Rückzug aus Hamburg: Axel Springer will bei Stadtportal hamburg.de aussteigen

Hamburg.de-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz (li.) und Carsten Ludowig
Hamburg.de-Geschäftsführer Jan-Niko Lafrentz (li.) und Carsten Ludowig

Das Portal hamburg.de ist die wichtigste Informationsplattform für die Hansestadt Hamburg. Größter Gesellschafter ist hier seit Jahren die Axel Springer SE. Nun will der Berliner Medienkonzern überraschend bei dem Stadtportal aussteigen. Damit zeigt der Springer-Konzern immer weniger Flagge in der Hansestadt.

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Ob eine Hafenrundfahrt, Theater-Vorstellungen in der Speicherstadt oder die Öffnungszeiten der wichtigsten Behörden – für Touristen und Bürger, die sich über Hamburg informieren wollen, ist das Webportal hamburg.de die erste mediale Anlaufstelle. Größter Gesellschafter des Internetauftritts ist der Berliner Axel Springer SE. Doch nun will sich
der Medienriese hier überraschend zurückziehen und sich von seinem Mehrheitsanteil von 60 Prozent trennen. Dies erfuhr MEEDIA aus Unternehmenskreisen. Die Mitarbeiter wurden bereits vergangene Woche über den Ausstieg des größten Einzelgesellschafters informiert.

Damit zieht sich der Berliner Medienkonzern immer mehr aus der Hansestadt zurück. Einst war Hamburg für die börsennotierte Gesellschaft publizistisch ein wichtiger Standort. Hier gab das Unternehmen jahrzehntelang das Hamburger Abendblatt und die Hörzu heraus, auch die Bild-Mantelredaktion hatte hier ihren Sitz. Doch dann veräußerte Vorstandschef Mathias Döpfner einige der Traditionstitel neben dem Abendblatt u.a. die Berliner Morgenpost sowie die Programmies Hörzu und TV Digital an die Essener Funke-Gruppe, um das Unternehmen stärker zu einem Digitalverlag umzubauen. 2008 verlegte der Vorstand die Zentrale der größten Boulevardzeitung in die Bundeshauptstadt. Davon betroffen waren damals mehr als 500 Bild-Mitarbeiter.

Nun scheint Springer bei hamburg.de auf dem Rückzug. Damit verfügt das zunehmend global orientierte Unternehmen über immer weniger Medienbeteiligungen in der norddeutschen Stadt. Möglicherweise ist das singuläre Metropolen-Portal ein zu kleines Karo auf der durch Internationalisierung geprägten Strategie-Landkarte von Springer. Fraglich ist, ob sich der Ausstieg der Berliner auf die Führungsspitze von hamburg.de auswirkt. Erst im Sommer 2015 hatte hier das Management gewechselt. Damals wurden Jan-Niko Lafrentz und Carsten Ludowig zu neuen Geschäftsführern bestellt. Lafrentz war zuvor Mitglied der Geschäftsführung bei Hamburg 1 und center.tv. Ludowig arbeitete bislang als Vice President Sales bei Smaato, zuvor war er unter anderem bei der Karriereplattform Xing sowie dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr tätig.

Springer will sich zu den Marktspekulationen nicht äußern. Ob der Minderheitsgesellschafter Hamburger Sparkasse (Haspa) den Anteil übernehmen will, ist fraglich. „Wir prüfen derzeit die Optionen“, erklärt eine Sparkassen-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Die Haspa ist an dem Webdienst mit 10,5 Prozent beteiligt. Eine Anfrage bei der Stadt Hamburg blieb unbeantwortet.

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