Verkaufsgerüchte um Forbes: Axel Springer winkt beim US-Wirtschaftsverlag ab

Springer-Chef Mathias Döpfner soll schon 2014 mit einer Übernahme von Forbes geliebäugelt haben
Springer-Chef Mathias Döpfner soll schon 2014 mit einer Übernahme von Forbes geliebäugelt haben

Der amerikanische Wirtschaftsverlag Forbes steht angeblich zum Verkauf. An dem traditionsreichen Medienunternehmen zeigt wohl der chinesische Mischkonzern HNA Interesse, der sich hierzulande erst jüngst an der Deutschen Bank und einem Regionalflughafen in Hunsrück beteiligt hat. Springer-Chef Mathias Döpfner will aber bei dem Mega-Deal nicht mitmischen. Dabei soll der Manager vor drei Jahren ein Auge auf den renommierten Wirtschaftsverlag geworfen haben.

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Vor zwei Jahren hatte sich Springer-Chef Mathias Döpfner viel vorgenommen, um das Wachstum des Berliner Medienriesens zu beschleunigen. Er liebäugelte damit, die britische Financial-Times-Group zu erwerben. Doch in letzter Minute scheiterte der Deal am Preis. Die japanische Nikkei-Gruppe schnappte Döpfner das Londoner Unternehmen für knapp 1,3 Milliarden US-Dollar weg. Jetzt bietet sich dem Springer-Chef eine zweite Chance, seine Rolle auf die internationalen Medienparkett zu verstärken. Denn der amerikanische Wirtschaftsverlag Forbes steht zum Verkauf. Wie MEEDIA aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat Springer aber an dem millionenschweren Objekt kein Interesse. Offiziell will sich eine Firmensprecherin zu den Marktgerüchten gegenüber MEEDIA nicht äußern.

Dass sich Döpfner bei Forbes zurückhält, dürfte nicht am Preis liegen. Angeblich verlangt der Eigentümer, die Whale Media Investments mit Sitz in Hongkong, rund 400 Millionen US-Dollar für das Unternehmen. Derzeit sammelt der Springer-Vorstand genügend Kapital ein. So will sich der Konzern von mehreren Gebäuden im Berliner Zeitungsviertel trennen. Und auch Webseiten wie Idealo und Ladenzeile sollen angeblich zum Verkauf stehen. Im Gespräch ist für die beiden Internet-Objekte bereits ein Preis von 300 Millionen Euro.

Daher könnten es vielmehr unternehmenspolitische Gründe sein, warum der Berliner Bild-Konzern bei dem traditionsreichen Wirtschaftsmagazin abwinkt. So gibt Forbes beispielsweise einen Lizenztitel in Russland heraus. Dies jedoch könnte der Strategie des Springer-Chefs widerstreben. Denn der Geschäftsmann hatte in der Vergangenheit stets betont, dass sich das Medienhaus nur in demokratisch geführten Ländern engagieren will. Daher zieht sich Springer auch aus der Türkei zurück. Seit Jahren verkauft das Berliner Unternehmen in kleinen Tranchen seinen Anteil an der Dogan TV Holding. Denn Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten das Springer-Management darin bestätigt, „dass es für Unternehmen aus Demokratien sinnvoll ist, auch nur in verlässlichen Demokratien zu investieren, wo rechtsstaatliche Prinzipien und Prinzipien der Pressefreiheit sicher gewährleistet sind. Das ist in der Türkei derzeit nicht der Fall“, erklärte Döpfner Ende vergangenen Jahres. In Russland hatte sich Springer zudem bereits vor einigen Jahren zurückgezogen, da die Mediengesetze von Kreml-Chef Wladimir Putin ein dortiges Engagement erschwerten.

Als heißer Favorit für Forbes gilt nun der chinesische Investor HNA. Der Mischkonzern ist seit Längerem auf Expansionskurs. Erst jüngst hatte sich das Unternehmen an der Deutschen Bank beteiligt. Im vergangenen Jahr wollte der Konzern die Hotelgruppe Hilton schlucken und bot hierfür mehr als 6,5 Milliarden Dollar. Forbes hat bewegte Zeiten hinter sich. Erst vor drei Jahren hatte die amerikanische Forbes-Familie das von ihr gegründete Medienhaus an die Whale Media Investments verkauft. Damals soll auch Axel Springer Interesse an dem Titel gehabt haben, berichtete das „Wall Street Journal Deutschland“ unter Berufung auf informierte Personen. Forbes würde mit seiner starken Web-Präsenz perfekt in das Springer-Portfolio passen, meinten Analysten.

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