Vorzeitiger Spaß-Erguss: Wenn Medien schale Aprilscherze mit Sperrfrist verschicken

Buzzfeed Deutschland-Chef Daniel Drepper, Whopper-Zahnpasta, das Hirn von Til Schweiger und der SpOn-Down
Buzzfeed Deutschland-Chef Daniel Drepper, Whopper-Zahnpasta, das Hirn von Til Schweiger und der SpOn-Down

Diese Woche wurden wir Zeuge einer neuen Medien-Unart: April-Scherze aus terminplanerischen Gründen vorzeitig in die Welt hinausposaunen. Buzzfeed Deutschland hat mit Daniel Drepper einen namhaften Journalisten als neuen Chefredakteur, der sich auf Themen spezialisieren will, über die sonst angeblich kaum gesprochen wird. Soziale Gerechtigkeit zum Beispiel. Und dann hat uns Spiegel Online auch noch die Arbeit abgenommen, einen Spaß-Artikel über ihren Stromausfall zu schreiben. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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April, April! Na, wurden Sie auch schon in den „April geschickt“? Nein, natürlich nicht, mögen Sie da rufen, heute ist doch der 31. März! Die grauenhaften und in der Regel furchtbar unlustigen April-Scherze drohen doch erst morgen, am Samstag, dem 1. April. Da haben Sie aber die Rechnung ohne die Scherzkekse bei Medien und Agenturen gemacht. Weil der 1. April dieses Jahr auf einen Samstag fällt, am Wochenende die Medienhäuser aber nur mager, bzw. gar nicht besetzt sind, haben viele Medien und Firmen ihre Aprilscherze einfach schon vorher gemacht, bzw. verschickt. Zum Beispiel den mit einer Whopper-Zahnpasta von Burger King.

Oder den Hammerwitz, dass die Billigbier-Marke Oettinger dieses Jahr angeblich ein Zelt auf dem Oktoberfest hat, in dem die Maß Bier statt 10,70 Euro nur 4,95 Euro kostet. Haha, hoho, Prost! Sowas wird natürlich mit „Sperrfrist 1. April“ versendet, damit der Witz auch kalendarisch korrekt vermeldet wird. Das Urlaubs-Bewertungsportal HolidayCheck findet folgendes lustig:

Auf einer Forschungsreise in der Ukraine entdeckten deutsche Geologen nicht nur ein bis dato völlig unbekanntes Höhlensystem, sondern stießen auch auf mysteriöse Malereien an den Felswänden. Nach momentanen Erkenntnissen entstanden die Zeichnungen vor über 12.000 Jahren. Es scheint sich dabei um die weltweit ersten Bewertungen von Übernachtungsgästen zu handeln.

Ächz. Das liest sich so komisch, als hätten die April-April-Spaßmacher den Kabarettisten Florian Schroeder als Gag-Autoren zwangsverpflichtet. Einen hab ich noch: Die Agentur Cocodibu kündigt für den 1. April den „künstlichen Pressesprecher Chad Bott“ an. An dieser Stelle bitte vorstellen, dass Sitcom-Konservengelächter eingespielt wird.

Sorry Leute, aber das vorzeitige Verschicken von Aprilscherzen ist schon ein bisschen erbärmlich. Wenn ihr schon diese schlimme Tradition pflegen müsst, dann solltet Ihr Euch gefälligst auch am 1. April in die Redaktionen und Agenturräume schleppen und nicht die schalen Späßchen mit Sperrfrist vorher hinausposaunen. Oder ihr programmiert „Chad Bott“ und der soll die Arbeit machen. Wäre ja auch eine Möglichkeit.

Kein Aprilscherz war in dieser Woche ein ungewöhnlich langer Ausfall von Spiegel Online. Ein Stromausfall in einem Rechenzentrum sei Schuld gewesen, dass die Kollegen mehrere Stunden lang ohne Webseite und funktionierende App waren. Und wie das so ist in solchen Fällen, wer den Schaden hat …

Als Spiegel Online dann wieder online schrieb ein Leser an die Adresse des Focus:

Das nennt man wohl Leser-Service. Ein anderer Leser und selbst ernannter „Neudenker“ argwöhnte, wir bei MEEDIA würden aus solcherlei Twitter-Foppereien eine eigene Geschichte basteln.

Also bitte, das ist ja nun wirklich ganz weit unter unserem Niveau (bitte Zwinkersmiley denken). „So reagiert das Netz auf Spiegel Offline“ – das machen die von Spiegel Online dann schon selbst.

Es ist ja nicht alles immer nur Abbau und Rückschritt und Heulen und Zähneklappern in dieser von uns allen so geliebten Medienbranche. Diese Woche kam sowohl die traurige Meldung, dass der einstmals auch irgendwie stolze Focus seine Redaktionswurzeln in München kappt, als auch die ermutigende News, dass Buzzfeed Deutschland einen ernstzunehmenden neuen Chefredakteur bekommt und Reporter einstellen will. Daniel Drepper, einer der Mitgründer des Recherchebüros Correctiv wird zum 1. April also neuer Buzzfeed-Chef in Deutschland. Das ist zu allererst einmal eine gute Nachricht. Drepper kündigt an, mit Buzzfeed nun auch hierzulande echten Journalismus machen zu wollen, wie es das Viral-Portal bereits seit geraumer Zeit zum Beispiel in den USA oder auch Groß-Britannien vormacht.

Im entsprechenden Facebook-Posting, in dem Drepper seinen neuen Job kommentierte, schreibt er auch, sich mit Buzzfeed auf einige Themen konzentrieren zu wollen, die seiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Dies seien zum Beispiel Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und die LGBTQ-Community. Bei der „LGBTQ-Community“ kann man ja noch darüber streiten – aber soziale Gerechtigkeit und Rassismus erfahren „zu wenig Aufmerksamkeit“? Wirklich? Immerhin hat sich der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz das Thema „soziale Gerechtigkeit“ groß auf die Wahlkampf-Fahnen geschrieben. Talkshows debattieren darüber undsoweiterundsofort. Nächste Woche gibt es exakt zu diesem Thema eine große Publikums-Debatte bei „Maischberger“. Naja, schaun wir mal, was Herr Drepper aus dem deutschen Buzzfeed so macht. Es kann ja eigentlich nur relevanter werden.

Und dann war da noch das Easy Jet Kundenmagazin, das einen Blick in das Gehirn von Til Schweiger geworfen hat. Bisschen unheimlich aber lustiger als die meisten Aprilscherze:

Sonniges Wochenende!

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