„Pauschal diffamiert“ – der umstrittene Nahost-Experte Michael Lüders wehrt sich gegen Medienvorwürfe

Michael Lüders
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Der Autor Michael Lüders ist als Nahost-Experte vor allem zum Thema Syrien-Krieg ein gerne gebuchter Talkshowgast. Auch deshalb, weil Lüders die Rolle des Westens im Syrien-Krieg sehr kritisch sieht und damit oft eine Art Gegenposition zur herrschenden Meinung vertritt. In jüngerer Zeit häuften sich negative Berichte über Lüders. U.a. in der Bild wurde er als "Fake News Verbreiter" bezeichnet. Nun meldet er sich selbst mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort, die viele Medienberichte über ihn eher schlecht aussehen lassen.

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Michael Lüders veröffentlichte seine ausführliche Stellungnahme auf der Internet-Seite der Deutsch Arabischen Gesellschaft, deren Präsident er ist. Darin nimmt er Bezug auf diverse Medien-Veröffentlichungen der vergangenen Tage. U.a. geht es auch um seinen Auftritt in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ vom 5. April. Lüders behauptete in der Sendung, der türkische Journalist Can Dündar, der in Deutschland im Exil lebt, habe in seiner Zeit als Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet über Giftgaslieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Dschihadisten berichtet. Lüders wollte damit seine Zweifel an der Lesart untermauern, es sei erwiesen, dass das syrische Regime unter Assad verantwortlich für den Giftgasangriffs auf das syrische Chan Scheichun am 4. April ist.

Später zitierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Dündar in der Rubrik „Die lieben Kollegen“ mit den Worten, die Äußerungen von Lüders seien „totaler Unsinn“. Die FAS schrieb weiter, Cumhuriyet habe nur über Waffenlieferungen von türkischer Seite an syrische Rebellengruppen berichtet, nicht aber über Giftgas. Die Meldung, dass Lüders laut Can Dündar bei Lanz „Unsinn“ geredet habe, wurde in deutschen Medien weit verbreitet. Allerdings kam es hierbei gleich auf verschiedenen Seiten zu Missverständnissen und Ungenauigkeiten.

Wie Lüders nun darlegt, hat Cumhuriyet tatsächlich über Giftgaslieferungen der Türkei an syrische Dschihadisten berichtet. Diese Berichte stammten nur nicht aus der Feder von Dündar persönlich. In der Lanz-Sendung hat Lüders entsprechende Berichte Dündar zugeschrieben und nur dies bezeichnete der türkische Journalist als Unsinn. Die FAS stellte es aber so dar, dass die komplette Aussage von Lüders „Unsinn“ gewesen sei.

Vor allem die Bild machte sich diese falsche Sicht zu eigen und schäumte von „Lügen“ und bezeichnete Lüders als „Fake News Verbreiter“. Dass Cumhuriyet tatsächlich über solche Giftgaslieferungen berichtet hat, bestreit Dündar aber gar nicht. Lüders verlinkt in seiner Erklärung auch auf mehrere solcher Artikel. Wie Übermedien.de schreibt, hat Dündar bei dem Anruf der FAS offenbar nur nicht richtig verstanden, was diese von ihm wollte: „Bei der telefonischen Anfrage der FAS habe er nicht genau verstanden, um wen es ging. Er sei nur gefragt worden, ob sein eigener Artikel von Chemiewaffen handelte. Mehr habe die FAS nicht gefragt.“

Das anschließende mediale Bild von dem pro-russischen Nahost-Experten Lüders, der Propaganda Putins in deutschen Talkshows verbreitet, war da allerdings schon etabliert. Lüders geht in seiner Erklärung auch auf seinen Auftritt bei „Anne Will“ am 9. April ein. Bei seiner Einführung erklärte die Moderatorin vorab: „Wir haben Sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahost-Experten vorgestellt, sondern als Autor und als Politik- und Wirtschaftsberater. Sie sind, muss man sagen… ein Geschäftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft, die im Nahen und Mittleren Osten ihre Geschäfte machen wollen. Spielen Ihre wirtschaftlichen Interessen da eine Rolle, wenn Sie sagen oder behaupten, dass es der Westen sei, der Syrien ins Chaos gestürzt hat?“ Wer glaubt dem Mann nach einer solchen Einführung noch? Lüders selbst sagt in seiner Erklärung zu seinen Beratertätigkeiten:

