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Sharapova-Comeback: Die russische Tennis-Diva zeigt in einer denkwürdigen Pressekonferenz, dass sie ein knallharter Medienprofi ist

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Auch auf der Pressekonferenz top präpariert: Maria Sharapova © WTA / YouTube

Es war der Lance Armstrong-Moment: 15 Monate nach der Dopingsperre stellte sich Maria Sharapova erstmals in einer Pressekonferenz anlässlich ihres Comebacks beim WTA-Turnier ins Stuttgart wieder der Presse. Mehr als 100 Journalisten waren angereist, um über das Comeback der Tennis-Diva zu berichten. In einer denkwürdigen Pressekonferenz unterstrich Sharapova einmal mehr, warum sie als absoluter Medienprofi gilt, zeigte bei ihrem 15-minütigen Auftritt indes keinen Anflug von Demut.

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Das sportliche Comeback ist Maria Sharapova 15 Monate nach ihrer Dopingsperre wegen der Einnahme des verbotenen Medikaments Meldonium geglückt: „La Shara“ spielte im Erstrundenmatch bei den in Stuttgart gegen die Italienerin Roberta Vinci streckenweise so, als wäre sie nie weg gewesen.

Moments like this…!!! ❤️

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Doch damit war es nicht getan: Nach dem Spiel ist bekanntlich vor der Pressekonferenz – und die war bei den „Porsche Open“ wohl nie besser besucht als gestern Abend – sogar die New York Times reiste extra an, um Sharapova zu ihrem Comeback und weiteren Pläne zu befragen.

Es waren spezielle 15 Minuten, bei denen es nicht nur um die einst weltbeste Tennisspielerin ging, die nach 15 Monaten ohne Ranglistenpunkte nun ihr Comeback von (fast) ganz unten versucht, sondern auch um den Marketinggröße Sharapova. Die 30-jährige Russin war bekanntlich bis zu ihrer Dopingsperre über Jahre noch vor Serena Williams die bestverdienende Sportlerin der Welt – dank ihrer hochdotierten Werbeverträge.

„If you’re a bird, I’m a bird“

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Dass das öffentliche Leben nach der Verbannung vom Centre Court ohne Wimpernzucken in Hochglanz weitergehen musste, hat Sharapova mit der maximalen Professionalität eines Instagram-Models im Facebook-Fotonetzwerk vorgelebt.

Not what I looked like when I woke up

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Jeder Tag schien super, besaß neue Tiefe abseits des Courts, es gab plötzlich so viel zu entdecken, neue Freundschaften zu schließen, Bücher zu lesen, neue Fotoshootings zu machen und zwischendurch zu trainieren – fast konnte man glauben, besser kann es das Leben nicht mit der gefallenen Tennis-Ikone meinen.

Crashed another birthday party. Our specialty since we were 11 years old. #friends

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Sharapovas Instagram-Inszenierung auf dem Weg zurück dürfte als Blaupause in vielen Social Media-Agenturen herumgereicht werden. Es ist die digitale Variante des alten „Mad Men“-Mottos: „Wenn dir nicht gefällt, was gerade gesagt wird, ändere die Unterhaltung“. Das hat Sharapova immer wieder mit ihren gut dosierten Instagrams getan.

Taxi taxi 🚕

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Als es nun so weit ist, den eigentlichen Gesprächsfaden auch verbal wieder aufzunehmen, zeigte Sharapova einmal mehr, dass sie ein noch größerer Profi neben dem Platz als auf dem Centre Court ist – souveräner kann sich kein Politiker dem medialen Kreuzfeuer stellen.

In schwarzem Nike-Glamour-Jäckchen saß Sharapova wie immer perfekt gestylt wie eine Taylor Swift des Tennis-Sports vor der fragenden Reportermeute, die dann schnell kritisch wurde („Sendet die Wildcard-Vergabe an Sie – die zur Teilnahme am Turnier in Stuttgart berechtigte  – „nicht die falsche Botschaft an die junge Generation?“)

Keine Frage: Sharapova wird sich auf die Pressekonferenz über Wochen so intensiv vorbereitet haben wie Apple-CEO Tim Cook auf die nächste Keynote. Es ist der eine mediale Moment nach 15 Monaten, der hängen bleibt – wie erklärt sie das eigentlich Unerklärbare?

Gar nicht. Sharapova setzte zur großen PR-Suada über die unplanbaren ersten Minuten auf dem Platz („Mein Job ist es als Tennisspieler zu performen“), ihrer Weiterentwicklung als Person („Ich bin nicht verbittert, ich lasse Dinge schnell hinter mir“) und ihren Ehrgeiz an („Ich wäre bereit, bei den Junioren zu spielen, wenn ich müsste“).

Und doch gab es Augenblicke, in denen Revanchegelüste der Verstoßenen aufflackerten: Die New York Times-Reporterin, ob sie ihre Vorbereitung verändert habe, wurde mit zwei Worten abserviert „(„I don’t“), ein Reporter der britischen Klatschpresse The Sun wurde verhöhnt („Oh Gott. War die Sun jemals in Stuttgart?“), und eine Nachfrage, welches Medikament sie denn nun als Ersatz fürs verbotene Meldonium einnehmen würde, mit den Worten abgebügelt: „Die Sache betrifft mich, (den Tennisverband) WTA und meinem Doktor“.

„Auf Wörter, Zitate und Artikel kommt es im Leben nicht an“

Es sind Momente, die an Lance Armstrong nach seiner Doping-Überführung erinnern: Ein Anflug von Selbstgerechtigkeit – und Medienschelte – schwingt mit. „Auf Wörter, Zitate und Artikel kommt es nicht im Leben an, das habe ich sehr gut im vergangenen Jahr gelernt. Die Artikel verfliegen. Es ist ein News-Zyklus“, gewährt PR-Profi Sharapova dann doch noch einen Einblick in ihr Gefühlsleben.

Dass Sharapova 15 Monate nach ihrem demütigen Doping-Eingeständnis in einem schäbigen Hotel keine Lust mehr auf die Rolle der reuigen Sünderin hat, war in der zickigen Antwort auf die anhaltende Kritik durch ihre Gegnerinnen zu erkennen: „Was sollte es mir bringen, wenn wir befreundet wären? Hilft es meinem Tennis?“ Der Marke Sharapova wohl erst recht nicht: Im Marketingverständnis kann es nur eine „La Shara“ geben.

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