ROG stellt neue Rangliste der Pressefreiheit vor: Pressefreiheit mittlerweile auch in Demokratien unter Druck

„Es war früher anders – aber auch manches besser.“, sagt ROG-Chef Christian Mihr (Foto) über die weltweite Pressefreiheit.
"Es war früher anders – aber auch manches besser.", sagt ROG-Chef Christian Mihr (Foto) über die weltweite Pressefreiheit.

Die Lage für Journalisten und unabhängige Medien wird nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) prekärer. In autoritär geführten Staaten und Diktaturen sei der Umgang mit den Medien nach wie vor von Zensur und Verfolgung gezeichnet. Aber auch in demokratischen Ländern stehe die Presse unter zunehmendem Druck. In den USA, in Polen oder Großbritannien äußerten Politiker öffentlich ihre Geringschätzung für Journalisten.

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Zu den Verlierern in der Rangliste gehört die Türkei, die im vergangenen Jahr im Zuge einer Repressionswelle nach dem Putschversuch um vier Plätze abrutschte. Sie belegt jetzt Platz 155.

Deutschland hat sich auf Platz 16 in der kleinen Gruppe jener Länder behauptet, in denen ROG die Lage als gut einstuft. Dazu zählen an der Spitze von Platz eins bis sechs Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, die Niederlande und Costa Rica. Doch auch in Deutschland geraten laut ROG Medienschaffende wegen ihrer Arbeit ins Visier der Behörden oder der Geheimdienste.

In knapp zwei Drittel der 180 untersuchten Länder hat sich die Situation verschlechtert. Dazu habe die Entwicklung in demokratischen Ländern beigetragen. Immer wieder griffen Politiker Journalisten an, hieß es, und Regierungen bauten die Überwachungsbefugnisse der Geheimdienste aus und bedrohten Whistleblower.

Verschlechtert habe sich die Lage der Pressefreiheit etwa in Ungarn. Unter der Regierung von Viktor Orban fiel das Land um vier Ränge auf Platz 71 zurück. Polen rutschte unter der rechtskonservativen Regierung sieben Plätze ab und steht nun auf Platz 54. «Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, anstatt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten», erklärte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.

Zu den Schlusslichtern zählen Kuba, Sudan, Vietnam, China, Syrien, Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea an letzter Stelle auf Platz 180.

Aber auch in den USA – um zwei Plätze auf Rang 43 verschlechter – habe die juristische Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern besorgniserregende Ausmaße angenommen. Immer wieder würden Journalisten vor Gericht gestellt. US-Präsident Donald Trump distanziere sich mit seinen systematischen Verunglimpfungen kritischer Medien von der langen Tradition der USA als Hüterin der Pressefreiheit.

Auch das in den USA ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) berichtet über neue Formen der Manipulation: Während beim sogenannten «Arabischen Frühling» soziale Netzwerke im Internet noch wichtige Instrumente zur politischen Mobilisierung gewesen seien, setzten Regierungen sie heute immer mehr zur Beeinflussung ein, hatte CPJ am Dienstag erklärt. Länder wie Russland, China und Mexiko hätten «ganze Armeen von Propagandakünstlern», um Online-Debatten zu steuern.

Die ROG-Rangliste versucht, den Grad der Freiheit wiederzugeben, die Journalisten, Blogger und Medien in 180 Ländern haben. Ihre Grundlage ist ein Fragebogen zu unabhängiger journalistischer Arbeit, den Reporter ohne Grenzen in 20 Sprachen an Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtsverteidiger weltweit verschickt. Das neue Ranking bezieht sich auf das Jahr 2016.

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Alle Kommentare

  1. Solange die meisten Journalisten, auch die des Spiegels, regierungsfromm sind, dürfen sie sich nicht beklagen.

  2. Pressefreiheit ? Mal ein Beispiel über das notorisch absichtsvolle Versagen unserer Presse:

    Eklat: Netanjahu sagt Gespräch mit Gabriel ab, weil dieser sich mit sogenannt besatzungs-kritischen NGOs traf.