Tatsächlich sind meine Kontakte in die Wirtschaft eher bescheiden. Ich halte im Jahr fünf, sechs öffentliche Vorträge vor Unternehmen oder Fachverbänden, die sich vor allem für meine politische Einordnung der Verhältnisse in der arabisch-islamischen Welt interessieren. Zuletzt habe ich für eine Supermarktkette einen Vortrag über den Syrien-Konflikt gehalten.

Als weitere Medien, die falsch oder diffamierend über ihn berichteten, nennt Lüders Spiegel Online und Welt.de. Spiegel Online habe ihm in den Mund gelegt, „der Chemieangriff von vergangener Woche sei genauso wenig das Werk von Assads Armee gewesen wie der große Sarin-Angriff auf ein halbes Dutzend Vorstädte von Damaskus am 21. August 2013.“ Lüders erklärt, er habe bei dem Angriff von 2013 nur von Wahrscheinlichkeiten gesprochen und in bezüglich dem jüngsten Giftgasangriff erklärt, dass dieser Angriff „allen Parteien zuzutrauen sei“. Die Welt bezeichnete ihn als „munter draufloslabernder Assad-Apologet“.

Das alles bedeutet freilich nicht, dass es nicht zahlreiche Indizien gibt, dass eben doch das Assad-Regime für die Giftgasangriffe verantwortlich ist. Am Beispiel Michael Lüders lassen sich aber einmal mehr drei ganz grundlegende Problematiken im Medienbetrieb festmachen:

1. Herdentrieb

Ja, es gibt ihn immer noch. Sobald die FAS das Dündar-Zitat vom „Unsinn“ missverständlich in die Welt gesetzt hatte und dieses von Agenturen aufgegriffen wurde, war eine herrschende Lesart etabliert, der sehr sehr viele Medien ohne weiteres Nachdenken folgten. Kaum jemand machte sich die Mühe, bei Dündar selbst nachzufragen.

2. Schwarz-Weiß-Malerei

Vor allem bei der Bild gilt offenbar: Man ist entweder gegen Russland/Syrien oder dafür. Raum für Zwischentöne werden kaum zugelassen. Die Berichterstattung wird einer herrschenden These untergeordnet, die dann nicht weiter hinterfragt wird.

3. Wahrscheinlichkeiten vs. Gewissheiten

Allzu häufig werden Wahrscheinlichkeiten mit Gewissheiten gleichgesetzt. Das war so bei der jüngsten US-Präsidentschaftswahl. Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde, wurde mit einer Gewissheit verwechselt. Umso größer war der Kater, als das Wahrscheinliche nicht eintrat und man mit einem US-Präsident Donald Trump aufwachte. Ähnlich ist es auch wieder hier im Fall Lüders: Mit Bezug auf den Giftgasangriff von 2013 sprach Lüders bei „Markus Lanz“ von einer „sehr hohen Wahrscheinlichkeit“, dass nicht das Assad-Regime verantwortlich sei. Inzwischen räumt er ein, dass er besser von einer „gewissen Wahrscheinlichkeit“ gesprochen hätte. Unterschiede in der Rezeption hätten solche Feinheiten wohl nicht gemacht. Wenn Medien „Wahrscheinlichkeit“ hören, meinen sie allzu oft, es mit „Gewissheiten“ zu tun zu haben. Viele Menschen haben Probleme, Wahrscheinlichkeiten korrekt einzuschätzen – das liegt in unserer Natur. Gerade aber die Medien sollten diese verzerrende Wahrnehmung nicht übernehmen oder noch verstärken.

