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Warum die Zoff-Debatte zur TV-Doku „Nervöse Republik“ der bessere Anne Will-Talk war

Podiums-Diskussion um TV-Doku „Nervöse Republik“ mit Anne Will (re.). Katarina Barley zu Frauke Petry: „Sich wie ein bockiges Kind hinzustellen und zu sagen: ich lade die nicht mehr zu meinem Kindergeburtstag ein, ist nicht die Rolle, die Politik und Medien einnehmen sollten“
Podiums-Diskussion um TV-Doku "Nervöse Republik" mit Anne Will (re.). Katarina Barley zu Frauke Petry: "Sich wie ein bockiges Kind hinzustellen und zu sagen: ich lade die nicht mehr zu meinem Kindergeburtstag ein, ist nicht die Rolle, die Politik und Medien einnehmen sollten“

Nach gut 40 Minuten war es soweit. CDU-Generalsekretär Peter Tauber schaute Anne Will erschrocken an: „Das war jetzt aber so eine typische Talkshowfrage“. In Berlin diskutierte die ARD-Frau mit Politikern (Frauke Petry, Peter Tauber) und Journalisten, wie den Bild- und Spiegel-Chefs Julian Reichelt und Klaus Brinkbäumer über die Doku „Nervöse Republik“ und das Verhältnis der beiden Gruppen. Das Ergebnis war eine heftige, ehrliche und höchst aufschlussreiche Debatte. Kurz: der beste Anne Will-Talk seit langem.

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Ausgangpunkt der Debatte war die Uraufführung der TV-Dokumentation „Nervöse Republik“. Ein Jahr lang begleitet Filmemacher Stephan Lamby Politiker und Journalisten und zeigt so aus der Nähe, unter welchem Druck diese arbeiten und gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. Der Film zeichnet ein Bild von Menschen, die sich – auch durch Brexit, Trump und den Siegeszug der AfD – in einem Zustand der Dauerregung befinden.

Zu den Protagonisten der Dokumentation gehören Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Bundesjustizminister Heiko Maas, aber auch die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, die AfD-Vorsitzende Frauke Petry sowie die Generalsekretäre von SPD und CDU, Katarina Barley und Peter Tauber. Zudem drehte Lamby immer wieder in der Redaktion von Spiegel Online und der Bild.

Auf dem Podium des Babylon-Kinos in Berlin saßen neben Will und Filmemacher Lamby noch Julian Reichelt und Klaus Brinkbäumer, die CDU und SPD-Generalsekretäre sowie Sahra Wagenknecht und Frauke Petry.

Vor allem das Verhältnis zwischen der AfD-Chefin und der Presse beschäftigte die Teilnehmer und sorgte für Zoff. Dabei befeuerten zwei Aussagen aus Bild-Konferenzen die Debatte. So sagte Kai Diekmann, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch Herausgeber der Boulevard-Zeitung war, dass man kritisch über die AfD berichte, weil man das Gefühl habe, dass in der Partei ein gefährlicher, zum Beispiel ausländerfeindlicher und antisemitischer Populismus stecke. „Das ist brandgefährlicher Populismus und das wird von uns bekämpft“, so Diekmann im Film.

Damit war die Diskussion eröffnet. Denn das ist es genau das, was Petry einigen Medien und einzelnen Journalisten vorwirft, dass man sie bekämpfen wolle. „Von Bild und Spiegel wird ein politischer Kampf geführt. Es gibt genug Journalisten, die zumindest in vertraulichen Gesprächen bereit sind zuzugeben, dass sie sich als politische Aktivisten verstehen. Und das halte ich für ein Riesenproblem.“

Dem entgegnet Reichelt, dass man eben keine Partei, sondern anti-demokratische Tendenzen bekämpfe: „Wir konstruieren keine Wahrheiten“.

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Tatsächlich gelang es der AfD-Chefin nicht dem Eindruck entgegenzuwirken, dass sie mit einzelnen Journalisten persönliche Probleme hat und diese deshalb von Parteiveranstaltungen ausschließt, wie jüngst mit der Spiegel-Reporterin Melanie Amann geschehen, die ein kritisches Buch über die AfD geschrieben hat.

