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Focus-Chef Steil kontert Bild-Kritik und ruft zum gemeinsamen Kampf gegen Facebook, Apple & Co. auf

Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil
Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil

Von wegen „systematischer Content-Diebstahl“ von Bild Plus-Inhalten. Im Interview mit dem Handelsblatt widerspricht Focus Online-Chef Daniel Steil noch einmal dem Vorwurf der Artikel-Plünderei und erklärt warum er – auch als studierter Jurist – der Springer-Klage gelassen entgegensieht. Zudem plädiert er für ein gemeinsames Vorgehen der Verlage gegen die Übermacht von Google, Facebook, Apple und Amazon.

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Am Mittwoch, rund fünf Monate nach der Klage von Springer, hat Burda seine Erwiderung beim Landgericht Köln eingereicht. Die Klage wendet sich dagegen, „dass Focus Online systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von BildPlus abschreibt und zum Teil des eigenen Geschäftsmodells macht, das Journalismus reichweitenorientiert vermarktet“. Grundlage der Klage sei die gezielte Behinderung des Geschäftsmodells von BildPlus sowie eine Verletzung des Datenbankrechts.

In der Burda-Erwiderung heißt es nun, dass man davon überzeugt sei, dass die Vorwürfe des „Artikelklaus“ und der wettbewerbswidrigen Behinderung jeder Grundlage entbehren. Tatsächlich sei das offensichtliche Ziel der Klage, „Informationen zu monopolisieren, die hinter der Paywall von BildPlus veröffentlicht wurden, um sie besser vermarkten zu können“. Und dies widerspreche dem grundgesetzlich geschützten Recht der Informations- und Meinungsfreiheit.

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Im Interview mit dem Handelsblatt legt Focus Online-Chefredakteur noch einmal nach und wehrt sich gegen den Vorwurf „systematisch Inhalte zu plündern“. „Von Plünderung kann wirklich keine Rede sein“. Bei diesem Wort hätte man Bilder aus Katastrophengebieten vor Augen. Tatsächlich sei es aber so, „dass weit unter einem Prozent der Inhalte, die wir bei Focus Online veröffentlichen, aus dem Bild Plus-Angebot stammen“. Zudem fügt er noch an: „Viele dieser Meldungen werden sogar mit einer Vorab-Meldung über Nachrichtenagenturen publiziert“.

Am liebsten wäre es Steil, wenn man den Streit beilegen könnte. Man konkurriere ja nicht wirklich untereinander. Eigentlich sei es dringend geboten „sich zu verbünden“. Denn: „ Die ernsthaften Bedrohungen für unsere Geschäfte kommen von Google , Facebook, Amazon oder Apple.“ Apple News habe mittlerweile die Nachrichten so tief in ein Betriebssystem integriert, dass es für alle Medien gefährlich werden könnte, meint der Chefredakteur. „Die Gefahr besteht darin, dass wir zu Content-Lieferanten degradiert werden.“ Deshalb heiße die Frage für alle journalistisch arbeitenden Unternehmen: „Wie behaupten wir uns?“ Weder Apple, noch Google oder Facebook würden auf die Medienhäuser Rücksicht nehmen.

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Alle Kommentare

  1. Goggle und Co. sind auf längere Sicht die gefährlichsten Konkurrenten für die Medien in Deutschland. Wobei die große Suchmaschine Priorität hat.

    Dabei haben die deutschen Verlagshäuser einen entscheidenden Fehler in der Vergangenheit gemacht: Eine deutschsprachige Suchmaschine zu platzieren. Momentan wird es mal wieder mit Qliqz probiert. Metager gibt es wohl auch noch, Quaero – oder wie die Deutsch/französische Suchmaschine hieß – kennt fast keiner mehr.

    Keiner gönnte dem anderen etwas und so wurde die wichtigste Chance vertan.

    Als vierte Macht im Staate haben zu viele aber auch unkritisch über Merkels Politbüro berichtet. Hat der Bürger in Teilen aber bemerkt und bestellt Abos ab. Die Steigerung bei JF ist vielleicht nur marginal, kann aber einen Trend anzeigen. Es fehlen dort allerdings die Lokalnachrichten.

    mfg Gerd Taddicken

    5.5.17, 15:35 h

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