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VDZ: Verleger halten Facebook-Gesetz für eine „Katastrophe“ und Print für „den starken Anker der Branche“

VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer
VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer

Einen Tag nachdem die IVW eine weitgehend rote Auflagenentwicklung für die meisten Magazine kommunizierte, zeichnet der Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) auf seiner Jahrespressekonferenz ein weit positiveres Bild der Branche. Ihr Umsatz ist leicht auf 14,8 Milliarden Euro gestiegen und die Verlage starten weiter fleißig neue Titel. Gar nicht gut zu sprechen sind die Verleger auf die Politik. Für den VDZ ist der Entwurf des so genannten "Facebook-Gesetzes" eine "Katastrophe".

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Besonders viel Freude macht dem VDZ das Segment der Fachpresse. Seit der tiefen Delle durch die Lehman-Pleite im Jahr 2009 würden die auf Fach-Titel spezialisierten Verlage stetig an Umsatz zulegen. Mittlerweile erwirtschafte die Fachpresse rund vier Milliarden Euro. Die gesamte Branche kam 2016 auf einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor lag er noch bei 14,7 Milliarden. Insgesamt würden die Medienhäuser rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigen. Dabei entwickeln sich vor allem das Digitalgeschäft und noch stärker der Mobile-Bereich. So rechnen 74 Prozent aller Verlagsmanager mit steigenden Online-Umsätzen, gefolgt von 52 Prozent im Mobile-Sektor und immerhin 50 Prozent bei Paid Content.

Auch wenn nur 21 Prozent aller Verlage bei den gedruckten Heften im kommenden Jahr ein Umsatzwachstum erwarten, spricht VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer davon, dass Print „weiterhin der starke Anker der Branche“ sei. Mit einem Stopp der Auflagenrückgänge rechnen aber auch die Verleger nicht. Diese gingen in ähnlichem Maß wohl weiter. Trotzdem erwarten die Zeitschriftenverlage 2017 eine „Stabilität im Gesamtumsatz“. Diese kommt überwiegend aus den Zusatzgeschäften und Online.

Zahl der Fachzeitschriften steigt nach VDZ-Angaben auf 4.000 Titel

Auch bleibt es dabei, dass weiterhin neue Titel gegründet werden. Allerdings flache der Boom der vergangenen Jahre etwas ab. Nach Einschätzung von Scherzer eint die meisten Neuheiten, dass sie sich an eine spitze Zielgruppe wenden, eine dementsprechend geringe Auflage haben, gute Ausstattung und hohe Preise. Insgesamt sei die Zahl der Fachzeitschriften fast auf 4.000 Titel gestiegen. So zeige eine aktuelle Umfrage, dass Top-Manager Fachmedien für ihre Entscheidungsfindung nutzen. 81 Prozent seien sogar in den vergangenen zwölf Monaten erst durch Investitionsimpulse aus Fachmedien aktiv geworden.

Nach Einschätzung der Verleger würden die Werbetreibenden die Vorteile der Zeitschriften nicht genügend schätzen. So gebe es beispielsweise bei gedruckten Magazinen keinen Second Screen: „Bezahlter Inhalt und uneingeschränkte Aufmerksamkeit, Zeitschriften haben die härteste Medienwährung, die es gibt.“

Eine harte und klare Meinung hat der VDZ zu dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Den Entwurf von Justizminister Heiko Maas hält Scherzer für eine „Katastrophe“. Immerhin würde ein privates Internet-Unternehmen dazu gezwungen, an Stelle der Strafgerichte über die Grenze der Meinungsfreiheit zu entscheiden. Wenn Facebook unter Androhung teurer Strafen entscheiden müsse, ob ein Inhalt gegen geltendes Recht verstoßen könnte, wird das Unternehmen im Zweifel immer erst einmal löschen. Zudem gelte „wehret den Anfängen. Denn irgendwann wird man diese Regeln auch auf die Presseangebote übertragen.“

Netzwerkdurchsetzungsgesetz: 5-Punkte-Plan im Umgang mit Facebook
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Grundsätzlich sagt der VDZ-Geschäftsführer: „Es kann nicht sein, dass der Staat seine Hoheit auf Rechtsdurchsetzung ruhen lässt, um Facebook, den größten Inhalteraum der Erde, auch zum größten Zensor zu machen“. Weiter wettert Scherzer: „Statt eines unausgegorenen Gesetzes, das vor der Wahl durch den Bundestag getrieben werden soll“, sollten alle Kräfte an der konsequenten Durchsetzung des bereits geltenden Rechtes arbeiten.

