„Kulturelle Übersetzungsarbeit“ für umstrittenen Fahrdienst: Kai Diekmann steigt bei Uber als Berater ein

Gut zwei Monate nach dem Abschied von Bild und Springer der erste neue (Neben-)Job: Kai Diekmann
Gut zwei Monate nach dem Abschied von Bild und Springer der erste neue (Neben-)Job: Kai Diekmann

Der langjährige Chefredakteur und ehemalige Bild-Herausgeber Kai Diekmann wird Berater beim Fahrdienst-Vermittler Uber. Als Mitglied im "Public Policy Advisory Board" soll er künftig beim US-Unternehmen Ratgeber in politischen Fragen sein. Ein Uber-Sprecher bestätigte die Personalie, über die am Freitag Der Spiegel in einer Vorabmeldung sowie das Online-Magazin t3n.de berichtet hatten.

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Er betonte, die Mitglieder des Gremiums betrieben keine Lobby-Arbeit, sondern stünden Uber als „interner Feedback-Kanal“ für politische Fragestellungen zur Verfügung. Sie kämen einmal jährlich zu einer Sitzung in San Francisco zusammen. Die Runde reicht vom früheren US-Verkehrsminister Ray LaHood bis zur ehemaligen EU-Kommissarin Neelie Kroes. Ob die neue Tätigkeit des Langzeit-Chefredakteurs der Bild-Zeitung mehr sein wird als ein Nebenjob, wird sich erst noch herausstellen müssen. Gegen ihn ermittelt seit Monaten die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen der Beschuldigungen einer früheren Mitarbeiterin – ob es in dieser Sache zu einer Anklageerhebung kommt oder das Verfahren eingestellt wird, ist noch nicht bekannt.

Uber geriet zuletzt in den Mittelpunkt mehrerer Kontroversen. Eine ehemalige Software-Entwicklerin beschrieb in einem Blogeintrag eine Unternehmenskultur, die von Frauen-Diskriminierung geprägt sei. Außerdem wirft die Google-Schwesterfirma Waymo Uber in einer Klage den Einsatz von Technologie für selbstfahrende Autos vor, die ein ehemaliger führender Mitarbeiter gestohlen habe. In Europa ist das Angebot des Taxikonkurrenten, bei dem die Vermittlung direkt zwischen Kunden und Fahrer stattfindet, teilweise oder ganz verboten worden. Zudem hatte es Sexismus-Vorwürfe gegen das Unternehmen gegeben. Uber-Chef Travis Kalanick hatte darüberhinaus seinen Posten im Wirtschaftsrat des US-Präsidenten Donald Trump abgegeben, nachdem sein Fahrdienst als „Streikbrecher“ bei Protestaktionen anderer Taxi-Unternehmer gegen die Einwanderungspolitik Trumps massiv in die Kritik geraten war.

Investoren, die ihr Geld in den mit über 60 Milliarden Dollar bewerteten Fahrdienst-Vermittler gesteckt haben, machen diese Turbulenzen genauso Sorgen wie die fortlaufenden Milliardenverluste. Diekmann war zuletzt mit einer Reihe von Uber-freundlichen Postings bei Twitter aufgefallen. Wie t3n berichtet, hat Uber nach einer Reihe von Gerichtsniederlagen seine Strategie geändert und betreibt nun bereits seit mehreren Jahren eine Lobbyarbeit hinter den Kulissen, um das Personenbeförderungsegesetz zu ändern – statt bestehende Gesetze einfach wie zuvor zu ignorieren.

Diekmanns Aufgabe, so t3n weiter, bestehe in einer „kulturellen Übersetzungsarbeit“ zwischen der Silicon-Valley-Firma und Europa. Eine aktive Lobbyarbeit bei Politikern sei ausdrücklich nicht Bestandteil seines Tätigkeitsfeldes. Diese etwas ungewöhnliche Einschränkung könnte durchaus mit dem Auflösungsvertrag zusammenhängen, den Diekmann mit seinem früheren Arbeitgeber Axel Springer geschlossen hat. Das Medienhaus hatte der 52-Jährige Ende Januar 2017 verlassen. Dem Vernehmen nach soll in diesem Zuge auch ein weitreichender Konkurrenzausschluss vereinbart worden sein.

Lässt man ein sich hieraus potenziell ergebendes Handicap außer Acht, so wäre Diekmann aufgrund seines hochkarätigen politischen Netzwerks für Uber sicher ein idealer Strippenzieher hinter den Kulissen. Der Fahrdienst braucht nach dem raubeinigen Auftreten seiner Führungskräfte in der Vergangenheit dringend ein besseres Image, um auf die zum Deutschland-Start notwendigen juristischen Rahmenbedingungen hoffen zu können.

 

Mit Material von der dpa

 

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