Am Ende seiner Erklärung schreibt Lüders:

Ich halte es für sehr bedenklich für unsere Debattenkultur, wenn über bestimmte Positionen nicht mehr kontrovers diskutiert wird, sondern ihre Vertreter pauschal als „fünfte Kolonne“ Moskaus diffamiert werden. Das ist einer freiheitlichen Demokratie unwürdig.

Hat Michael Lüders nun also recht und die Medien haben eine Diffamierungskampagne gegen ihn angezettelt? Tatsache ist jedenfalls, dass einiges über Lüders und seine Positionen klar falsch bis verzerrende dargestellt wurde. Wie so oft steckt dahinter wohl keine konzertierte Kampagne sondern eine ungute Mixtur aus Missverständnissen und Herdentrieb. Die Ergebnisse solch kollektiver Schlamperei sind von außen betrachtet denen einer Kampagne dann nicht unähnlich. Das bedeutet nicht, dass Lüders in allem recht haben muss, was er behauptet. Leider sieht man an solchen Fallbeispielen aber immer wieder, dass Medien nur sehr bedingt lernfähig sind.

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Alle Kommentare

  1. Wer braucht schon Gleichschaltung, wenn die Premium-Medien schlampig voneinander abschreiben, ohne den geringsten Aufwand zu betreiben, die Hintergründe selbst zu prüfen?

    Ich möchte hier weder den Herrn Lüders einschätzen, noch den Medien eine Kampagne vorwerfen. Ich halte es für viel schlimmer, dass es wahrscheinlich ( 😉 ) eher Schlamperei war. Als Kontrollinstanz taucht so eine journalistische Landschaft jedenfalls nicht.

  2. Sie sollten mal die US-Geheimberichte kennen über unterschiedlichen Giftgase, die in Syrien angewendet werden. Lesen sie mal was Scott Richter darüber berichtet. Herr Michael Lüders liegt richtig.

  3. Sie sollten mal die US-Geheimberichte kennen über unterschiedlichen Giftgase, die in Syrien angewendet werden. Lesen sie mal was Scott Richter darüber berichtet. Herr Michael Lüders liegt richtig.

  4. Dank an Stefan Winterbauer,

    für seine, der Aufklärung dienenden, Analyse. Dass sich Michael Lüders auf Glatteis begab, als er versuchte, angebliche Sicherheiten zu hinterfragen, wusste er wohl. Dass aber so seriöse Kollegen wie die von der FAZ, anstelle der Anregung einer offenen Debatte, die der Zeitung wohl ansteht, zu Mitteln der diffamierenden Berichterstattung griffen, macht mich ratlos. Bei BILD, ja selbst beim SPIEGEL (unserer Tage!), wundert das weniger.
    Wer die Meldungen von gestern (24.05) über Giftgas-Einsatz im (!) belagerten Mossul gelesen hat, wird Vermutungen Michael Lüders‘ Vermutungen eher in den Bereich von Wahrscheinlichkeiten rücken. Giftgas musste nicht vom Assad-Regime verborgen oder gar (neu) erzeugt werden, um in der Region verfügbar zu sein, sind es, nach den letzten Meldungen, nicht Daech, die dieses schrecklichste aller Kampfmittel in Mossul einsetzen? Warum also nicht, vorher auch in Syrien? Auch hier gilt: Aufklärung tut not, nicht aber eine pauschale Verunglimpfung jener wenigen unter deutschen Journalisten, die notwendige Fragen stellen, wie es Michael Lüders bei aller gebotenen Zurückhaltung tut. Enttäuschend in diesem Sinn, ist nicht Michael Lüders, sondern war das Verhalten der FAZ, der es nicht an gut informierten Kollegen (genannt sei hier Rainer Herrmann), mangelt sowie all den Nachplapperern im Medienwald der deutschen Provinz.

  5. Wer die Wahrheit verkündet braucht ein schnelles Pferd….mittlerweile sollte man wissen wie das US Imperium agiert……Menschen werden gemortchelt, aufgehetzt, getötet, gefoltert….für geostrategische Interessen. Es geht nur um Geostrategie…..die Herrschaftsklassen sind völlig dengeneriert….da mache ich kein Unterschied zwischen Moskau, Washington, Brüssel und Pjöngjang….obwohl letzteres eigentlich nur aus bitterer Erfahrung so agressiv antwortet. Schlieslich haben die USA im Koreakrieg an Nordkorea einen Völkermord verübt und 20% der Bevölkerung brutal ausgelöscht.

