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„Ich bin nicht der nächste Stefan Raab, sondern der erste Luke Mockridge“: Der TV-Star über seine neue Sat.1-Show, Zukunftsängste und sein Idol

„Das wird ein geiles Duell“, so Mockridge über seine erste Sat.1-Primetime-Show.
"Das wird ein geiles Duell", so Mockridge über seine erste Sat.1-Primetime-Show.

Luke Mockridge wurde schon als Nachfolger von Stefan Raab gehandelt. "Ich bin kein Kerner, kein Pflaume. Ich bin Luke", hält Mockridge fest. Das will der Comedian und TV-Entertainer nun in seiner ersten Sat.1-Primetime-Show "LUKE! Die Schule und ich" (heute, 20.15 Uhr) beweisen. Warum dennoch Parallelen zu Raab bestehen, ihn "Zukunftsängste" begleiten und er das Show-Geschäft für "keine sichere Bank" hält, erklärt er im MEEDIA-Interview.

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Herr Mockridge, die Schulferien sind vorbei, die Abschlussprüfungen stehen bevor – und Sie laden in „LUKE! Die Schule und ich“ zur „unterhaltsamsten Doppelstunde Deutschlands“, wie der Sender Sat.1 es beschreibt. Warum sollten genervte Eltern und ihre gestressten Kids nun auch noch Ihre TV-Schulbank drücken?
Weil die Kids dann mal glänzen können. Ich habe genau dieses Bild vor Augen: Die Familie sitzt zusammen vor dem Fernseher, die Kids raten mit und erklären ausnahmsweise mal ihren Eltern, was Sache ist. Es gibt ja so viele Fernsehformate, in denen die Kinder auf den Thron gesetzt werden, die Promis nur so halbherzig antreten, die Kids das dann alles viel besser machen und es heißt: „Ach, das ist ja süß“. Darauf hatte ich keinen Bock. (lacht) Wir wollten ein Duell auf Augenhöhe machen.

Und möglich macht das ausgerechnet unliebsamer Schulstoff?
Genau. Wir haben mit einem Schulbuchverlag zusammen die Spielfragen entwickelt. Da saßen dann studierte Fernsehredakteure und Produzenten zusammen, die sich gefragt haben: Was ist noch gleich Hypotenuse? Was ist noch mal die Symbiose? Und wie geht der Satz des Pythagoras? So Sachen, die ein Achtklässler normalerweise weiß – wenn er denn auch zur Schule geht. (lacht) Diesen Moment, wo Erwachsenen der Kopf raucht, wollte ich in der Show haben. In der Show durchleben vier Promis quasi noch einmal ihre Schullaufbahn von der ersten bis zur zwölften Klasse…

…und treten dabei gegen Kids in „lehrreichen, innovativen oder experimentellen Aufgaben“ an, so Sat.1. Können Sie den Show-Stundenplan konkretisieren?
Es gibt drei Stufen: Die Unterstufe, die Mittelstufe und die Oberstufe. Jede Stufe hat vier Klassen. Logischerweise beginnt die Show mit der Einschulung der Promis in die erste Klasse. Dann wird ein Fach ausgewählt, etwa Deutsch, und dazu müssen die Promis und Kids eine Frage oder ein Spiel absolvieren. In diesem Fall reicht das vom Montagsmaler bis zum Vollenden von Kinderliedtexten. Nach vier Fragen und Klassen geht’s dann in die Mittelstufe, die Kids werden ausgewechselt – und so weiter. Alles endet dann mit der großen Abschlussprüfung.

Im Interview mit der Studenten-Zeitschrift Unicum haben Sie gesagt, dass Sie mit dem „stumpfen, deutschen Schulsystem“ nicht so richtig klargekommen sind, 2014 erschien Ihr Buch „Mathe ist ein Arschloch: Wie (m)ich die Schule fertigmachte“ – und Ihre erste Primetime-Show behandelt nun ausgerechnet das Thema Schule. Wollte Sat.1 Sie ärgern?
Wenn es nach Thomas Gottschalk ginge, wäre das wohl so. (lacht) Nein, ernsthaft. Schule ist für mich ohne Frage ein emotionales Thema. Jeder hat gute und schlechte Erfahrungen mit Schule gemacht. Bestimmt ist eine Hella von Sinnen anders zur Schule gegangen als ich, aber das Mantra „Hauptsache irgendwie durch“ hatte wohl jeder. Ich bin damals falsch unterrichtet worden. Sehr monoton, der Unterricht war sehr auf den Lehrer fixiert…

…weswegen Sie auch auf eine internationale Schule gewechselt sind…
…und die mir echt besser gelegen hat. Die Klassen waren kleiner, es wurde debattiert und viel unternommen. Das war sehr schön. Das deutsche Schulsystem sollte mehr auf Schüler und ihre Stärken eingehen und weniger eine Friss-oder-stirb-Mentalität an den Tag legen.

