Falsche CDU-Seite gegen Waffenexporte: News York Times, Fox News und AfD fallen auf Fake-Aktion von Künstlerkollektiv Peng rein

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Können diese Kinderaugen lügen? Natürlich nicht, denkt der– vor allem internationale – Betrachter beim Blick auf die Webseite CDU-mit-gefuehl.de. Mit großen Augen schaut ein unschuldiges Kind den Surfer an. Die Botschaft der vermeintlichen CDU-Site: „Deutschland Verzichtete auf Kleinwaffenexporte“. Doch: Das Kind ist zu süß, um wahr zu sein. Die Seite ist Fake. Dahinter steckt das Künstlerkollektiv Peng. Trotzdem fielen viele angelsächsischen Medien von der New York Times bis zu Fox News darauf herein.

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„Die christliche Wählerbasis der CDU fordert Kanzlerin Angela Merkel auf, einen Verzicht von Kleinwaffenexporten in Deutschland durchzusetzen“, heißt es auf der Seite. Weiter schreiben vermeintlichen Parteifreunde der Kanzlerin:

Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich Deutschland dazu verpflichtet, das friedliche Zusammenleben der Völker nicht zu stören. Dennoch ist unser Land einer der weltweit größten Lieferanten von Kleinwaffen. Wir können nicht wegschauen, wenn der Unfrieden auf unserem Planeten durch Rüstungsexporte aus unser Heimat weiter befeuert wird. Deshalb rufen wir die CDU dazu auf, im Namen unserer christlichen Werte für den Exportstopp von Kleinwaffen einzutreten.

Zur Steigerung der Seriosität wendet sich in einer Videobotschaft dann gleich noch Brigitte Ebersbach, Vorsitzende des CDU Ortsverbandes Schwenke an die Besucher.

Der Appell endet mit den Worten: „ In der Nachfolge Jesu Christi sollten wir den Mut finden, diese Logik zu hinterfragen. Wenn wir Barmherzigkeit und Nächstenliebe zur Maxime unseres Tuns erheben, müssen wir auf den Export von Kleinwaffen verzichten.“

Hört sich nach einer klasse Story an: Teile der Merkel-Partei wollen Waffenexporte verbieten. Und dass auch noch aus christlichen Motiven. Gerade in den USA, in denen sich viele Menschen besonders leidenschaftlich auf ihren christlichen Glauben und das Grundrecht auf Waffenbesitz berufen, dürfte die Geschichte auf reges Klick-Interesse stoßen.

Genau das passierte. Die Agentur AP machte eine Meldung und auch die New York Times oder Fox News. Selbst Radio Vatikan berichtete. Dumm nur, dass es sich um eine klassische Fake News handelte.

Dahinter steckt das Künstlerkollektiv Peng, das immer wieder mit kreativen Ideen Aufsehen erregt. So gaben sich auf der re:publica bereits Künstler des Kollektivs als Google-Mitarbeiter aus und präsentierten vermeintliche neue Überwachungsprodukte.

Der CDU-Fake war so gut gemacht, dass ihn nicht die US-Agentur-Kollegen für echt hielten. Immerhin richteten die Aktivisten der vermeintlichen CDU-Frau sogar eine eigene Facebook-Seite mit eigener Legende ein. Auch in Deutschland nahmen einige die Aktion für voll. So lästerte die AfD Heidelberg: „Ganz Deutschland fühlt mit der #CDU, die es nicht schafft #Merkel abzusetzen. #cdumitgefuehl“.

Tatsächlich spricht es fast schon für die Medienkompetenz der einheimischen Presse, dass sie die Finger von der Story ließ. Die CDU-Konkurrenten sollte jedoch nicht allzu laut über den Spaß spotten. Peng kündigte schon einmal an, also nächstes die SPD hochnehmen zu wollen.

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Alle Kommentare

  1. Ob die AfD tatsächlich, wie die Überschrift behauptet, auf diese Fake-News „hereingefallen“ ist, erscheint eher fraglich.

    Der zitierte Tweet der AfD Heidelberg geht inhaltlich nämlich in keinster Weise auf die Aktion und das Thema der Peng-Aktion (also Waffenexporte) auch nur ein, und auch das Hashtag wurde offenbar bewusst leicht anders geschrieben.

    Auf mich macht der besagte Tweet vielmehr den Eindruck, als hätte der besagte lokale AfD-Verband einfach nur ein gerade trendendes Hashtag dazu benutzt, um mittels eines Wortspiels gegen Merkel zu stänkern.

  2. „Der CDU-Fake war so gut gemacht, dass ihn nicht die US-Agentur-Kollegen für echt hielten.“

    ==>
    „Der CDU-Fake war so gut gemacht, dass ihn nicht nur die US-Agentur-Kollegen für echt hielten.“

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