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Ey, Alter! Wie die Vox-Show „The Story of my Life“ Boris Becker zum 89-Jährigen macht

In der Vox-Show „The Story of my Life“ sehen Boris und Lilly Becker mächtig alt aus
In der Vox-Show "The Story of my Life" sehen Boris und Lilly Becker mächtig alt aus

In der neuen Vox-Show "The Story of my Life" (ab 11.4., 20.15 Uhr) werden sechs prominente Paare mit dem Versprechen konfrontiert, miteinander alt zu werden und von "versierten Maskenbildnern", so der Sender, um Jahrzehnte älter geschminkt. Das Konzept sieht Altersweisheiten aus der Glaskugel vor und ist merklich konstruiert – aber zweifellos spannend. Allerdings könnten die Protagonisten der Show zu einem Problem werden.

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Eigentlich hat Vox ein Luxusproblem. Ob „Die Höhle der Löwen“, „Sing meinen Song“ oder „Ewige Helden“ – der Show-Dienstag des Privatsenders strotzt vor Zuschauermagneten. Scheinbar nicht genug für die erfolgsverwöhnten Kölner: Mit „The Story of my Life“ soll (ab 11.4., dienstags, 20.15 Uhr) das nächste große Ding im Show-Programm starten. Zumindest in der Theorie: Das neue Talk-Format ist mindestens konstruiert, aber auf jeden Fall ambitioniert.

„The Story of my Life“ geht so: Sechs Promi-Paare werden mit dem Versprechen konfrontiert, miteinander alt zu werden und von „versierten Maskenbildnern“, so der Sender, um Jahrzehnte älter geschminkt. Das ist bei einem durchtrainierten Olympia-Sieger wie Fabian Hambüchen sicherlich aufschlussreich, bei einer 20-jährigen Nathalie Volk mindestens interessant und bei ihrem Gatten und Showältesten Frank Otto eventuell egal. „Wir haben tolle Paare, jede Sendung hat eine eigene Stimmung und ein eigenes Thema.“, so Vox-Chefredakteur und -Unterhaltgunschef Kai Sturm im Interview mit MEEDIA. Die Idee stammt von John de Mols Produktionsfirma Talpa, die in den Niederlanden noch an einer eigenen Staffel schnitzt – das Format feiert in Deutschland Premiere.

So oder so: Altersweise sehen die Kandidaten eigentlich nur aus. Dementsprechend oberflächlich müssen die Fragen daherkommen, die bei dem „spannenden Experiment“ zu klären sind: „Haben die beiden Liebenden nun – angesichts ihres Alters – einen anderen Blick auf ihre kommende Zeit?“ und „Wie und wer werden sie wohl sein und was ist ihnen wirklich wichtig, wenn sie jetzt an später denken?“, heißt es in einer Ankündigung.

In der Auftaktfolge sollen es der herbstblonde Boris Becker (49) und Lilly Becker (40) herausfinden. Er: Tennis-Ikone, Klatschspalten-Liebling, Lebemann. Sie: Model, Mutter eines seiner vier Kinder und von Boris im Jahr 2009 bei „Wetten, dass..?“ vom Fleck weg geheiratet. Ja, dieses Duo steht für Unterhaltung. Bereits im Q&A zum Warmwerden mit Moderatorin Désirée Nosbusch plaudert Boris aus dem Nähkästchen, schwärmt von der blauen Jeans, die Lilly bei ihrem ersten Aufeinandertreffen getragen hat („Passt die dir noch? Warum nicht?“) – Lilly kontert mit einer Anekdote von ihrem ersten Date, bei dem Boris Becker einen Tee trinken wollte („Wer trinkt Tee, in Miami?!“).

Das ist alles sehr amüsant, stand aber zum Teil bereits vor acht Jahren in der Bild-Zeitung. Wirklich interessant wird das Format erst mit der Transformation seiner Protagonisten. Im ersten Schritt werden Boris und Lilly Becker um 20 Jahre älter geschminkt, nach einer kurzen Bestandsaufnahme und Fragerunde nochmals um 20 Jahre. Der Alterungsprozess in der Maske wird nicht gezeigt. Dafür der unbezahlbare Moment des ersten (und zweiten) Aufeinandertreffen: Es werden Tränen vergossen („Du bist so alt!“), es wird gelacht („Du siehst nichts mehr und hörst nichts mehr – Du wirst mir richtig sympathisch!“) und sogar gemeckert („Leg Dir die Haare nicht so, wenn Du alt bist!“ – „Warum denn nicht?!“). Dieser Moment, der erste Blick in den Spiegel und die Reaktion, macht zweifellos den großen Reiz von „The Story of my Life“ aus. Streckenweise anstrengend ist allerdings das Interview. Bedeutungsschwangere Fragen („Bist Du glücklich?“) zielen offensichtlich auf die Extraträne, die noch vergossen werden könnte – dabei ist das Format an und für sich emotional genug. Hingegen spannend sind die Zukunftsprognosen der Protagonisten, wo sie und ihre Kinder in 40 Jahren stehen werden.

„The Story of my Life“ ist eigentlich derart verkopft und dabei so geradlinig, dass es schon wieder einen Sinn ergibt. Das fängt bei der ungewöhnlichen Show-Idee an und hört bei der Titelmelodie für Dumpfbacken, „The Story of my Life“ von One Direction, auf. Doch könnte gerade diese ungewöhnliche Mischung den Erfolg ausmachen: Werden auf der einen Seite ungemütliche Themen wie das Ableben des Partners und schwindendes Glück verhandelt, authentisch aber doch nur oberflächlich durch die Maskenarbeit, wird auf der anderen Seite über Inkontinenz gelacht und über die älter werdenden Kinder gelächelt.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob das Format auch mit einem Paar funktioniert, das weniger unterhaltsam als die Beckers ist. Zwar werden sich nicht nur „Shopping Queen“-Fans auf den grundsympathischen Guido Maria Kretschmer freuen, doch könnte eine Nathalie Volk – der bereits seit „Germany’s Next Topmodel“ im Jahr 2014 das Image anlastet, eine Zicke zu sein – für weniger Zuschauerinteresse sorgen. Nicht zuletzt geht es in „The Story of my Life“ um Empathie, selbst wenn sie teilweise dem eigenen Ich in 40 Jahren verschrieben ist.

„The Story of my Life“ startet am Dienstag, 11. April, 20.15 Uhr bei Vox

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