Es scheint, als müssten Sie noch viel aus Ihrer Schulzeit aufarbeiten – oder wie ist die Idee zur Show entstanden?
Ich habe tatsächlich noch Albträume, in denen ich Klassenarbeiten schreiben muss und gnadenlos durchfalle. Und ich glaube es geht vielen Leuten so. Das humoristisch aufzuarbeiten, mit witzigen Schulanekdoten von Promis, verbunden mit einem ehrlichen Wettkampf, in dem die Promis auch wirklich Gas geben – das wird ein geiles Duell. Die Show ist jedenfalls kein Ringelpiez mit Anfassen. (lacht)

Die Schulthematik wollte auch schon Thomas Gottschalk in „Back to School – Gottschalks großes Klassentreffen“ aufarbeiten – von Sendung zu Sendung hat die Show an Quote eingebüßt. Ganz davon abgesehen, dass in der ARD bereits sehr erfolgreich „Klein gegen Groß“ läuft, im ZDF treten in „Das Spiel beginnt“ ebenfalls Kids an. Braucht es da überhaupt noch ein Format wie „LUKE! Die Schule und ich“?
Die Show lädt eben zum Diskutieren und Mitmachen ein – auch vor dem Fernseher. Und sie ist ehrlich und authentisch. Ohne Prominente, die „ausversehen“ den Sieg verschenken. Ich sehe mich persönlich auch nicht als Moderator oder Oberlehrer Luke der Show – ich bin ja auch kein moderater Typ. (lacht) Ich bin kein Kerner, kein Pflaume. Ich bin Luke. Die Show ist quasi ein verlängerter Arm von „LUKE! Die Woche und ich“, meiner Late-Night-Show, also ein ausgekoppelter Spielkosmos meines Late-Night-Kosmos’.

Die bisher letzte Folge von „Luke! Die Woche und ich“ wurde im Dezember 2016 ausgestrahlt. Wann geht es mit Ihrer Late-Night-Show weiter?
Ich darf da eigentlich noch nichts sagen. Aber TV-Shows werden in der Regel ja nur abgesetzt, wenn die Quote nicht gut ist. Und deswegen glaube ich, dass im Herbst – wenn „The Voice“ wieder kommt – auch „Luke! Die Woche und ich“ läuft.

Parallel sind Sie mit der Comedy-Tour „Lucky Man“ unterwegs. „Lieber würde ich vor 2000 Leuten in Mannheim als vor einer Million im Fernsehen auftreten“, haben Sie einmal gegenüber der Süddeutschen Zeitung gesagt. Warum ziehen Sie die Show-Bühne dem TV-Auftritt vor?
Ich mag schon beides, aber die Live-Show ist ein Moment. Da gibt es keine Zweitverwertung oder ein Kalkül, das dahinter steckt – man geht einfach raus und erlebt einen privaten Moment, so blöd das klingt, mit 2000 oder 14.000 Leuten. Das ist eine Seifenblase, die für den Moment geil ist – dann platzt sie und ist nur noch eine Erinnerung. Diese Momente sind im vertikalen Zeitalter mit YouTube-Kanälen und TV-Mediatheken, in denen einfach alles gespeichert und jederzeit abrufbar ist, noch cooler und wertvoller.

Sie schätzen private Momente, stehen aber gern in der Öffentlichkeit – ganz davon abgesehen, dass Sie auch auf diese angewiesen sind. Wie passt das zusammen?
In der Öffentlichkeit zu stehen ist eine Nebenwirkung meiner Arbeit. Es war nie mein übergeordnetes Ziel ein Promi oder so zu werden. Ich gehe persönlich ungern auf Partys und Shows. Aber das gehört heutzutage einfach zum Geschäft. Dass man in den sozialen Netzwerken ein paar Bilder postet, in den Dialog mit seiner Community tritt. Ich mache das, weil es dazu gehört – es ist aber nicht mein Antrieb, für den ich morgens aufstehe. Mein Ziel war es immer auf der Bühne zu stehen und die Leute zu unterhalten. Dafür bin ich da. Und wenn ich auf der Bühne stehe, so kitschig das klingt, weiß ich, warum ich auf der Welt bin.