    Zwei Tage vorher gab Netanjahu dem TV- Sender FOX-News ein Interview, welches am Freitag in den USA ausgesendet wurde. Der Inhalt dürfte/sollte/müßte unseren Medien- Profis damit bekannt sein, denn FOX wird ja ansonsten durchaus kritischst beäugt.

    Dort schilderte Netanjahu, daß die Palästinensische Autonomie-Behörde – die sich nach wie vor weigert, Israel überhaupt anzuerkennen – Attentätern auf Israelis eine Belohnung zukommen läßt, und die Angehörigen von Attentätern, die entweder im Knast sitzen oder umkommen mit einer Rente versorgt. Die dafür erforderlichen Gelder bezieht diese Autonomie-Behörde vom Steuerzahler u.a. aus Europa. Von Unterstützungszahlungen der EU, und direkt der europäischen Länder. So O-Ton Netanjahu. Zweifelt daran jemand?

    Schade, daß solche Interviews von unserer Presse – nicht übersehen, sondern: unterschlagen werden. Sie verfolgen ihre eigene Agenda. Schade also auch, daß die tatsächlich wohl unbestreitbar objektiv vorhandenen Beweggründe von Netanjahu, so kurz nach seinem kritischen Interview den provokanten Gabriel garnicht treffen zu können hier in unseren Medien nicht abgehandelt, nicht thematisiert, sondern unterschlagen werden. Wäre schon eine Nachricht wert gewesen, wenn man tatsächlich objektiv berichten wollte

    Wodurch glauben unsere Journalisten eigentlich sich so etwas wie Achtung verdienen zu haben?

  3. Heute in BILD… Wer verdient was in Deutschland? Von Pilot bis Klempner. Gleichzeitig Bericht „Amis stellen Schweinis Gehalt ins Internet“. Wie wärs, wenn Ihr zum Beispiel mal dafür sorgt, dass Euch die Kriterien für die geheimen und deshalb unfassbar unterschiedlichen Gagen-Einordnungen des Öffi-Fernsehens ausgehändigt und veröffentlicht werden. Das wäre eine Gaudi. Damit könnten die für deren Programme beschäftigten Leute – und es ist egal wofür die arbeiten, dieses elitäre Getue der mit Gebühren und fetten Pensionen hochbezahlten Leute für bestimmte Filme/Serien muss auch endlich aufhören – eigene Forderungen stellen und müssten sich nicht intransparente (vermutlich unverschämte) „Einordnungen“ gefallen lassen. Wer viele Aufträge – sind ja eh immer dieselben – bekommt hat nach deren Kriterien dann wohl „bewiesen“, dass er er-sie-es hunderttausende „verdient“.

  4. man möge sich doch bitte nur die armseligen runden der ör-talkshows seit 2000 anschauen – damit wäre das thema pressefreiheit hierzulande in seinem schleichendem verfall zur genüge abgehandelt

