SZ Family im MEEDIA-Check: Warum die Kinder über den Verkaufserfolg des neuen Magazins entscheiden

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Der Markt für Eltern- und Kinderzeitschriften ist hart umkämpft. Dennoch ist die Süddeutsche Zeitung in das bereits stark besetzte Segment mit SZ Family eingestiegen. Im MEEDIA-Check werten die Mediaagenturen den Magazin-Newcomer als optisch und inhaltlich gelungen. Ob der Titel aber am Kiosk dauerhaft seine Leserschaft findet, hängt vor allem davon ab, wie das Produkt bei den Kindern ankommt. Und da haben die Mediaagenturen ihre Zweifel.

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Witze, Comics, Bastelstecken und dazwischen diverse optisch kindgerecht aufbereitete Geschichten – beispielsweise einer Zehnjährigen, die als Älteste von vier Geschwistern die Schafe und Ziegen ihrer Familie in Tansania hütet oder eine Reportage über den Traumberuf vieler junger Mädchen als Tierärztin. Bunt und optisch ansprechend ist die Kinderstrecke der SZ Family, die der Verlag der Süddeutschen Zeitung vergangene Woche an die Kioske gebracht hat. Das Besondere an dem Produkt: Auch die Eltern kommen nicht zu kurz. Sie finden in dem als Doppel-Magazin für sie konzipierten Teil reichlich Geschichten und Interviews, die angehende Eltern interessieren könnten – beispielsweise wie man in Zeiten von Terrorismus und Fremdenhass, Kindern Sicherheit gibt.

Ob jedoch der neue SZ-Ableger die Verlagskassen in München klingeln lässt, entscheidet vor allem, wie das Magazin bei den Kindern ankommt. Davon ist zumindest Anne-Kathrin Bida, Direktorin Beratung Media bei der Media-Agentur Pilot, überzeugt. „Ob das (Doppel-)Magazin ein Flop oder Top sein wird, ist in diesem Fall wahrscheinlich nicht von der Qualität des Heftes oder des Journalismus abhängig, sondern davon, ob es die Kinder selbst überzeugt“, meint die Printexpertin. Denn: Kinder in der Altersspanne zwischen vier und elf Jahren gleichermaßen abzuholen, sei fast unmöglich. So würden die Eltern bei einem Copypreis von 7,90 Euro genau hinsehen, ob sich ihre Kinder mit dem Magazin beschäftigen oder nicht. Daran werde sich entscheiden, ob die Eltern erneut nach dem Titel m Regal greifen.

Zudem wird es für den Münchener Verlag nicht leicht werden, SZ Familie dauerhaft am Markt zu positionieren. Denn das Segment ist hart umkämpft. Bida: „Der Publikumszeitschriften-Markt ist mit etablierten Marken im Bereich Eltern und Kinder bereits dicht besetzt. Auch Kombi-Angebote wie „family&Co.“, die beide Zielgruppen adressieren, sind bereits vorhanden – und das zu einem deutlich günstigerem Copy-Preis. Da wird es das SZ-Produkt, das nicht auf eine gelernte Publikumszeitschriften- oder Kinder-Kompetenz fußt, durchaus schwierig haben, Neu-Leser zu akquirieren,“ urteilt die Pilot-Managerin. Sie geht daher davon aus, dass sich SZ Family als Nischenprodukt etablieren wird. Bida: „Die Süddeutsche Zeitung wird im Tageszeitung-Bereich von seinen Lesern geschätzt – und hier ist es durchaus realistisch, dass Eltern das neue Zusatzprodukt ausprobieren. Vermutlich wird sich das Heft als Qualitätsangebot letztlich in der Nische einpendeln, das primär von bisherigen SZ-Nutzern nachgefragt wird.“

Susanne te Poel, stellvertretende Geschäftsführerin bei der Mediaagentur Crossmedia, sieht für haptisch gut aufgemachte Zeitschrift Marktpotenzial. „Das Motto ‚Mein Heft ist Dein Heft‘ könnte ein guter Trigger im Regal werden. Auch der Verkauf im Bundle, dann aber die Möglichkeit der Aufteilung auf einen Kinder- und einen Elternteil, klingt zunächst sehr vielversprechend. Die Eltern, die ihre Kinder (wieder) ans Lesen bringen möchten, fühlen sich im Idealfall genau davon angesprochen“, meint die Media-Spezialistin. Es käme aber „sehr auf die Aufmachung des Titels, das inhaltliche Versprechen und die hochwertige sowie fundierte redaktionelle Arbeit an“.

Dass das Kinderheft komplett werbefrei ist, sei für den Lesermarkt ein gutes Argument – für die Vermarktung sei dies „natürlich schade“. Das Produkt wäre eine „neue und interessante Plattform, Kinder zu erreichen – natürlich unter Berücksichtigung aller Regeln, Grenzen und Commitments“, meint te Poel. Fraglich sei aber, „ob der Elternteil eine Innovation und Bereicherung im Printmarkt liefert und entsprechend mit Buchungen berücksichtigt wird. Das wiederum hängt wie immer von der inhaltlichen Akzeptanz und der Entwicklung der Auflage ab. Zu wünschen wäre es ja sehr.“ Die SZ Familie erschien erstmals vergangene Woche. Das Magazin ist in einer Auflage von 100.000 Exemplaren gestartet.

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