Wann war dieses Ziel, auf der Bühne zu stehen und Menschen zu unterhalten, klar für Sie?
Konkret mit Anfang 20, theoretisch mein Leben lang. Ich glaube, das verhält sich ähnlich wie bei Musikern, Sportlern oder Schauspielern – da gibt es diese eine Sache, die eigentlich ein Leben lang in dir schlummert, du kannst es aber nicht genau lokalisieren oder definieren. Aber ich hatte schon in der Schule Spaß daran, Gags zu machen und im Mittelpunkt zu stehen. Oder ich habe schon immer gern Klavier im Wohnzimmer meiner Eltern gespielt. Das Entertainment-Ding war einfach eine logische Konsequenz aus allem.

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Auf Ihrer Visitenkarte könnte Comedian oder Moderator, aber auch Buchautor und Musiker stehen – ganz schön viele Baustellen für einen 28-Jährigen.
Das bringt natürlich auch immer eine große Unsicherheit mit. Umso mehr man kreiert, desto höher kann man fallen. Aber ich bin der Überzeugung, dass Zukunftsängste und Zweifel zum Job gehören, da es eigentlich ein abstrakter Beruf ist. Ich baue nun einmal keinen Tisch, verkaufe den und dann ist gut. Im Comedy- und Entertainment-Fach läuft alles über Zwischentöne.

Sie werden von Zukunftsängsten begleitet?
Ja, absolut. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich mich nicht Frage, was eigentlich passiert, wenn alles zusammenfällt. Was ist der Plan B? Es ist nicht so, dass ich eine Inselbegabung habe und nur eine Sache gut kann. Irgendwas würde ich dann schon noch finden. Aber Karrieren sind ja auch endlich. Das Show-Geschäft ist keine sichere Bank, es gibt keinen vorgefertigten Pfad. Das ist auf der einen Seite sehr spannend, auf der anderen Seite auch irgendwo beängstigend.

Dabei sind Sie vielleicht sogar in der luxuriösen Lage, auf einen Kanal verzichten zu können. Ihre Witze verhandeln die Kindheit, Schulzeit, Pubertät – man könnte sagen: das Leben und den Alltag der Millennials. Über soziale Netzwerke erreichen Sie rund 1,6 Millionen Menschen. Wozu brauchen Sie das Fernsehen überhaupt noch, wenn Sie Ihre Zielgruppe eigentlich viel besser im Netz erreichen?
Jedes Medium hat ja seine eigenen Grenzen, Gesetze und Regeln. Und am Ende fügt sich alles zu einem Gesamtbild. Es macht wahnsinnig Spaß, jeden Abend das Medium „Bühne“ auszukosten. Dann macht es wahnsinnig Spaß ein witziges Video zu posten, ein Bild mit Instagram-Filter hochzuladen, einen ironischen Hashtag bei Twitter zu teilen und im Fernsehen eine Primetime-Show mit viel Licht und Promis zu veranstalten. Kino könnte auch noch gern dazu kommen. (lacht)

Die Medienlandschaft als riesengroßen Spielplatz?
Man geht ja auch nicht immer in die gleichen Clubs. Mal geht man in die Kneipe, mal trinkt man bei Kumpels in der Küche – und manchmal vernichtet man seine Kiste Bier eben an der Bushaltestelle. (lacht)

In Interviews bezeichnen Sie Stefan Raab als „Vorbild“ und „Mentor“, Ihre andere Sat.1-Show „Luke! Die Woche und ich“ wird sogar im ehemaligen „tv total“-Studio aufgezeichnet. Woher rührt die Faszination, oder Obsession, für Stefan Raab?
Die kann ich gar nicht genau verorten. Ich war einfach immer Fan. Stefan Raab war der erste, der das gemacht hat, was ich cool fand. Als Kind durfte ich die Sendung erst nicht gucken, weil sie zu spät ausgestrahlt wurde. Dann habe ich sie heimlich geguckt, manchmal durfte ich sogar bis zur ersten Werbepause mitgucken – es war halt etwas Besonderes. Dieses Gefühl hat mich immer begleitet. Das erste Mal bin ich Stefan Raab 2012 begegnet, noch als kleiner Comedian mit wilder Sturmfrisur, der fünf Minuten erzählen durfte. Und dann steht er da. Das war inspirierend. (lacht)

