Überfrachteter RTL-Eventfilm um Gaby Köster-Biographie: Ein Schicksalsschlag ist nicht genug

Anna Schudt spielt Gaby Köster in „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ (RTL, 14.4., 20.15 Uhr).
Anna Schudt spielt Gaby Köster in "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" (RTL, 14.4., 20.15 Uhr).

Im Jahr 2008 hat ein Schlaganfall das Leben von Gaby Köster radikal umgekrempelt. Ihren Schicksalsschlag, den sie in dem Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" aufarbeitet, hat RTL nun in einer Tragikomödie (14.4., RTL, 20.15 Uhr) verfilmt. Der Fernsehfilm zwischen Realität und Fiktion ist beeindruckend und beklemmend – aber auch streckenweise mit dem Humor-Holzhammer inszeniert.

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Als Gaby Köster im Jahr 2008 einen Schlaganfall erleidet, verschwindet die Komikerin aus Köln von der Bildfläche. Ihre Stand-Up-Tour wird abgesagt, es werden keine Informationen an die Presse herausgegeben, die Boulevardblätter überschlagen sich mit halbgaren Mutmaßungen – sogar über ihren Tod wird spekuliert. „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ betitelt Köster ihre Memoiren übeer den Schicksalsschlag, die 2011 erscheinen. Selbstironisch, „eben 100% Gaby Köster“, wie es in der Buchbeschreibung des Spiegel-Bestsellers heißt.

RTL hat dieses Buch nun mit Zeitsprung Pictures verfilmt. Und sich damit einer Mammutaufgabe gestellt. Zum einen, weil eben jene Geschichte schon erzählt wurde – man weiß, dass Gaby Köster 2011 auf die Bildfläche zurückgekehrt ist. Zum anderen, weil ein „Kölsches Original“, so aufbrausend und unverwechselbar mindestens kompliziert zu besetzen sein wird. Beides ist dem Biopic mit Anna Schudt als Gaby Köster, als Tragikomödie erzählt, mal mehr und mal weniger gelungen.

Zu Beginn rollt der Fernsehfilm Kösters Karriere im Schnelldurchlauf auf. Es werden reale Szenen aus Show-Auftritten gezeigt, aus ihrer Paraderolle als Kassiererin in „Ritas Welt“ – im Prinzip sämtliche Drehkreuze, die Köster in der Medienwelt (und vorzugsweise bei Heimatsender RTL) genommen hat. Der daraus resultierende Stress, die unzähligen Zigaretten und ersten Lähmungserscheinungen führen in die fiktionale Erzählung der Geschichte – zum Schlaganfall, dem Rettungswagen, in die Notaufnahme. Und damit zu Anna Schudt, der Dortmunder „Tatort“-Kommissarin, die eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu Köster aufweist. „Tja, Freunde des geliebten Sonntagsausflugs“, sagt Schudt aus dem Off in Kösters typisch-kölschem Singsang, „ich lebte ein Leben auf der Überholspur. Und manchmal habe ich mich dabei selbst überholt.“

Die „Fremdsprache“, so Schudt in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur, habe sie sich durch einen Binge-Watch-Marathon von Kösters Comedy-Programmen antrainiert. Überhaupt ist Schudts Verwandlung beeindruckend und ihr Spiel intensiv, kommt aber erst voll zur Geltung, als „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ die resignierende Köster verhandelt. Es schmerzt, Schudt beziehungsweise Köster bei ihren ersten Gehversuchen im Krankenhaus zu sehen. Wie sie anfangs scheitert, daran verzweifelt und schließlich aufgibt. Überhaupt schreckt die RTL-Verfilmung nicht davor zurück, Köster während der Reha-Phase auch als ungemütliche und ungewohnt unsympathische Person zu zeigen. Das ist neu, das ist interessant.

Umso bedauernswerter sind die überzeichneten Charaktere, die durch abgehangene Klischees wohl für eine auflockernde Note oder für Abwechslung in der Tragikomödie sorgen sollen. Da ist der obligatorisch-eklige Klinik-Chef, dem gute PR wichtiger ist als das Wohl seiner Patienten. Oder die unliebsame Klatschpresse, die für das perfekte Foto wahrlich über Leichen gehen würde. Diese gibt es und hat es auch im Fall Köster gegeben – nur lässt es der RTL-Film leider so stehen, ohne die moralischen Abgründe im Film zu brüskieren. Geschenkt. Einzig Physiotherapeutin Jacky (Jasmin Schwiers, u.a. „Männerhort“), die als Wegbegleiterin und Freundin Kösters eine tragende Rolle spielt, weiß in dem Wirrwarr noch mit ihrer grundsympathischen Aura zu überzeugen. Obwohl auch ihre Geschichte, eine etwas demonstrativ daherkommender Nebenhandlung des Films, ausgefallener hätte sein können. Kurz: Jacky ist überkorrekt und herzlich, ihr Mann aber ein arbeitsloser Faulsack, Jacky nimmt Nebenjobs an, nicht nur ihre Ehe sondern auch der gemeinsame Sohn bleibt auf der Strecke. Dieser Handlungsstrang wäre nicht zwingend notwendig gewesen.

Insgesamt haben Regisseurin Julia von Heinz (u.a. „Ich bin dann mal weg“) und Drehbuchautor Gerd Lurz (u.a. „Verbotene Liebe“) aber ein sehenswertes Biopic inszeniert, das mit einer starken Anna Schudt und der bewegenden weil authentischen Wiederauferstehung von Gaby Köster überzeugen kann. Zwar hätte sich „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ in mancherlei Hinsicht mehr trauen können – mehr Drama, weniger Klamauk – doch sind es auch gerade Szenen wie der verstrahlte Krankenhaus-Besuch von Hella von Sinnen (gespielt von sich selbst), die für herzhaftes Schmunzeln sorgen. Leichtfüßige, vielleicht manchmal fahrlässige, Unterhaltung, die aber hervorragend ins Karfreitag-Programm passen dürfte.

Zumal die Geschichte noch nicht auserzählt zu sein scheint. Köster hat sich zurück ins Leben gekämpft, sitzt in der Jury der RTL-Show „Die Puppenstars“. Am vergangenen Mittwoch war Gaby Köster bei „stern TV“ zu Gast, also in jener Sendung, in dem sie auch im September 2011 ihr Comeback in die Öffentlichkeit begangen hat. Auch neun Jahre später ist sie körperlich zwar noch eingeschränkt, das Laufen fällt ihr noch schwer und die linke Körperhälfte ist nach wie vor teilweise gelähmt, doch davon lässt sie sich offenbar nicht unterkriegen. Auf die Frage, ob ihre durch den Schlaganfall unterbrochene Tournee vielleicht irgendwann fortgesetzt wird, sagte Köster: „Ja klar – das ist für mich eine Option. Denn das ist mein Beruf.“

„Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ wird am Karfreitag, 14. April, 20.15 Uhr bei RTL, ausgestrahlt.

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