    Die USA sind das Problem…..sie sind das Imperium….und kontrollieren über Netzwerke ein Grossteil der westlichen Deutungshoheit…..Leute die da ihr Recht auf Presse und Meinungasfreiheit wahr nehmen…stören da genauso wie in der Türkei oder Russland….nur die Methoden mit denen wir Gegner defamieren und diskreditieren sind subtiler.

    Für mich ist 99% der Mainstream Presse reiner Propaganda Schrott!

    (gekürzt wegen unflätiger, pauschaler Beschimpfung. Achten Sie bitte auf die Wortwahl. Red.)

  6. @Thomas:

    Es existieren derzeit noch keine Beweise wer für die Giftgasangriffe von Ghuta verantwortlich ist. Es gibt Indizien und Vermutungen. Deshalb nennt der damalige Chefredakteur des Cumhuriyet, Can Dündar, die Aussagen der damaligen Artikel „Behauptungen“. Alles was noch nicht bewiesen ist ist eine Behauptung.

    Und da Lüders seine Thesen auch als noch nicht bewiesen ansieht, sondern nur als aus seiner Sicht wahrscheinlich geht das so auch in Ordnung.
    Er stützt seine Thesen auch nicht nur auf die Artikel in Cumhuriyet und Seymour Hersh, er hat auch weitere Quellen genannt.

    Der IS ist nicht al-Nusra. Stimmt. Derzeit sind es mehrheitlich die Regimegegener, die in Syrien Giftgas einsetzen, „allen voran die al-Nusra-Front“ (sagt immerhin ein ehemaliger Inspektor der Vereinten Nationen, siehe: http://www.huffingtonpost.de/scott-ritter/trump-syrien-angriff_b_15932060.html )

  7. Lüders hat megarecht: Die Debattenkultur verkommt zusehends. Eine andere Meinung als die der „Bild“ wird kaum noch zugelassen.
    Ich hoffe, Lüders hat genug Rückgrat, weiter so zu argumentieren.
    Die Sendung bei Markus Lanz war jedenfalls erste Sahne.

  8. Wie immer begierig aufgenommen von denen, die zu wissen vorgeben, wer der Böse ist. Aber wenn man einmal im Fall Syrien die allgemeine politische Großwetterlage beiseite lässt und nur für einen kurzen Moment aufhört mit dem USA/Nato/Putin-Bashing (je nach Gusto), bleibt eines festzuhalten:

    Lüders arbeitet äußerst unpräzise.

    Er selbst hat von Hinweisen auf türkische Sarin-Lieferungen gesprochen und sich dabei auf Berichte in Dündars Zeitungen berufen. Welcher Art diese Berichte waren, bleibt offen. Dündar selbst spricht gegenüber „Übermedien“ von „Behauptungen“.

    Nun sind „Behauptungen“ keine zuverlässigen Quellen für Thesen gleichwelcher Art. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Dündar-Redakteure etwas behauptet haben oder ob sie lediglich über Behauptungen berichtet haben. Leider liefern uns dazu weder Meedia noch Übermedien weitere Informationen.

    Um einen Vergleich zu wagen: die unbestrittene Tatsache, daß in Zeitungen über Ufo-Behauptungen berichtet wird, läßt keinen Rückschluß über die tatsächliche Existenz derselben zu.

    Dieses Spiel mit unpräzisen Formulierungen ist offenbar nicht so selten bei Michael Lüders. Man sollte ihm dabei nicht auf den Leim gehen.

    Wenn jemand etwas mit einer „sehr hohen Wahrscheinlichkeit“ behauptet, dann ist das schon etwas mehr als ein „ich weiß es nicht“. Medienschelte ist da völlig fehl am Platze. Lüders hat null Beweise für seine Thesen, er beruft sich auf Sekundärquellen (Hersh), die er selbst nicht verifizieren kann. Mehr noch: Kritik an diesen Quellen, die es ja durchaus gibt, erwähnt er gar nicht erst. Das ist nicht koscher, wenn man ernsthafter Experte sein möchte.

