Verwirrung um verpixelte Merkel-Haare: Araber können auch Satire

Sankt Giovanni, H.Strunk, Spülmaschinen-Sex, pixelige Merkel-Haare
Sankt Giovanni, H.Strunk, Spülmaschinen-Sex, pixelige Merkel-Haare

Satire-Seiten im Netz sind mitunter ganz schön verwirrend. Zumal ausländische Witzbolde hierzulande gerne ernstgenommen werden. So geschehen anlässlich des Saudi-Arabien-Besuchs von Angela Merkel. Außerdem im MEEDIA-Wochenrückblick: Giovanni di Lorenzo fordert Haltung, Moritz von Uslar schert sich nicht um Twitter-Gebote, Heinz Strunk plaudert aus der Intimschatulle und beim Express gibt’s Spülmaschinen-Sex.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel war ja kürzlich in Saudi Arabien. Sie wissen: Diesem Anker der Stabilität im Nahen Osten, der uns Osama bin Laden brachte, wo Frauen keine Autos fahren dürfen und auch noch im 21. Jahrhundert die Steinigungen als probates Mittel des Strafvollzugs gilt. Die Kanzlerin trat bei den Saudis auf wie man sie kennt: leicht sauertöpfisch guckend und mit praktischer Frisur. Bei einer so wichtigen Staatschefin trauten sich sogar die Saudis nicht, nach einem Kopftuch zu verlangen. Aber halt, was postete die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün da:

Nachdem Kanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in Saudi Arabien ohne Kopftuch auftrat….wurden ihre Haare in den saudischen Medien (nicht bei uns :)) auf den Bildern gepixelt! Welcome in Absurdistan!

Jaha, willkommen in Absurdistan! Oder auch nur willkommen bei einer arabischen Satire-Seite namens Khasenews. Die nahöstlichen Scherzkekse haben das Pixel-Foto als Gag bei Facebook eingestellt.

Nun sind schon so einige mal auf eine dieser mäßig lustigen Netz-Satiren reingefallen. Was ich an der Sache am bedenklichsten finde ist, dass zahlreiche Kommentare Frau Akgün darauf hinweisen, dass es sich um Satire handelt, sie das Posting aber weder löscht noch entsprechend aktualisiert. So wird aus einem Witz schnell Hetze.

Vermutlich kennt Frau Akgün nicht die „10 Twitter-Gebote für Journalisten“, die der ZDF-Brüssel-Korrespondent Stefan Leifert diese Woche verbreitet hat:

Denn was für Twitter recht ist, also „journalistische Maßstäbe“ usw., sollte doch für Facebook billig sein. Oder ist Frau Akgün eher Fan von enfant terrible Moritz von Uslar:

Hihi. Wo wir gerade bei Journalismus-Platitüden in Gebotsform sind: Sankt Giovanni di Lorenzo schmückt in gewohnt fotogener Maier das Cover des aktuellen Medium Magazins. Im Interview dort – so erläutert es die Vorab-Mitteilung – fordert er Journalisten zu mehr „Haltung“ auf. Außerdem: Journalisten müssten sich auch aus ihren Kreisen herausbewegen. Di Lorenzo: „Der allergrößte Teil der Kritiker ist erreichbar, wenn man mit ihnen aufrichtig redet, ihnen unsere Arbeitsweise erklärt, auf ihre Fragen eingeht.“ Jaja, alles richtig und wichtig usw. Aber eben auch alles schrecklich abgegriffen und öde. Das ist jetzt total unfair aber trotzdem frage ich mich: Hat er in dem Interview auch was gesagt, das wenigstens ein kleines bisschen interessant ist? Normalerweise packt man doch die interessanten Aussagen in eine Vorabmeldungen und nicht die gut abgehangenen.

Schlimm diese Meckerei. Nun aber mal zur Abwechslung was Positives: Die Heinz-Strunk-Kolumne „Intimschatulle“ in der Titanic bereitet wirklich in jeder Ausgabe Top-Lesevergnügen. In der jüngsten Ausgabe bekommen u.a. Udo Lindenberg und Sex-Kolumnistinnen bei Stern.de und in der GQ ihr Fett weg, und zwar Big Time. Ich spare mir an dieser Stelle die Zitate, da müssen schon selber laufen und kaufen. Steile These: Allein die Strunk-Kolumne lohnt das Titanic-Abo. Abteilung „Print rulez“.

Einen hammer noch:

Beachten Sie bitte das gelbe Post-it auf dem Foto. Typisch „kölsch“, typisch „jeck“. Zwirbelschnurrbart-Humor.

Schönes Wochenende!

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