Inwiefern?
Er ist ein kreativer Fernsehmacher, hat aber auch eine ähnliche Vita wie ich – er ist katholisch erzogen worden, kommt aus dem Rheinland, Jungenschule, Messdiener, Musik. Und auch das Privatleben stelle ich, wie Stefan, nicht gern im Schaufenster aus. Höchstens inszeniert, etwa in einem Instagram-Post. Die Menschen mal durchs Schlüsselloch gucken lassen, aber nie die Tür aufmachen. Diese Parallelen gibt es schon.

Nach Raabs Rücktritt hat die Bild-Zeitung spekuliert, dass Sie sein „Nachfolger“ werden könnten – und die Branche hatte sich schon fast darauf geeinigt. Wäre die Rolle des TV-Entertainers, -Moderators und -Produzenten für Sie vorstellbar?
Ich habe mir natürlich schon Gedanken darüber gemacht. Ich tue mich nur schwer damit, ein Nachfolger zu sein. Die Schuhe wären auch zu groß. Und natürlich kann man nach drei Staffeln „Luke! Die Woche und ich“ im gleichen Show-Studio mit der gleichen Show-Treppe und der gleichen Produktionsfirma (Brainpool, Anm. d. Red.) sagen, dass die Sendung von Fans von „tv total“ gemacht wird. Da gibt es Parallelen. Aber ich würde nicht in einem gelb-blauem Studio „tv total“ mit Luke Mockridge machen. Ich versuche da meinen eigenen Weg zu finden.

In den USA gibt es ja diese Tradition, dass Shows von anderen Moderatoren übernommen werden…
Ja, aber in Deutschland würde man sich damit wahrscheinlich vertun. Stichwort „Wetten, dass..?“ und Markus Lanz. Enissa Amani hat sogar etwas komplett anderes gemacht und ist gescheitert. Die deutschen Fernsehzuschauer tun sich immer schwer, jemand anderem eine Chance zu geben. Deswegen bin ich nicht der nächste Stefan Raab, sondern der erste Luke Mockridge. Das ist auch schön und gut so, weil Sachen aufeinander aufbauen müssen – „Circus HalliGalli“ ist ja schließlich auch eine Konsequenz von „Schmidteinander“, während Jan Böhmermann eine Schlussfolgerung von Harald Schmidt ist.

Wenn Sie sagen, dass die Parallelen zu „tv total“ und Stefan Raab eigentlich kein Zufall sind: Will Sie ProSiebenSat.1 zum neuen TV-Entertainer der Sendergruppe aufbauen?
Das kann man nicht planen. Wir sitzen ja nicht zusammen und sagen: „So, wir machen jetzt eine Primetime-Show, dann machen wir die Weekly, wenn die gut läuft machen wir die Daily und dann kommt die Bratpfannen-WM“ – das wäre sowieso von Stefan geklaut. (lacht) Diese Pläne gibt es nicht. Wir wollen nicht die Weltherrschaft an uns reißen. Es läuft momentan einfach ganz gut, die Quoten sind auch ganz cool – obwohl Quote natürlich auch so ein Ding ist, wo man nicht genau weiß, wie man diese zu deuten hat.

Wie deuten Sie denn die Quote?
Natürlich sind mir Quoten wichtig. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich auch kein klassischer Fernsehkonsument. Meine Lieblingssendung im deutschen Fernsehen ist die Fußball-Champions League mit deutscher Beteiligung. (lacht) Aber auch „Circus HalliGalli“ sehe ich gern – es ist schade, dass es aufhört, da ich finde, dass die Show Fernsehen für Menschen ist, die eigentlich kein Fernsehen schauen. Und das sind eben Leute wie ich. Auch mit „Luke! Die Schule und ich“ wollen wir etwas machen, was sich zwischen Pop und Indie bewegt.

„LUKE! Die Schule und ich“ läuft heute um 20.15 Uhr bei Sat.1.

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