    Vieles in Syrien ist schwierig zu beurteilen. Gut möglich, daß die Türken Gas geliefert haben. Gut möglich ebenso, daß Assad Sarin eingesetzt hat. Bislang für erwiesen halten es internationale Waffen-Kontrolleure, daß sowohl Assad wie auch der IS Giftgas eingesetzt haben. Nun ist der IS nicht al-Nusra, und genau al-Nusra soll – laut Lüders – der Empfänger der türkischen Lieferung sein. Paßt also auch nicht ganz zusammen.

    Spiegel-Online hat heute eine sehr schöne Formulierung verwendet, um Lüders Arbeit zu charakterisieren:

    „Hier kritisiert einer die Schwarz-Weiß-Perspektive der anderen, nimmt ihnen deshalb den Pinsel aus der Hand – um dann selbst mit vertauschten Farben drüberzustreichen.“

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/michael-lueders-der-umstrittene-nahost-experte-im-portraet-a-1143824.html

  9. Gute Analyse, aber Sie haben als vierten (oder eigentlich besser als ersten) Punkt die fehlende Recherche vergessen. Es ist ein absolutes Muss, dass man Meldungen aus anderen Zeitungen nicht einfach dumpf abschreibt, sondern diese nachrecherchiert. Das gehört zur journalistischen Sorgfaltspflicht und wird einem beim Unterlassen im Fall juristischer Auseinandersetzungen um die Ohren gehauen.

    Und die Sorgfaltspflicht liegt hier in erster Linie bei den Agenturen. Die hätten recherchieren müssen und dann schnell festgestellt, dass das Fake News waren, die die FAS da verbreitet hat. Als ich vor vielen Jahren ein Praktikum bei der dpa gemacht hatte, galt noch als Maxime, dass nichts abgeschrieben sondern alles nachrecherchiert wird. Aber die Zeiten ändern sich offenbar …

    Die Medien, die den Agenturbericht übernommen haben, haben meiner Meinung nach aber keinen Fehler gemacht, immerhin gilt das Agenturprivileg (bei dem aktuellen Qualitätssinkflug in den Agenturen sollte man darüber vielleicht auch mal neu nachdenken). Aber spätestens wenn Medien wie die Bild die kleine Meldung zur großen Geschichte aufblasen wollen, sollten sie mal nachrecherchieren, ob die Ursprungsmeldung überhaupt stimmt.

  10. Gut, dass Stefan Winterbauer nicht einfach dem journalistischen Herdentrieb folgt. Und dass er beim ungeprüften Experten-Bashing nicht mitmacht, sofern nur ein Promi betroffen ist. Denn dann ist in unserer eiligen Branche auch unwahrer Stuss noch eine rasche Kracher-Story wert.

    Ich kenne Michael Lüders persönlich als einen der wenigen Arabien-Experten, der sich auch mal logische (!) Zweifel an den aus Syrien kolportierten Fakten erlaubt. Deren Wahrheitsgehalt lebt ja im konkreten Fall eher von der Prominenz (= Provenienz) parteilichen Kolporteure – und nicht von gewissenhafter Reporter-Nachprüfung vor Ort. Weil die meist unmöglich ist.

    Propaganda-Lügen für internationalen Medien gehören längst zum Standard-Arsenal der hybriden Kriegführung – aller Parteien. Die können nämlich auch damit militärisch-politische Vorteile gewinnen. Oder – einfacher ausgedrückt – sie wollen dem Töten der eigenen Bevölkerung ein baldiges Ende bereiten, durch politische Beeinflussung (= Provokation) eines potentiell Verbündeten. Wie Trumps Raketen-Angriff nach dem Giftgas-Massaker. Das kann man ja wohl nachvollziehen!

