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„Persönliche Gründe“: Twitter-Mitgründer Ev Williams verkauft Anteile im Wert von 180 Millionen Dollar nahe der Allzeittiefs

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Es bleibt weiter bitter bei Twitter: Nach den schwachen Quartalszahlen und den gescheiterten Übernahmehoffnungen taucht die Twitter-Aktie immer tiefer an der Wall Street ab. Bis auf wenige Cent hat sich der kriselnde 140-Zeichen-Dienst inzwischen sogar wieder den Allzeittiefs vom vergangenen Jahr genähert. Auch Mitgründer Ev Williams, der 2010 ruppig aus dem Unternehmen gedrängt wurde, scheint inzwischen die Hoffnung an seinem Twitter-Investment zu verlieren: Trotz des ermäßigten Niveaus veräußert der heutige Betreiber von Medium 30 Prozent seiner Anteile zu Tiefstkursen.

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Es gibt diese explizite Beschreibung in der Twitter-Biografie von Nick Bilton über die rauen ersten Jahre des 140-Zeichen-Dienstes: Als Mitgründer Ev Williams, der Twitter von 2008 bis 2010 als CEO führte, zum Rücktritt gedrängt wurde, habe dieser buchstäblich vor Verkündung der Personalie „in den Mülleimer gekotzt“.

Kaum anders dürfte es Twitter-Aktionären beim täglichen Blick auf ihre Anteilsscheine gehen: Twitter ist Kursgift pur. Seit den Höchstkursen kurz nach dem Börsengang 2013 sind die Anteilsscheine des Kurznachrichtendienstes im Sturzflug von Kursen über 70 Dollar auf nunmehr 14 Dollar abgestürzt – nach einem Kurssturz von 80 Prozent wurden mehr als 40 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet.

Und trotzdem scheinen die aktuellen Notierungen, die nur wenige Cent von den Allzeittiefs des vergangenen Frühjahrs entfernt sind, keine schlechten Kurse zum Verkauf zu sein, wenn man die Ankündigung des Mitgründers Ev Williams zugrunde legt, der heute den Verkauf von gleich 30 Prozent seiner Anteile binnen eines Jahres ankündigte.

„Es schmerzt mich tatsächlich, auf diesem Niveau zu verkaufen“

Williams versuchte seinen Verkauf diplomatisch zu verpacken. „Nach eineinhalb Jahren ohne Verkäufe habe ich einen Verkaufsplan ausgearbeitet, um einen Minoritätsanteil meiner Twitter-Aktien zu liquidieren“, schreibt Williams auf seiner Bloggingplattform Medium, die der heute 45-Jährige inzwischen betreibt.

„Dieser Plan greift seit Montag. Es schmerzt mich tatsächlich, auf diesem Niveau zu verkaufen, aber beim Verkauf geht es um persönliche, nicht um unternehmerische Gründe“, so der frühere Google-Manager.

„Was ist der ‚persönliche Grund‘ für jemanden, der Aktien im Wert von 100 Millionen verkauft?“

Doch Fondsmanager Eric Jackson entlarvte den typischen PR-Sprech in schonungslosester Form: „Was genau ist der ‚persönliche Grund‘ für jemanden, der Aktien im Wert von 100  Millionen Dollar verkauft?“, twitterte Jackson. Tatsächlich sind 30 Prozent von Williams 6-Prozent-Anteil an Twitter sogar über 180 Millionen Dollar wert, wie das Finanzportal Marketwatch vorrechnet.

Die Börse zog ihre ganz eigenen Schlüsse aus dem Verkauf und schickte die Twitter-Aktie weiter nach unten auf nur noch 14,39 Dollar. Das Allzeittief, aufgestellt im vergangenen April, liegt bei 13,73 Dollar.

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