Genau an dieser Stelle, trat Will deutlich klarer und entschiedener auf, als man es aus ihren sonntäglichen TV-Gesprächsrunden kennt. So erklärte sie Petry das „Informationsbedürfnis der deutschen Öffentlichkeit“ und legte ihr dar, warum es ihre Partei und auch sie aushalten müsse, mit Pressevertretern zusammenzuarbeiten, die sie nicht mögen. Immerhin könnten Journalisten auch nur dann sauber arbeiten, wenn sie vor Ort wären. Da kam die Antwort auf die Frage fast schon zu kurz, ob es der Alternative für Deutschland nicht sogar helfe, wenn die etablierten Medien gegen sie „kämpfen“ würde. Denn, wie Wagenknecht spitz anmerkte, sinken die Umfragewerte ja merklich, seitdem nicht mehr so viel über die Partei geschrieben wird.

Ein wunderbares Beispiel über das komplizierte Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten erzählte die SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Im vergangenen Jahr geriet sie durch einen Beitrag von „Frontal 21“ erheblich unter Druck. Das ZDF-Magazin berichtete, dass Unternehmen ihre Teilnahme an Events mieten könnten. Sie ist noch immer der Meinung, dass die Autorin dabei nicht ganz sauber gearbeitet hatte („Rent A Sozi“). Nun war es dieselbe Journalisten, die gerade erst gegen das ZDF geklagt hatte, um die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen zu erstreiten. Trotz allem Ärger wegen der „Frontal 21“-Berichterstattung unterstütze Barley die Reporterin im ZDF-Fernsehrat. „Wir sind doch Profis, auch wenn wir betroffen sind“. In Richtung Petry merkte sie an: „Sich wie ein bockiges Kind hinzustellen und zu sagen: Ich lade die nicht mehr zu meinem Kindergeburtstag ein, ist nicht die Rolle, die Politik und Medien einnehmen sollten.“

Das Besondere an der lebhaften Debatte war der seltene Mix aus der fast völligen Abwesenheit von Wahlkampfgeschwätz, heftiger Diskussion und ruhigen Momenten, in denen die Teilnehmer auch einmal die Zeit hatten, ihren Punkt zu erklären. Im Fernsehen wäre es kaum zu solchen Momenten gekommen. Schade eigentlich.

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Alle Kommentare

  1. Was ist denn die Barley für ein Profi, wenn sie meint AfD-Parteitage seien Kindergeburtstage.
    Und wenn es nicht verboten ist AfD-Mitglieder nicht einzuladen und ihnen keinen Raum zu vermieten, und auf Gastwirte Druck auszuüben, damit sie es nicht tun, es sogar Handreichungen gibt, in denen man nachlesen kann, wie man dabei vorgehen kann, warum soll die AfD dann nicht auch mal spezielle Journalisten nicht einladen, oder nicht rein lassen.
    Es gab auch schon andere Politiker, z. B. von der Leyen, die manche Journalisten ausgeschlossen haben.

  2. Frau Barley hat wohl nicht begriffen, dass „Facebook“ kein Meinungsmonopol hat, oder ein solches darstellt, sondern nur eine Plattform zur Verfügung stellt um Nutzern ihre eigene Meinung darstellen zu können. Es ist also bei weitem kein Monopol, denn nirgendwo gibt mehr Meinungen, als bei Facebook. Es scheint ihr jedoch mehr darum zu gehen, dass man die „vielen unangenehmen Meinungen“ beschneiden sollte, um sich nicht faktisch mit diesen auseinander setzen zu müssen.
    An Frau Will’s Adresse: Wenn die AfD bestimmte Journalisten ausschließt ist es eine böse antidemokratische Aktion. Was ist jedoch bei den antidemokratischen Aktionen von Seiten linker Gruppen, Parteien und Gewerkschaften, gegen die AfD, gegen deren Veranstaltungen und gegen die Anmietungen von Tagungsörtlichkeiten? Wer sich darüber nicht aufregt, aber über einen Ausschluss von bestimmten Journalisten, die in Wahrheit nicht „ihre Arbeit machen“, sondern gezielt Dinge weggelassen werden, bewusst falsch interpretierten oder wiedergegeben werden, dem ist sich nicht am „Berichten“ der Wahrheit gelegen. Wenn bestimmte Gruppen mit allen Mitteln, auch Gewalt und Zerstörung, eine Partei bekämpfen, dann muss sich diese Partei zumindest wehren dürfen, sie darf und sollte zwischen Agitatoren und Journalisten unterscheiden dürfen. Denn auch das ist Teil der „Demokratie“, in der man selbst bestimmt wen man einladet und wen man nicht sehen möchte.

