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Urteil im „Weihnachtswunder“-Prozess: Bunte muss Michael Schumacher 50.000 Euro zahlen

Berichterstattung über Michael Schumacher: Das „Weihnachtswunder“ von Bunte-Vize Tanja May stellte sich als „unwahr“ heraus
Berichterstattung über Michael Schumacher: Das "Weihnachtswunder" von Bunte-Vize Tanja May stellte sich als "unwahr" heraus

Das Landgericht Hamburg hat ein Urteil im "Weihnachtswunder"-Prozess von Michael Schumacher gegen die Bunte gefällt: Das People-Magazin aus dem Hause Burda muss dem Ex-Formel-1-Fahrer eine Geldentschädigung von 50.000 Euro zahlen. In der Weihnachtsausgabe aus dem Jahr 2015 hatte Bunte-Vize Tanja May "exklusiv" berichtet: "Er kann wieder gehen..."

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Schumachers Anwälte haben das bestritten. Schumacher sei damals auch nicht in der Lage gewesen, mit therapeutischer Hilfe zu laufen. Das hatte May im Innenteil des Heftes berichtet und sich dabei auf einen Informanten berufen. An der Glaubwürdigkeit der Quelle hat das Gericht aber Zweifel, die die stellvertretende Chefredakteurin auch bei ihrer Vorladung nicht ausräumen konnte.

Die Vorsitzende Richterin Simone Käfer betonte, dass es bei der Beweiserhebung in erster Linie um die Existenz der Quelle, nicht um den Wahrheitsgehalt der Aussagen gegangen sei. Im Falle eines erfundenen Informanten (oder Informantin) wäre die Summe „deutlich“ höher ausgefallen.

Dennoch sei man zum Entschluss gekommen, dass die aufgestellte Tatsachenbehauptung „unwahr“ gewesen sei, so die Richterin in der Begründung während der mündlichen Urteilsverkündung.

 

„Er kann wieder gehen…“: Die Bunte erweckte 2015 den Eindruck, das Michael Schumacher wieder könne

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Die Höhe der Geldentschädigung ist nur halb so hoch, wie sie von Schumacher-Anwalt Felix Damm gefordert worden war. Von der Kammer begründet wurde dies damit, dass die Existenz des Informanten, auf den sich May bezieht, unstrittig ist. Darüber hinaus habe May weitere Recherchen unternommen, beispielsweise anhand von Experten einordnen lassen, ob die Form der behaupteten Genesung zu diesem Zeitpunkt überhaupt möglich gewesen sein kann.

Dass die Informationen unwahr sind, habe die Kammer anhand dessen feststellen können, dass es unstrittig ist, dass Schumacher zum Zeitpunkt der Verhandlung definitiv nicht habe laufen können. Schon allein deshalb zweifle man daran, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahr 2015 anders gewesen sein soll.

Die Geldentschädigung begründet das Gericht mit der Schwere der Persönlichkeitsverletzung, hinzu komme die Darstellung der Nachricht. So sei Schumacher sehr prominent auf der Titelseite der Ausgabe, die kurz vor Weihnachten erschien, präsentiert worden. Erschwerend sei außerdem hinzugkommen, dass Bunte die falsche Behauptung auch in anderen Zeitungen beworben und May Grundsätze der journalistischen Recherchen missachtet habe – so hatte May beispielsweise kein Statement der Familie oder des Managements eingefordert.

Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, Bunte kann vor dem Oberlandesgericht Hamburg in Berufung gehen.

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