Deshalb stellte der Verband einen 5-Punkte-Plan vor:

  1. Geltendes Recht muss umgesetzt werden, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist unnötig.
  2. Bund und Länder müssen die Strafverfolgung so ausstatten und unterstützen, dass sie zügig geltendes Recht in den sozialen Netzwerken durchsetzten können.
  3. Facebook muss eigene Ressourcen aufbauen und 24/7 erreichbar sein, um geltendes Recht nach Aufforderung zeitnah umzusetzen.
  4. Die Bürger müssen aufgeklärt und ermutigt werden, bei strafrechtlich relevanten Tatbeständen die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.
  5. Es geht nicht nur darum, rechtswidrige Veröffentlichungen zu bekämpfen. Umgekehrt muss auch verhindert werden, dass Quasi-Monopolisten wie Facebook nach eigenem Gutdünken bestimmte rechtmäßige Inhalte nicht veröffentlichen. Deshalb müssen solche marktbeherrschende Plattformen allen rechtmäßigen Inhalten diskriminierungsfreien Zugang gewährleisten.

Eine Befragung der VDZ-Mitglieder ergab, dass 82 Prozent der Medienmanager sagen: „Gegen schrumpfendes Medienvertrauen und Fake News helfen keine Regierungsmaßnahmen.“

Zudem sehen sich die Verleger auch in einer heftigen Auseinandersetzung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. So ist der VDZ davon überzeugt, dass die presseähnlichen und kostenlosen Angebote von ARD und ZDF, die Paid-Content-Bemühungen der Privatwirtschaft erheblich erschweren würden.

Der Verband geht davon aus, dass in den kommenden Monaten das Digitalgeschäft um 11,2 Prozent steigt und die Zusatzgeschäfte der Verlage um 7,2 Prozent. Auf der Print-Seite stehen die Zeichen dagegen leicht auf Minus. So rechnet der Verband mit Rückgängen im Vertrieb von 1,6 Prozent und bei den Anzeigen von 1,9 Prozent.

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Alle Kommentare

  1. Ich dachte immer, so jedenfalls unsere tägliche westliche Medien, Zensur gab und gibt es nur in Diktaturen. Wenn Goebbels, Honecker und Co. das gewusst hätten, dass dies auch ohne Mauer geht.

  2. Macht sie platt, die Illusion von Meinungsfreiheit.

    Aufgehängt an einer vermeintlichen Verfolgung von Hate-Speech und Fake-News zielt die Sache doch eher in die Richtung, Klima- Leugner verfolgen zu können, sowie einer notwendigen Liebe zur EU einen rechtlichen Rahmen einzuziehen.

    Wer wagt schon noch darauf hinzuweisen, daß von Anfang an praktisch nichts an der EU demokratischen Anforderungen genügt. Solch ein Hinweis muß irgendwann strafverfolgt werden können.

    BRD: ein Land ohne Schutz seiner Grenzen. Das war Verfassungswidrig, slange wir ein VerfG hatten, welches derartige Klagen anzunehmen bereit war. Ein land ohne Kontrolle über sein Geld. Freigegeben zur Plünderung, allesamt von den Medien nicht einmal mehr thematisiert.

    BRD, eine Art Verwaltungseinheit mit einem Parlament, welches seine Gesetzgebung weitgehend zwangsweise von der EU-Kommission zu übernehmen hat.

    Ich glaube, das Hauptproblem bei uns ist ein Bildungsproblem der Allgemeinheit. Vielleicht auch ein Charakter- Problem.

    Wer keine Bildung hat, hat auch keine sinnvolle Verwendung für Meinungsfreiheit.

    Insoweit: Maas hat durchaus Recht, diesen Kernbereich eines jeden freiheitlichen Staates zu schleifen. VDZ: das alles wißt ihr sehr viel besser als jeder Bürger. Vergießt also keine Krokodilstränen.

    1. Die BRD war nie etas anderes als eine Kolonie der Hochfinanz, deren Schwert „USA“ heißt.

      Seit 1989 haben diese Hintertanen ihre beiden Systeme zusammengelegt:
      US + SU = NWO.

      Das war von Anfang an der Plan, lange vor WWI.

  3. ich mach mir die welt,widiwie sie mir gefällt.

    alle grossen printmedien haben eklatant an auflagezahlen verloren.

    die bild über 10 prozent…

    warum trotzallem,die umsatzzahlen steigen,sollte man fragen warum die „werbekunden“ mehr zahlen,obwohl die lemminge einer nach dem anderen aussteigt.

    ob es die ein oder anderen finanzielle unterstützung „ala soros“ der mainstream manipulation gibt ist anzunehmen.

    nur was nützt das künstliche am leben halten,wenn trotz allem diese spezielle art der berichterstattung,vom bürger verachtet wird?

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