Verdächtige Wette auf Kurssturz der Aktie: Wie die ARD-Börsenredaktion dem BVB-Attentäter auf die Spur kam

Bereits wenige Stunden nach der Tat, berichtet Börse.ARD über ungewöhnliche Börsen-Deals mit BVB-Papieren
Bereits wenige Stunden nach der Tat, berichtet Börse.ARD über ungewöhnliche Börsen-Deals mit BVB-Papieren

Eine alte Ermittler-Wahrheit scheint sich wieder mal zu bewahrheiten: follow the money. Offenbar war es das einzige Ziel des Anschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, den Kurs der BVB-Aktie in den Keller rauschen zu lassen. Zuvor hatte der Tatverdächtige sogenannte Put-Optionen erworben. Mit diesen hätte er im Falle eines Kurssturzes ein Vermögen verdienen können. Während viele Nachrichtennmedien tagelang über einen Terrorakt spekulierten, kam ausgerechnet die ARD-Börsenredaktion dem Täter schon am Tag nach dem Attentat auf die Spur.

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So berichten die Fachjournalisten des unter dem Dach des hessischen Rundfunks in Frankfurt beheimateten Ressorts bereits am 12. April, also wenige Stunden nach der Tat am frühen Abend des 11. April, über „eine kleine Auffälligkeit aus Börsensicht“.

In einem Artikel, dass der Aktienkurs der Fußball-AG dem Anschlag trotzen würde, heißt es unter der Zwischen-Überschrift: Spekulationsversuch mit BVB-Puts:

Es gibt verschiedene Derivate, mit denen auf fallende Kurse der BVB-Aktie gewettet werden kann. Auffällig ist, dass gestern vor dem Zeitpunkt des Anschlags mindestens zwei Put-Optionsscheine im Frankfurter Handel gekauft wurden, die sonst nur an der auf Privatanleger spezialisierten Stuttgarter Handelsplattform Euwax gehandelt werden. Beide Umsätze waren allerdings relativ gering. Leerverkaufspositionen liegen dagegen derzeit nicht vor.

Weiter analysieren die Experten, dass die betroffenen Optionsscheine so sehr „aus dem Geld“ seien und einen derart hohen Spread aufweisen würden, dass der oder die Käufer entweder extrem unerfahren seien oder aber einen extremen Kursabsturz erwartet hätten. „Auch wenn mit dem Kauf auf eine Niederlage des BVB gegen den AS Monaco gewettet wurde, wäre die Chance auf signifikante Kursgewinne mit diesen Papieren sehr gering gewesen.“

So bestätige der Generalbundesanwalt via Pressemitteilung die Recherchen der ARD-Journalisten. Darin heißt es:

Der Beschuldigte erwarb am 11. April 2017 15.000 Verkaufsoptionen (sogenannte Put-Optionen) in Bezug auf die Aktie von Borussia Dortmund. Die Papiere haben eine Laufzeit bis zum 17. Juni 2017. Der Kauf der Optionen erfolgte über die IP-Adresse des Hotels L’Arrivée. Die Optionsscheine finanzierte Sergej. W über einen am 3. April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit.

Damit ist klar: Die Frankfurter ARD-Journalisten hatten bereits wenige Stunden nach der Tat die entscheidende Spur recherchiert. Bei der Attacke auf den Bus ging es nur ums Geld.

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