Obermain-Tagblatt: BJV kritisiert „Maulkorb“ für Betriebsräte und Aktivisten

„Wertschätzer“: Protestaktion beim Obermain-Tagblatt für einen Haustarif Foto: Herbert Steiner
"Wertschätzer": Protestaktion beim Obermain-Tagblatt für einen Haustarif Foto: Herbert Steiner

Beim Obermain-Tagblatt im fränkischen Lichtenfels hängt der Haussegen schon seit einiger Zeit schief. Tariflich organisierte Mitarbeiter der Zeitung kämpfen unter dem Namen "Die Wertschätzer" für einen Haustarifvertrag, der ihnen von dem zur Main-Post (Würzburg) gehörenden Unternehmen verweigert werde. Zwei der Aktivisten sind laut Bayerischem Journalisten Verband (BJV) mit einem "politischen Schreibverbot" belegt worden. Der BJV kritisiert den Vorgang jetzt in einem offenen Brief.

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„Seit einigen Monaten werden die Redakteure und Betriebsräte Annette Körber und Till Mayer in ihrem Haus mit einem ‚politischen Schreibverbot‘ belegt. Den zwei Mit-Akteuren der Protestaktionen für einen Haustarif beim Obermain-Tagblatt wurde von der Geschäftsführung untersagt, Außentermine mit Lokalpolitikern und Funktionsträgern für den Verlag wahrzunehmen und über solche Veranstaltungen zu berichten“, heißt es in dem offenen Brief des 1. BJV-Vorsitzenden Michael Busch. Der Brief ist adressiert an die beiden Geschäftsführer des Obermain-Tagblatts, Peter Tischler und Bernd Riedel.

Busch zeigt sich in dem Schreiben „entsetzt“ über den Vorgang bei der lokalen Zeitung: „Der BJV verurteilt diesen Versuch, diesen BJV-Mitgliedern und Redakteuren einen Maulkorb zu verpassen, aufs Schärfste. Gerade in einer Lokalredaktion gehört es zu den täglichen Aufgaben, Termine mit Politikern und Funktionsträgern wahrzunehmen, zu recherchieren und Hintergrundgespräche zu führen, um kritisch und objektiv berichten zu können.“ Busch verweist außerdem auf den Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai: „Es kommt in der Öffentlichkeit und beim Leser alles andere als gut an, wenn Ihr Haus –  und die als Miteigner fungierenden Mediengruppen Main-Post  und Pressedruck  in Augsburg –  die Pressefreiheit zwar im Munde führen, selbst aber im Inneren in eklatanter Weise gegen diese Grundsätze verstoßen.“

Der BJV-Vorsitzende erklärt weiter, dass der Arbeitskampf beim Obermain-Tagblatt  auf dem Boden gesetzlicher Vorgaben geführt werde. Das Herausgreifen von zwei Mitarbeitern für ein „Schreibverbot“ sei willkürlich. „Daher fordere ich Sie sowie die Verantwortlichen bei der Mediengruppe Main Post und bei der Augsburger Mediengruppe Pressedruck  auf, diesen Versuch der Einschüchterung aufzugeben und das ‚politische Schreibverbot‘ sofort aufzuheben“, so Busch.

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