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„Schläge mit entsetzlicher Schockwirkung wie Gewehrkugeln“: das Medienecho zum Klitschko-Kampf

„Rücktritt statt Rückkampf“, fordert der Tagesspiegel nach dem K.o. von Wladimir Klitschko
"Rücktritt statt Rückkampf", fordert der Tagesspiegel nach dem K.o. von Wladimir Klitschko

Obwohl Wladimir Klitschko am Samstag seinem Kontrahenten Anthony Joshua im Ring unterlegen war, sind sich Medien einig: Die Box-Schwergewichte haben sich in Wembley ein großes und dramatisches, vielleicht sogar "epochales" Duell geliefert – das den langjährigen Weltmeister nun vor die K.o.-Frage stellt: Rücktritt oder Rückkampf? Konsens unter den Kommentatoren: "Klitschko sollte Schluss machen."

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Vielleicht war es das Ende einer Ära – nicht nur für Wladimir Klitschko, sondern auch für RTL, das sich mit einem Karriereende von Klitschko auch vom Boxen zurück ziehen könnte. Die Niederlage Klitschkos gegen Anthony Joshua sahen noch einmal 9,59 Mio. Fans ab 23 Uhr – ein gigantischer Marktanteil von 40,6%. In der Presse wird Wladimir Klitschko für seinen starken Auftritt gegen Kontrahent Anthony Joshua gelobt. Dennoch legt der Großteil der Kommentatoren in Deutschland „Dr. Steelhammer“ den Rückzug vom Boxsport nahe. Die Pressestimmen:

So wünscht Michael Rosentritt vom Tagesspiegel Klitschko „die Kraft zum Abtreten“ (kostenpflichtig):

Sicher, für das Publikum hätte eine Revanche ihren Reiz, spannendere oder bessere Kampfkonstellationen gibt es derzeit nicht. Aber was will Klitschko in einem Rückkampf erreichen? Ein Zurückdrehen der Zeit? (…) Nein, Klitschko sollte Schluss machen. Er hat eine für sein Alter von 41 Jahren und seiner Ringabstinenz von eineinhalb Jahren geradezu großartige Leistung geboten. (…) Wie heißt es doch so schön, Boxer wissen nicht, wann sie zu alt sind, sie müssen es im Ring zu spüren bekommen.

Auch Bild-Chef Julian Reichelt zählt den Boxer in einem Kommentar an:

Joshuas Schläge hatten auf Klitschkos Körper dieselbe entsetzliche Schockwirkung, die Gewehrkugeln haben, wenn sie ihr Opfer finden, wenn auch zum Glück nur für Sekunden. (…)  Das ist schwer zu akzeptieren. Aber Wladimir Klitschko ist groß genug, um es zu tun. Einen solchen Kampf wird es für ihn nie mehr geben.

Für Saskia Aleythe von der Süddeutschen Zeitung habe Klitschko mit dem Kampf zwar „alle Kritiken widerlegt“ – aber nun wäre der „perfekte Zeitpunkt für ein Karriereende“ gekommen:

Gegen einen Joshua kann man auch als Klitschko verlieren, ohne im Schatten zu versinken. (…) Womöglich war der 29. April 2017 der Tag, an dem Klitschko seinen größten Sieg feierte. Und das mit einer Niederlage. (…) Ob dieser Abend nun eine Erfrischung für seine Karriere ist, wurde er noch gefragt. „Absolut“, sagte er, „es hat sich alles ausgezahlt. Da gibt es jetzt mehr Gewinner als Verlierer insgesamt.“ Es wäre ein würdiges Ende einer großen Karriere.

Uwe Bödeker vom Kölner Express hält die Rücktritts-Frage zum jetzigen Zeitpunkt hingegen für „respektlos“:

Die Fragen kann man stellen, doch sie sind kurz nach einem solchen WM-Kampf unangebracht. Die beiden Boxer haben ihrem Sport einen Kampfabend für die Geschichtsbücher geschenkt. (…) Fragen, ob Wladimir nicht besser früher aufgehört hätte, sind Stunden nach so einer boxerischen Sternstunde also einfach fehl am Platz. Vielmehr kann es für die Leistung dieser beiden Athleten nur ein Wort geben: RESPEKT!

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Laut Björn Jensen von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung habe Klitschko mehr „gewonnen als verloren“ und sollte nun „in Würde abtreten“:

Seinen Kritikern hat er bewiesen, dass er aggressiv boxen, schwere Treffer überstehen und auch im Alter von 41 Jahren noch Höchstleistung bringen kann. Es war im 69. Profikampf zwar seine fünfte Niederlage, aber zum ersten Mal hat er nun gegen einen Boxer verloren, der nicht nur an einem Abend besser war als er selbst, sondern der wirklich eine größere Klasse hat. (…) Deshalb sollte er sich nun seinen vielen anderen Fähigkeiten zuwenden und in Würde abtreten, so dass die Fans ihn als den in Erinnerung behalten können, der er ist: Ein großer Champion, der für seinen Sport eine Menge geleistet – und am Ende verstanden hat, dass es einen gibt, der es verdient, seine Nachfolge anzutreten.

Nils Weber von der Hamburger Morgenpost schreibt, dass Klitschko nicht in Ring-Rente gehen müsse – aber es nach dem großen Duell durchaus dürfe:

Braucht Klitschko das Rematch? Für seine Karriere, seinen Platz in der Box-Geschichte und der „Hall of Fame“ nicht. Er braucht niemandem mehr etwas zu beweisen. (…) Von Außen betrachtet erscheinen die Risiken eines zweiten Duells größer als die Chancen. Die Gelegenheit, jetzt abzutreten, ist günstig: erhobenen Hauptest, in Würde, von Beifall begleitet. Muss er aufhören? Nein. Darf er? Definitiv! Kann er?

„Klitschko kann mit gutem Gewissen abtreten“, kommentiert auch Holger Luhmann von Sport 1:

Klitschko ist gut beraten, seine großartige Karriere zu beenden. Auch wenn der langjährige Wahl-Hamburger auch im deutschen Boxen eine große Lücke hinterlassen wird. (…) Gegensatz zur Niederlage gegen Tyson Fury kann Klitschko nun erhobenen Hauptes aus dem Ring steigen. Gegen Joshua hat er sich den Respekt zurück erarbeitet, der ihm gebührt. (…) Mit Joshua als Erben kann er sehr gut leben.

Für Arne Henkes von T-Online stellt sich die Revanche- oder Rücktritts-Frage (noch) nicht:

Ein epischer Fight. Mit offenem Visier. In der Ringschlacht, die die 90.000 Zuschauer im Londoner Wembley bestaunen, sehen nicht wenige Beobachter die Wiedergeburt einer Sportart, die zuletzt immer mehr an Zuschauerinteresse verloren hatte. (…) Egal, ob Klitschko noch einmal zurückkommt oder nicht – spätestens mit diesem Kampf gehört er zu den größten Athleten aller Zeiten.

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Alle Kommentare

  1. Gewalt ist eine Lösung!

    Demnächst kommt „türkischer Zweikampf“ (fünf gegen einen), gefolgt von Kopftreten und von der Bank drauf springen… genügend „Experten“ haben wir ja (die sind wertvoller als Gold)!

    RTL Rummelboxen war nie meins und das wird es auch nicht…

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