    Lüders bezweifelt doch nur die absoluten Gewissheiten, mit denen im hybriden Info-Krieg angebliche „Fakten zweifelfrei nachgewiesen“ werden. Verbotene Giftgas-Lager des IS im Zivilgebiet, unbemerkt? Klingt das nicht unglaubwürdig? Oder wäre gerade dort ein Gift-Versteck militärisch durchaus logisch?

    Jede Kriegspartei, die nicht versuchen würde, bei Massakern wie dem Giftgas-„Angriff „(oder „-Unglück“, je nach dem) „glaubwürdig zu lügen“, riskiert militärische (= blutige) Nachteile auf Kosten der eigenen Leute. Alternativ provoziert sie das helfende Eingreifen empörter Verbündeten (Trumps Raketen-Angriff). Wer diese taktische Kriegslist nicht sehen will, hat von hybrider Strategie keine Ahnung.

    Lüders sagt doch faktisch nur: „ich weiß, dass wir nichts wissen.“ Es ist kein Sakrileg, in ungewisser Situation journalistische Zweifel zu säen – bevor daraus eine Verurteilungskampagne wird.
    Wir wissen ja nicht einmal, was wir nicht wissen.

  11. Erschreckend ist der Zwang zur Einheitsmeinung, zur „internationalen Einheitsfront“, zu Einheitsparteien, die sich inhaltlich nicht mehr unterscheiden.

    Sachverstand, Logik oder gar Ethik sind unerwünscht.

    Wer nicht mitmacht, ist „Extremist“ – aber immer nur rechts. Links ist alles gestattet. Individuell darf niemand sein, am allerwenigsten eine Meinung.

    Das beweist: der Geist der SBZ hat die BRD übernommen mit vielen willigen Vollstreckern, die „schon länger in der BRD lebten“. Das hatte ich schon ca. 1995 festgestellt und deshalb alsbald meine Heimat verlassen.

    Pervers und krank! Das hat mit Freiheit und Demokratie nichts mehr zu tun.

    Volle Kraft voraus in den totalen NWO-Faschismus!

    1. Wirklich seltsam, dass einfach niemand darüber redet: Im Zusammenhang mit dem Giftgaseinsatz von 2013 führt Lüders ein Interview mit Obama an, der von seinem Geheimdienstchef gewarnt wurde. Obama hatte Angst in eine Falle zu tappen. Deshalb machte er im letzten Moment den überraschenden Rückzieher, nachdem seine rote Linie überschritten war. Die Warnung der Geheimdienste lässt auch die Seymour-Hearsh-Recherchen in einem anderen Licht erscheinen. Den Diensten müssen demnach entsprechende Hinweise auf eine Operation unter falscher Flagge vorgelegen haben. Bei Anne Will sollte Lüders seine Quelle nicht nennen, als er es tat wurde er zwei Mal jäh unterbrochen. Das Interview mit Obama, auf das sich Lüders bezieht, führte der renommierte US-Journalist Jeffrey Goldberg. Hier die Originalpassage aus dem Text ‚The Obama Doctrine‘:

      „Obama was also unsettled by a surprise visit early in the week from James Clapper, his director of national intelligence, who interrupted the President’s Daily Brief, the threat report Obama receives each morning from Clapper’s analysts, to make clear that the intelligence on Syria’s use of sarin gas, while robust, was not a „slam dunk.“ He chose the term carefully. Clapper, the chief of an intelligence community traumatized by its failures in the run-up to the Iraq War, was not going to overpromise, in the manner of the onetime CIA director George Tenet, who famously guaranteed George W. Bush a „slam dunk“ in Iraq.

      While the Pentagon and the White House’s national-security apparatuses were still moving toward war (John Kerry told me he was expecting a strike the day after his speech), the president had come to believe that he was walking into a trap—one laid both by allies and by adversaries, and by conventional expectations of what an American president is supposed to do.“

      Aus: The Obama Doctrine – The U.S president talks through his hardest decisions about America’s role in the world“ By Jeffrey Goldberg – The Atlantic April 2016

      https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2016/04/the-obama-doctrine/471525/

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