wahrgenommen zu werden.

Anders liegt der Fall bei Idealo, Ladenzeile oder auch der KaufDa-Mutter Bonial. Zu den Verkaufsgerüchten bei den E-Commerce-Diensten wollte man sich nicht äußern. Allerdings gab es auch kein Dementi. Tatsächlich bewies Springer in der Vergangenheit immer wieder, beispielsweise bei Runtastic, dass man durchaus bereit ist, sich von Beteiligungen oder Töchtern zu trennen, wenn sie nicht mehr ins Portfolio passen.

Wie die dpa berichtet, fiel die Reaktion an der Börse erst einmal zurückhaltend aus. So gab die im MDax notierte Aktie im Einklang mit dem Gesamtmarkt leicht nach. Das Papier hinkt seit einiger Zeit der Entwicklung des MDax hinterher. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs um knapp Prozent und damit deutlich weniger als die meisten deutschen Standardwerte.

Derzeit warten die meisten Analysten noch ab, wie sich der Umbau zu einem Digitalkonzern weiter entwickelt und auszahlt. Zehn der insgesamt 16 von dpa-AFX erfassten Analysten stufen die Aktie derzeit mit „Hold“ oder „Neutral“ sein. Das durchschnittliche Kursziel liegt dabei leicht unter dem aktuellen Niveau.

Equinet-Analyst Mark Josefson hält die Aktie trotz des guten Ergebnisses im ersten Quartal für fair bewertet. Er rät den Investoren erst einmal abzuwarten, was bei den beiden Kapitalmarktveranstaltungen in London und New York im Juni rauskommt.

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