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Kiosk-Flop: Spiegel Verlag nimmt Best Ager-Magazin Spiegel Classic nach nur einer Ausgabe vom Markt

Auch der Helm auf dem Premieren-Cover hat nichts genützt: Spiegel Classic holte sich am Kiosk eine blutige Nase
Auch der Helm auf dem Premieren-Cover hat nichts genützt: Spiegel Classic holte sich am Kiosk eine blutige Nase

Ende März war das Magazin gestartet, schon ist es Geschichte: Wie Horizont meldet, hat der Spiegel Verlag seine Best Ager-Zeitschrift Spiegel Classic nach nur einer Ausgabe eingestellt. Offenbar waren die Verkaufszahlen des mit einer Auflage von 165.000 Exemplaren gestarteten Titels so desaströs, dass ein Relaunch nicht in Frage kam. Im Verlag war das Heft als Print-Hoffnung gehandelt worden.

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Verlagsleiter Michael Plasse bestätigte die Informationen des Frankfurter Branchendienstes. Im Horizont-Artikel heißt es mit Bezug auf den Spiegel-Manager: „Zum Mut etwas auszuprobieren gehöre auch der Mut zu scheitern und sich das Scheitern einzugestehen, so jedenfalls will das der Verlag interpretiert wissen. Entmutigt zeigt er sich dennoch nicht. An diesem Freitag startet er, wenngleich nur testweise, das nächste Printmagazin: Spiegel Fernsehen.“

Die floskelhafte Diktion in Anlehnung an Weisheiten der Startup-Welt kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Spiegel mit dem Scheitern seines Magazins für die Generation 50 plus eine empfindliche Niederlage erlitten hat. Unter den eigenen Mitarbeitern hatte die Führung im vergangenen Jahr mit der Ankündigung der Classic-Pläne eine Aufbruchstimmung erzeugen wollen. Der neue Titel sollte zur dringend benötigten Umsatz-Stabilisierung beitragen. Doch das Konzept fand offenbar bei der Zielgruppe nur ungenügende Resonanz.

Dabei waren die Probleme weitgehend hausgemacht: Spiegel Classic war ein Lebensgefühl-Magazin, dem es an Gefühl, Leidenschaft und Hingabe mangelt – und solche Versäumnisse bestraft der Markt gnadenlos. Die – auch erst sechs Wochen alte – Blattkritik von MEEDIA kam jedenfall zu einem eindeutigen Fazit:

Für ein innovatives Lebensgefühl-Magazin braucht es mehr als Nostalgie und Papier aus nachhaltiger Herstellung. Der Spiegel hat sich mit neuen Zeitschriften oft schwer getan. Die rasch verkümmerten Ableger Spiegel Reporter, Econy, New Scientist, Spiegel Special  oder Spiegel Job sind Beispiele dafür. Es ließe sich kaum verantworten, der jüngsten Line Extension des Verlags eine günstige Prognose mit auf den Weg zu geben. Was da seit heute am Kiosk liegt, ist weder Fisch noch Fleisch und erscheint ungeeignet, die schwierige und anspruchsvolle Käuferschaft der Generation 50plus zu überzeugen. Das leider vom Markt genommene Viva! von Gruner + Jahr hat die Aufgabe bereits vor Jahren in allen Belangen besser gelöst und dennoch nicht überdauert. Der Spiegel hat – und das ist die positive Nachricht – mit der neuen Zeitschrift eine Antwort auf Print-Rezession und Umsatzschwund gesucht, sie aber mit Spiegel Classic (noch) nicht gefunden. Selbst eine betagte Zielgruppe dürfte ein deutlich längeres Leben haben als dieses Magazin.

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Auch die Leser-Kommentare unter dem MEEDIA-Artikel sind eindeutig – selten wurde ein Magazin zum Launch in unserer Kommentarspalte derart und einhellig negativ bewertet.

Nun hat der Spiegel, deutlich früher als erwartet, den Stecker gezogen und die Markt-Kommunikation des Flops mit dem Start eines weiteren Magazins versüßt: ein Programmie für die anspruchsvolle Streaming-Generation, das Spiegel Fernsehen heißen wird und vom stellvertretenden Wirtschaftsressortleiter und früheren Medienredakteur Markus Brauck entwickelt worden ist. Als Redaktionsleiter fungiert laut Horizont TV-Kritiker Christian Buß. Das 14-tägige Heft kostet 2,60 Euro und erscheint ab kommenden Freitag zunächst testweise für vier Wochen in Hessen. Titelgeschichte der ersten Ausgabe ist ein Interview mit Nora Tschirner („Über Schönheit im Fernsehen und den Mut zur Hässlichkeit“). Sollten die regionalen Verkäufe ermutigend ausfallen, könnte der TV-Spiegel ab September bundesweit erscheinen.

