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„Sträter Bender Streberg“: Zwei Komiker und ein Autor machen den unterhaltsamsten Podcast Deutschlands

Die Herren Sträter, Bender und Streberg in Aktion
Die Herren Sträter, Bender und Streberg in Aktion

Es geht um Filme und Serien, um Comics und Hörspiele, aber vor allem haben hier das Spartenwissen, die Lust an der Sprache und der Irrsinn ein Zuhause: „Sträter Bender Streberg“, Untertitel „Lutsch mich rund und nenn mich Bärbel“ ist ein Monster von einem Podcast und lässt in den Comedians Torsten Sträter und Hennes Bender Qualitäten zum Vorschein kommen, die man ihnen nie zugetraut hätte.

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Von Hendrik Steinkuhl

Seine Meinung in nur wenigen Worten zusammenfassen zu können, und das so pointiert, dass jedes Gegenargument nach Hilflosigkeit klänge, ist eine Fähigkeit, die nur wenigen gegeben ist. Zu den Auserwählten gehört ohne Zweifel Torsten Sträter. Auf die Aussage seines Podcast-Kollegen Hennes Bender, die Mutanten im letzten Teil der „Die Tribute von Panem“-Reihe sähen gut aus, antwortet Sträter: „Die Mutanten sahen aber aus wie alle Mutanten: viele Zähne, kein Gesicht. Originell geht anders.“ Ein Satz, eine Vernichtung. Und was hält Sträter eigentlich von Reese Witherspoon? „Die hat ein Gesicht, das kenne ich sehr gut aus der Gastro, wenn es nach einem Auftritt um 22 Uhr heißt: ‚Tut mir leid, aber wir haben die Kaffeemaschine schon gereinigt.“ Wer schon einmal gewürgt hat, wenn Steven Gätjen bei der Oscar-Verleihung am Roten Teppich den Hollywoodstars wie ein liebeskranker Pfau hinterherbalzt, der bekommt in „Sträter Bender Streberg“ von dem Mann mit der Mütze das Gegengift.

Seit knapp drei Jahren gibt es den Podcast mit dem Untertitel „Lutsch mich rund und nenn mich Bärbel“, und wenn man wie der Autor dieses Textes alle 32 Folgen hintereinander weggessoffen hat, gebietet es der Anstand, ein ehrliches Urteil abzulegen: Verdammt, ist das gut. Im Zentrum des Irrsinns steht Hennes Bender, dessen Stand-Ups ja kaum zu ertragen sind; neben Leuten wie Ralf Schmitz oder Olaf Schubert ist er das Gesicht der deutschen Comedy-Hölle, der personifizierte Fun-Freitag. Auch Benders Talkshow-Auftritte machen nicht Spaß, sondern Angst. Das Bochumer Rumpelstilzchen dreht gerne mal am Rad und regt sich mit hochtönender Stimme und einem Sprechtempo jenseits der Verständlichkeitsgrenze über Nichtigkeiten auf. In „Sträter Bender Streberg“ ist es nicht anders – aber plötzlich unterhaltsam.

Denn hier bekommen Benders Egozentrik und Impulskontrollstörung eine erhebliche Legitimation dadurch, dass dieser Mann einfach so unfassbar viel weiß. Hennes Bender kennt offenbar nicht nur sämtliche Darsteller aller relevanten Hollywoodfilme seit etwa 1970, er kennt auch noch deren deutsche Synchronsprecher. Torsten Sträter weiß über all das weniger, aber immer noch viel mehr als jeder normale Filmkenner, und so diskutieren beide auf einem Kompetenzniveau und in einem Tempo, das einen hellauf begeistert sein lässt, wenn man sich denn durch solcherlei Geistesgymnastik begeistern lassen kann.

Der Dritte am Tisch ist Gerry Streberg, Drehbuch- und Hörspielautor, „Spoiler-Boy“ und Lieferant der schönsten, unfreiwilligen Pointen. In einer der ersten Folgen berichtete Streberg davon, dass er mal aus dem Bochumer Bali-Kino rausgeflogen sei, weil er bei einer Vorstellung von „Dawn of the Dead“ eine warme Fleischwurst gegessen habe. Die warme Fleischwurst ist seitdem, natürlich, ein Running Gag, und zwar einer von diesen Running Gags, über die man sich auch tatsächlich noch beim zwanzigsten Mal kaputtlachen kann.

Von den beiden aufgedrehten Komikern neben ihm, vor allem von Bender, bekommt Gerry Streber ständig auf den Deckel – weil er spoilert, weil er „einzigster“ statt „einziger“ sagt, oder weil er über „Birdman“ feststellt: „Das Ende lädt zu Diskussionen ein.“ Phrasen und sprachliche Fehler werden von Sträter und Bender nicht geduldet, wer etwas falsch macht oder ausgelutschte Wendungen benutzt, kriegt sofort einen vor den Latz. Den Bewohnern des Ruhrgebietes wird ja gemeinhin nachgesagt, eine sehr unmittelbare und unverblümte Sprache zu sprechen, wofür sie in weiten Teilen Deutschlands gemocht werden. Dass diese Kategorisierung keine längst vergangene Folklore ist, sondern absolut zutrifft, zeigt „Sträter Bender Streberg“ aufs Schönste. „Du kackst dich zu“, „Scheiß die Wand an“ oder „Das geht mir richtig auf die Fackel“ – Bender und vor allem Sträter mischen ein fehlerfreies und oft elaboriertes Deutsch mit den prächtigsten Kraftausdrücken, die der Pott zu bieten hat.

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Selbst wer sich nicht für Filme, Comics und all die anderen in „Sträter Bender Streberg“ verhandelten Popkultur-Themen interessiert, kann seinen Spaß daran haben, wie hier Sprache verwendet wird, in welchem Tempo, in welcher Eleganz, Präzision und Albernheit, denn die Herren nutzen jede, aber auch wirklich jede Chance zu einem Wortspiel. Und es ist auch die besondere Interaktion, das oft im Besten Sinne theatralisch ausagierte Verhältnis zwischen dem überdrehten Bender, dem wirklich coolen Sträter und dem ursympathischen Streberg, welches aus diesem Podcast etwas wirklich Besonderes macht.

Wer „Sträter Bender Streberg“ nicht hört respektive sieht, denn das Ganze gibt es auch abgefilmt auf Youtube, der verpasst eine der derzeit schönsten Möglichkeiten der anspruchsvollen audiovisuellen Zerstreuung.

Und ein Text über diesen Podcast muss mit Gerry Strebergs Schlussformel enden, die den in diesem Format verbreiteten herrlichen Blödsinn in vier Worte gießt:

Alles Gute, auch beruflich.

Hier kann man den Podcast „Sträter Bender Streberg“ abonnieren.

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