  3. Das einzige 2 Sachen die mich gestört habe waren:Frau Anne Will versuchte nach meiner ansicht Frau Frauke Petry zu der Aussage zu erpressen zukünftigt alle Journalisten wieder teilhaben zu lassen.Das andere war der Eindruck,alle gegen einen.

  4. Natürlich ist die Republik nervös – vor allem das sogenannte Establishment – und zurecht.
    Ich bin ein absoluter Durchschnittsmensch wie ganz viele andere – noch dazu Österreicher – und Pensionist. Gut, ich habe Zeit, sehe und lese viel – fast alles was mich in Deutsch interessiert.
    Wenn Politiker und Medienleute in der Realität leben würden, bräuchten sie nicht so nervös zu sein – dann würden sie merken, daß ihr Theaterspiel, ihre Verschleierungs-Strategie millionenfach durchschaut ist.
    Die Gefahr, die sie damit heraufbeschwören, ist ihnen aber immer noch nicht bewußt. Reicht nicht die Entwicklung der AfD und anderer neuer Gruppierungen, reicht nicht der Brexit, etc, etc … ?
    Zeigt nicht Trump mit „Amerika first“, daß die Menschen so nicht weitermachen wollen?

    Ein Europa der Konzerne, United States of Europe, totale Globalisierung und eine Neue-Welt-Ordnung sind mit uns nicht zu machen. * Merkel ist grandios gescheitert *
    Wir wollen ein demokratisches Europa und eine Politik für dessen Bürger!

    Also liebe Medien-Leute beruhigt Euch – berichtet einfach alles, was ist.
    Macht Euch nicht länger lächerlich – haltet uns nicht für beschränkter als Ihr selber seid.

  5. Sorry, dieser positive Kommentar über diese Talksendung auf Phoenix sagt mehr über Journalisten und Politiker und ihre realitätsfremde Filterblase aus, als ihnen wohl lieb ist.
    Eigentlich hätte es ja um den Film, den noch keiner kennt, und die nervöse deutsche Republik gehen sollen; stattdessen nur Nabelschau von Journalisten und Politikern über die eigene Rolle, und wann wer wie was böses über den andern gesagt hat oder haben soll.
    Für mich als nicht-psycho-interessierten Normalbürger: Uninteressant und keinesfalls erhellend.
    Ich will Politiker, die Aussagen zu Sachthemen machen und Journalisten, die über Sachthemen berichten.
    Langweilen tun mich Berichte über vermeintliche oder echte „böse Worte“, irgendwelche Strafanzeigen, Privatgeschichten und ganz vorne weg Koalitionsaussagen. Die einzige, de da den richtigen Punkt getroffen hat, war Frau Barley.

    1. Frau Barley: „Facebook hat ein Meinungsmopol“! Der richtige Punkt?
      Facebook hat kein Meinungsmonopol, es ist lediglich die Plattform für viele ihre Meinung kund zu tun. Also in Sachen Meinungsvielfalt, allen anderen haushoch überlegen.
      Die Frau hat überhaupt nichts begriffen, was und wie diese ganzen Internetplattformen sind. Also eigentlich nur ihre eigene Inkompetenz stolz vorgetragen. Sie ist wie ein farbenblinder Malermeister, der über etwas redet, was er selbst überhaupt nicht realisieren kann. Wenn das „der richtige Punkt“ ist, dann gute Nacht!
      Ansonsten kann ich Ihnen voll zustimmen.

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