  5. Entschuldigung Ihr seid doch selbst schuld, dass es so weit kommen konnte. Erst kungelt Ihr (Zitat Reichelt…mit Politikern im Borchardt…) mit den Leuten, macht genehme Portraits mit eigenen Fotografen (BamS & Co) und dann wollt Ihr die fünfte Gewalt sein? Wenn ich Tageszeitungen lese, schreiben die all das, was wir aktuell schon gelesen haben, nochmal in ihre Blätter statt sich andere Aspekte einfallen zu lassen. Da wird „AUFGEDECKT“… täglich überall und auf allen TV-Kanälen gibt es Berichte über all das, was falsch läuft… großartige seitenlange Beiträge, hervorragende Dokumentation werden geschrieben, gedreht, erzählt… und das war’s dann. WO IST DIE VIERTE GEWALT, DIE PRESSEFREIHEIT B R A U C H T. Ihr braucht die doch alle gar nicht mehr hier in Deutschland (und auch anderswo in). Ihr seid zahnlose Bettvorleger geworden. Kein Politiker muss fürchten, dass die Aufdeckungen von gestern in Print, Online, TV und Radio auch nur einen Tag länger weiterverfolgt werden. So wie gedruckt, geschrieben, gesagt verschwinden sie im Archiv. BILD und BamS – nur als Beispiele für alle, weil diese Blätter mal für „Kampagnen“ standen, die nichts anderes waren als an den Missständen dran zu bleiben – sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Frau Horn lässt seitenweise das nochmal zusammenschreiben, das schon überall stand und macht vermeintlich „freche“ Kommentare, die im Nirwana verhallen und nie wieder durch Recherchen und harte Berichte aufgegriffen werden. Der per Gebühren bezahlte öffentlich-rechtliche Rundfunk kommt seinem Auftrag außerhalb der Politik in großen Bereichen nicht nach. Dabei können Missstände in abgeschotteten Monopolen auch NUR über Medienkontrolle aufgedeckt und verändert werden. Alle Insider die „plaudern“ katapultieren sich selbst vom Markt. Also halten alle den Mund und Ihr wißt das! WO SEID IHR MEDIEN???? Bleiben z.B. die von Frau Grütters „vorgelesenen“ Studien (Frauen in Medien und FFA-Studie) weiter unbeachtet? Helft Ihr den Frauen irgendwann mal FRAU HORN, FRAU KOCH? Die FFA-Studie beweist, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mindestens zu 90 % Männer bei Regie, Kamera etc., bei Haupt- und Titel-Rollen fördert oder – besser – versorgt und Frauen massiv ausgrenzt. Neben vollkommen undurchsichtigen Gagen-Zuordnungen und Auftragsvergaben (viele an unkontrollierte Tochterfirmen, hinter deren Kulissen niemand schaut) verstopfen sie auch Jahrzehnte den Markt mit Reihen und Serien (und versorgen deren Personal). Unnötig bei Milliarden, die a l l e Bürger alljährlich abdrücken. Gleichzeitig veranstalten aus Steuern bezahlte Hochschulen alljährlich weiterhin knallharte „Aussonderungs-Besten-Suche“, die aufgrund oben erwähnter Missstände auf dem „Markt“ weder beachtet, noch gefördert, noch gebraucht werden – auch hier wieder meistens Frauen, die – FFA-Studie – einfach verschwinden. WO SEID IHR MEDIEN??????????????

  6. Plumpe Schönfärberei, die die deutsche Medienlandschaft weiter ins Abseits befördert, dank eigenem Verschulden:

    man stellt sich nicht dem Glaubwürdigkeitsverlust und reagiert weiter als wenig überzeugende Presseabteilungen des politischen und wirtschaftlichen Establishments, z. B. bemerkte schon 2012 Rolf Hochhuth, deutscher Dramatiker (z.B. „Der Stellvertreter“), geboren 1931:
    » ZEIT/FAZ : Nur weil nicht in Berlin, sondern in Hamburg und Frankfurt ihre Redaktion, hält man irrtümlich immer noch für denkbar, dass sie nicht offizielle Organe des Kanzleramtes sind.«
    (Buch: Hochhuth: »Was vorhaben muß man/ Aphorismen«, Seite 67)

    n-tv, berichtet heute, 26.04.2017 wahrhaftiger, nennt einige Probleme.
    » Deutschlands Problem …
    Zwar behält Deutschland seine Platzierung aus dem Vorjahr bei, dennoch reicht es nur für Rang 16 – und damit für das Mittelfeld innerhalb Europas. 2015 lag Deutschland in der Statistik noch auf Platz 12. ….
    Gesetze und staatliche Überwachung schränkten Recherchen sowie Veröffentlichungen geheimer Informationen ein. Zudem verweisen die Reporter auf die wirtschaftliche Krise von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen. Dadurch würden Redaktionen zusammengelegt oder ganz eingestellt werden, was die Medienvielfalt schmälere. Auch die Affäre um das Schmähgedicht von Komiker Jan Böhmermann dürfte die vergleichsweise schlechte Platzierung beeinflusst haben. ROG berichten von einer „Schere im Kopf“ in Bezug auf die Berichterstattung über die Türkei, die Journalisten daran hindere, bestimmte Themen aufzugreifen und kritisch zu berichten. …«
    goo.gl/NLnsln

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