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re:publica 2017: Desinteresse an klassischen Medien bei Millennials als Nährboden für Fake News

Fake News- und Glaubwürdigkeitsdebatte auf der re:publica
Fake News- und Glaubwürdigkeitsdebatte auf der re:publica

Fake News sind das beherrschende Thema der diesjährigen re:publica. Nach unzähligen Diskussionen über die Ausprägung und Formen von Fake News machte Rasmus Kleis Nielsen, Research-Director am Reuters Institute in Oxford, auf einen neuen Aspekt in der Fake News-Forschung aufmerksam: Es kommt immer auf die Zielgruppe und damit die Altersklasse der Nachrichtenrezipienten an. Der verstärkte Social Media- und Online-Konsum der Millennials nämlich bereite Falschmeldungen den Nährboden.

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Im Panel „Fake News und die Glaubwürdigkeitsdebatte. Wie dringt Journalismus noch durch?“, das auf der Parallelveranstaltung zur re:publica, Media Convention Berlin, statt fand, diskutierten u.a. Spiegel Online-Chefredakteurin Barbara Hans, WeltN24-Social Media-Chefin Niddal Salah-Eldin, BBC Global News-Chef Jim Egan und Maren Urner von Constructive Journalism-Start-up Perspective Daily über den Einfluss und Umgang mit Fake News im Redaktionsalltag.

Einhellige Erkenntnis: Fact-Checking ist im Zeitalter grassierender Fake News immer wichtiger geworden. Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer – nämlich in der Nachrichtenrezeption der jüngeren Zielgruppe, wie Dr. Rasmus Kleis Nielsen, Director of Research am Reuters Institute für Journalistik an der Universität von Oxford, in seinem Vortrag erklärte.

Nur noch für 45-Jährige ist das Fernsehen erste Nachrichtenquelle

„Man muss Journalismus immer im Kontext des Publikums betrachten“, macht Nielsen deutlich.

Wichtige Erkenntnis der Reuters-Studie: Es besteht eine enorme Diskrepanz im News-Konsum der Altersklassen. Während für immerhin 46 Prozent der 45- bis 54-Jährigen und sogar 53 Prozent der über 55-Jährigen Fernsehen das bevorzugte Nachrichten-Medium ist, trifft das gerade mal für 24 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zu bzw. 29 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und 37 Prozent der 35 bis 44-Jährigen zu.

Für die Altersgruppe unter 45 sind Online-Medien die erste Anlaufstelle für Nachrichteninformationen: Zu 64 Prozent bei 18 bis 24-Jährigen, 57 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und immer noch 47 Prozent der 35 bis 44-Jährigen.

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„Wenn sich die Leute von ‚echten Nachrichten‘ abwenden, öffnen wir den Raum für Fake News“

Noch auffälliger indes: 18- bis 24-Jährige ziehen sogar Social Media als nachrichtliche Informationsquelle dem Fernsehen vor. Für Nielsen ist damit der Nährboden für Fake News gelegt: „Wenn sich die Leute von ‚echten Nachrichten‘ abwenden, öffnen wir den Raum für Fake News“, erklärt der Reuters-Mann in der Annahme, dass Fake News über soziale oder Online-Medien ungleich leichter zu transportieren sind als über das Fernsehen.

Renommierte Print-Marken wie New York Times werden von Millennials oft als langweilig empfunden

Das Desinteresse der jüngeren Zielgruppe macht unterdessen beim Fernsehen nicht halt: Auch Print-Journalismus hat bei unter 35-Jährigen an Attraktivität als erste nachrichtliche Informationsquelle deutlich verloren. In einer Umfrage unter 20- bis 34-Jährigen New Yorkern  wurde die New York Times – für viele die beste Zeitung der Welt – zwar als Zeitung mit „großer Reputation“, aber auch als „langweilig“ empfunden.

Die „Gray Lady“ wäre „historisch“, weil sie schon so lange auf dem Markt sei, würde aber aber oft nicht über die Dinge berichten, die die unter 34-Jährigen interessieren, so das Feedback in der Studie. „Der Journalismus muss das ernst nehmen“, mahnt Nielsen an.

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