Spitzenkandidat im Unterhemd: der unkonventionelle Wahlspot von FDP-Chef Christian Lindner

FDP-Chef Christian Lindner, Social Media-Clip der Agentur Heimat: Inszenierung als "moderner Widerstandskämpfer"

Marketing "FDP-Kandidat ungeschminkt: Lindner macht Werbung im Unterhemd" – unter dieser Schlagzeile berichtete die Bild-Zeitung am Donnerstag über den neuen Wahlspot der Berliner Kreativagentur Heimat und konstatierte zugleich: "Dieser Wahlwerbespot ist jetzt schon ein Renner im Netz." Der NRW-Spitzenkandidat der Liberalen und dessen Werber haben den eigenwilligen 86-Sekünder fürs Social Web konzipiert.

von MEEDIA Redaktion

Vom Boulevardblatt gab es für den innovativen Auftritt viel Lob: „Mit flotten Schnitten und moderner Film-Ästhetik in Schwarz-Weiß zeigt der Film der Berliner Agentur Heimat knapp eine Minute Christian Lindner pur, inszeniert ihn nach eigenen Angaben als ‚modernen Widerstandskämpfer‘.“ Auch MEEDIA-Autor Jens Schröder zollt den Werbern der Agentur Heimat und ihrem Protagonisten in seiner täglichen Social Web-Analyse #trending Respekt: „Christian Lindner hat wieder einmal bewiesen, dass er den Wahlkampf im Internet als einer von wenigen Politikern begriffen hat. Sein neuester Wahlwerbespot zielt komplett auf soziale Netzwerke. Er sieht modern aus, ist mit zeitgemäßer Musik unterlegt und bietet Aussagen von Lindner, die sich auch mit Netz-Themen beschäftigen.“

Der Erfolg bei Facebook blieb nicht aus, wie MEEDIA ermittelte: Rund 315.000 Abrufe hat der Clip dort am Tag eins der Veröffentlichung allein bis Mitternacht erzielt. Natürlich ist nicht bekannt, ob Lindner, die Partei oder die Werbeagentur beim Verbreiten des Postings monetär nachgeholfen haben – was ja auch legitim wäre – doch auch die Zahl der Likes und Shares ist recht eindrucksvoll. 8.500 Interaktionen kamen zusammen, kein Facebook-Post eines deutschen Politikers oder einer deutschen Partei war am Donnerstag erfolgreicher. Sein Teilen des Bild-Artikels zum Spot („Lindner macht Wahlkampf im Unterhemd„) holte noch einmal 6.000 Likes & Co.

Der Spot mit dem suggestiven Einstiegssatz „Haben Sie mal as gemacht, von dem Sie überzeugt waren, dass es richtig ist?“ thematisiert kritische Sprüche, die der Politiker schon zu hören bekommen hat. Und er endet mit einer Art Jetzt-erst-recht-Bemerkung: „Du hast das alles vorher gewusst und trotzdem gemacht, weil es um etwas geht“, nämlich „unser Land“. Ein Personality-Spot, der die Marke Christian Lindner ganz in den Mittelpunkt stellt und auf eine in der Polit-Kommunikation ungewohnte Doppelbödigkeit setzt und authentisch wirken will. Ob der unkonventionelle Clip auch Wählerstimmen holen kann, wird sich zeigen müssen. Bislang liegt die FDP vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in drei Wochen aktuellen Umfragen zufolge bei neun bis elf Prozent.

Schon gelesen?