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Alle Kommentare

  1. Hallo,

    ich finde es schade das silch ein Heft direkt nach einer Ausgabe eingstampft wird. Es sind gute Artikel zu lesen. Leider sind die Hrren in den Redaktionen nnur noch auf ihre Zahlen , fixirt, und werden von andenren bestimmt. Meinungsfreiheit dahin, alle ; Macht; den Lobisten. Echt schade.

  2. Wieder einmal hat das Fischen in der „Grauzone“ der Best Ager zu einem veritablen Bauchfleck geführt. Mit einem völlig unpassenden Titel und schwammigen Plattitüden wie für „Menschen mit Erfahrung und Entdeckergeist“ lässt sich kein Silver Customer über den Tisch ziehen. Schon gar nicht mit der Ankündigung „Nur 4,90 Euro!“ (dies sollte offensichtlich den Mindestrentner mit mangelnder Kaufkraft ansprechen). Alles in allem entstammt dieses Produkt vermutlich einer Redaktion von Kindergarten-Abbrechern mit Grundschule im zweiten Bildungsweg oder einer Meisterklasse „Malen nach Zahlen“.

  3. DER SPIEGEL kriegt es nicht hin. Die Strategie des Verlages ist vollkommen falsch. Der Verlag müsste sich in die Tiefe diversifizieren, nicht in die Breite. Alles andere ist blinder Aktionismus. Auch die TV-Zeitschrift wird deshalb ein Flop. Wenn weiter Dilettanten beim SPIEGEL die Richtung vorgeben, geht der ganze Verlag innerhalb der nächsten fünf Jahre pleite.

  4. Läuft beim Spiegel!

    Die nächste Spar-Runde ist Ende des Jahres fällig!

    „Spiegel Classic“ zeigt wie Talentbefreit die Spiegel-Belegschaft mittlerweile ist, der Laden ist intellektuell ausgeblutet und ideologisch festgefahren.

    Befreiungsschlag wird es nicht mehr geben.

    Die „Lügenpresse“ geht unter

    1. Für Sie gibt es das Magazin: COMPACT (die Verkaufszahlen liegen weit unter Spiegel Classic). Der Lügenbaron Ulf Kottke wird schon einen Weg, Dank Jetstreams, finden um Sie intellektuell zu unterhalten.

      1. Ich finde es pietätlos, „Späße“ auf Kosten eines Verstorbenen, der mutig seine Überzeugungen vertreten hat, zu machen. Mut, Anstand und Rückgrat ist genau das, was in der Spiegel-Redaktion nicht mehr zu finden ist und was dieses Magazin für jeden zum „NoGo“ machen müsste, der noch einen moralischen Kompass in sich trägt.

      2. Ganz ehrlich, Elsässer und Co. demütigen Spiegel geradezu mit guten Produkten wie z.B. „COMPACT Edition“

        Hier wird keine Bewertung vorgenommen, der Leser kann sich so selbst ein Bild machen.

        Aktuelle Ausgabe ist – Donald Trump „Krieg und Frieden“ – sowas könnte Spiegel 1:1 100.000fach veraufen.

        Beim Spiegel ist man aber so dermassen ideologisch verblendet, man will Leser unbedingt links-grün erziehen und lenken.

        Der Spiegel Verlag müsste sofort ~60% des Personals austauschen um eine Überlebenschance zu haben.

        Wird man nicht tun, der Untergang ist also besiegelt, die Einnahmen brechen an allen Fronten ein.

  5. Ich hatte schon nach der ersten Nachricht über dieses neue Magazin meine NMeinung bei Meedia kundgetan: Um Gottes Willen – das kann doch nichts werden. Ich bin 84 Jahre, seit 1956 Spiegelleser, lese auch gute Zeitungen und Magazine, aber ein Magazin für Senile…..:Nein!. Kann und konnte nicht gut gehen. Spricht für das Chaos in der Spiegel Redaktion.

    1. Nun, ich würde behaupten, dass auch der SPIEGEL inzwischen ein Magazin für Senile ist. Mit einem wachen Geist lässt sich ein solch einseitige und ideologiebehaftete Berichterstattung nur schwer ertragen.

      1. Wer so einen Quatsch von sich gibt, ist wohl selber senil (oder AfD verseucht). Schon der
        nickname sagt alles. Aber die „Rechten“ werden wohl nie aus der Vergangenheit lernen – oder sie begreifen es garnicht erst.

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