Projekt DIPP: Wie Springer, Deutsche Bank und Daimler Google & Co. den Kampf um Nutzerdaten ansagen

Wollen einen Generalschlüssel fürs Nutzer-Login entwickeln: Konzernchefs Zetsche, Döpfner, Cryan (v.li.)
Wollen einen Generalschlüssel fürs Nutzer-Login entwickeln: Konzernchefs Zetsche, Döpfner, Cryan (v.li.)

Nutzer von Google, Facebook, Apple, Amazon & Co. können sich meist über einen einzelnen Web-Schlüssel oder eine Master-Login Zugang zu verschiedenen Diensten der jeweiligen Anbieter verschaffen. Jetzt kontern die deutschen Großkonzerne Allianz, Deutsche Bank, Daimler, Axel Springer & Co. Sie wollen eine eigene Registrierungs- und Datenplattform aufbauen, die den Webnutzern mehr Sicherheit und Hoheit über ihre Daten geben soll. Denn die Server für den neuen Dienst sollen in Deutschland stehen.

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Ein neues Abo für die zu Axel Springer gehörende Tageszeitung Welt, ein Antrag für eine neue Baufinanzierung oder ein Girokonto von der Deutschen Bank, ein Carsharing-Angebot von Daimler – wer die Dienstleistungen dieser drei Konzerne in Anspruch nimmt, muss sich zunächst mit seinen persönlichen Daten auf den Webplattformen der jeweiligen Anbieter registrieren. Das ist für die Verbraucher mühselig und zeitraubend. Damit soll nun künftig Schluss ein. Die Großkonzerne Axel Springer, Allianz, Deutsche Bank, Daimler sowie IT-Unterehmen Core und Here wollen eine einheitliche Registierungsplattform schaffen. Der Vorteil: die Kunden müssen sich hier nur einmal anmelden, um alle Dienste der an der Plattform beteiligten Gesellschaften abzufragen.

„Kern des geplanten neuen, einheitlichen Zugangs für Online-Angebote wird ein sogenanter Generalschlüssel sein“, erklärt das Konsortium. Kurzfristig könnte auch die Deutsche Telekom als Partner hinzustoßen. Weitere Konzerne aus E-Commerce, Handel, Luftfahrt und Telekommunikation sowie Finanz-, Versicherungs- und der Medienwirtschaft sollen folgen. Langfristig ist geplant, dass sich alle EU-Bürger nur einmal auf der Plattform registieren müssen, um im Web rechtssicher Geschäfte abzuschließen. Damit könnte sich das Digitalgeschäft deutscher und europäischer Unternehmen beschleunigen und ein Gegengewicht zu der wachsenden Web-Dominanz amerikanischer und asiatischer Multis bilden. Springer-Chef Mathias Döpfner: „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen: Nutzerfreundliche Registrierungsmodelle sind für alle Angebote eines digitalen Verlags ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Durch die Kooperation mit den führenden Unternehmen in der Finanz-, Wirtschafts- und Automobilindustrie wollen wir hier europaweit vorangehen“.

Geplant ist auch, dass laufende Vorhaben des Bundes, der Länder und der Kommunen, wie etwa Bürgerportale, in das Projekt eingebunden werden. Danach soll es möglich sein, dass die Bundesbürger sich hier einmalig registrieren, um einen Führerschein oder Pass zu beantragen. Zudem will die deutsche Allianz den Nutzern durch ihren Vorstoß mehr Sicherheit und Hoheit über ihre Daten ermöglichen. „Die Server der neuen Plattform sollen in Deutschland stehen“, erklärt ein Deutsche Bank-Sprecher gegenüber MEEDIA. Dies ist bei Apple, Facebook, Alibaba & Co. nicht der Fall. Wer hier die Angebote nutzt, muss damit rechnen, dass seine persönlichen Daten meist auf Servern in den USA oder Asien gespeichert werden. Was mit den Daten dort weiter passiert, entzieht sich der Kontrolle der Nutzer. Die US-Regierung etwa besteht auf einem direkten Zugriff auf die Daten der IT-Konzerne.

Die deutschen Firmen, die digitale Geschäfte betreiben, brauchen überprüfte Identitäten von ihren Geschäftspartnern, um im Web rechtssicher Geschäfte abzuschließen. „Die Kunden erwarten, dass die Authentifizierung komfortabel und in Echtzeit erfolgt“, unterstreicht der Banksprecher. Zunächst gilt die Registrierungsplattform für Deutschland, mittelfristig soll sie aber auch in Europa etabliert werden, heißt es. Mit dem neuen Generalschlüssel fürs Web stemmt sich die deutsche Allianz gegen die Vormachtstellung der Internetkonzerne. Sie ermöglichen ihren Kunden über ein Master-Login Zugang zu verschiedenen Diensten. Vor allem im Mediengeschäft bietet der Generalschlüssel diverse Vorteile: Ob Musik, Bücher oder Videos – bequem könnten Webnutzer amerikanischer Plattformen, über eine einmalige Registrierung auf diverse Angebote zugreifen. Noch muss die deutsche Allianz ihre Registierungs-, Identitäts- und Datenplattform von den zuständigen Kartellbehörden genehmigen lassen. Wichtig ist der deutschen Allianz, dass die Plattform das EU-Datenschutzrecht sowie Eidas-Verordnung berücksichtigt, die die „Vertrauensdienste der Online-Ausweisfunktion“ reguliert.

Zur Höhe der Investitionen für das Gemeinschaftsprojekt wollte sich der Bankensprecher nicht äußern. Unklar ist, in welcher Größenordnung sich die beteiligten Konzerne an der Plattform beteiligen. Auch ein Name sei noch nicht gefunden. Bislang läuft das Projekt unter dem Arbeitstitel DIPP.

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Alle Kommentare

  1. Sehr gut. Soetwas braucht der Buerger. Neutral, nicht kommerziell und kontrolliert durch den Nutzer! Ich moechte entscheiden wer, wann meine Daten wofuer bekommt, oder auch nicht! Dieser Ansatz ist durch meine Grundrechte einforderbar. Deswegen sollte so ein Dienst von meinem Staat bereit gestellt werden. Dafuer zahle ich meine Steuern.
    Blockchain – sollte die Technologie der Wahl sein.

  2. Also wollen diese Konzerne auch noch ein Stück vom Datenkuchen und die Bürger zusätzlich noch totalüberwachen. Hey, das sind ja mal nette Zeitgenossen. Die sollte man alle teeren und federn.

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