Neuer Schlag für Oliver Samwer: Versandhaus-König Otto zweifelt an Glaubwürdigkeit des Rocket-Chefs

Oliver Samwer (li.) und Michael Otto
Oliver Samwer (li.) und Michael Otto

Der Nimbus von Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet, wankt weiter. Erst kappt der schwedische Finanzinvestor Kinnevik seine Beteiligung an der deutschen Internet-Holding radikal um die Hälfte und entzieht ihm damit geschäftlich sein Vertrauen, jetzt versetzt der Hamburger Versandhaus-König Michael Otto dem einstigen Web-Emporkömmling einen herben Schlag. Er kratzt an seiner Glaubwürdigkeit.

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Es ist ein Desaster für den Ruf von Oliver Samwer als Web-Legende. Ende Februar verkauft der schwedische Finanzinvestor Kinnevik überraschend die Hälfte seiner Beteiligung an der deutschen Internet-Holding Rocket Internet. Entsetzt wenden sich die Anleger von der börsennotierten Webschmiede aus Berlin ab. Die Folge: Der Aktienkurs von Rocket Internet verliert massiv an Wert.

Jetzt versetzt der Hamburger Versandhaus-König Michael Otto dem Rocket Internet-Chef einen weiteren herben Schlag. Er belastet das Image des einst hochgelobten Web-Inkubators schwer. „Anfangs empfand ich Rocket durchaus als Segen, weil er den Boden bereitet hat. Mittlerweile sehe ich die Performance der Firma als eher belastend“, erklärt der 73-Jährige in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Es wurden viele Versprechen gegeben, die nicht gehalten wurden. Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit geworden – und das färbt leider auf die gesamte Szene ab“, betont der Versandhändler. Er hatte in den vergangenen Jahren das E-Commerce in dem von seinem Vater Werner Otto gegründeten Unternehmen ausgebaut und damit das Wachstum der Gruppe deutlich vorangetrieben.

Der Otto-Konzern war schon in der Vergangenheit auf die Samwer-Brüder nicht gut zu sprechen. Der Kommunikationschef der Versandhaus-Gruppe, Thomas Voigt, hatte kurz vor dem Börsengang von Rocket Internet vor drei Jahren das geschickte Spiel des Firmeninhabers mit den Medien heftig kritisiert. In diversen Wirtschaftsberichten sei Oliver Samwer nach seiner Meinung „unfreiwillig als Revolutionär des internationalen Einzelhandels, der den alten Knaben Mores lehrt“ dargestellt worden. Zu Unrecht, rügte damals der Otto-Kommunikationschef: Es gebe neben Karstadt bereits seit zwei Jahrzehnten „einen blühenden und ziemlich dicht besetzten E-Commerce-Markt“, betonte Voigt.

Zudem, so hieß es in einem Bericht bei Handelsblatt Online weiter, werde die Marktmacht von Rocket Internet in vielen Medien falsch eingeschätzt. Samwer wurde in der Vergangenheit unter anderem mit dem Amazon-Gründer Jeff Bezos, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dem mittelständischen deutschen Unternehmer Reinhold Würth verglichen. In den Medien sei aber „[k]eine Rede von der enormen Schlagkraft Amazons, keine Rede von den überschaubaren Marktanteilen, die Rocket auf dem Mode- und gar auf dem Möbel-Onlinemarkt hat, kein Wort von den notwendigerweise erkauften tariflosen Bedingungen, unter dem die aufstrebenden Online-Pures agieren“, mahnte der Otto-Kommunikationschef damals.

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