Studie: Die meisten Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift – schuld sind die Chefs

Management-Symbolbild.jpg

Besorgniserregende Zahlen: Laut einer Gallup Studie machen 70 Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen nur Dienst nach Vorschrift. Grund seien die jeweils direkten Vorgesetzten, die es nicht verstünden zu motivieren. Dadurch gingen Unternehmen 105 Milliarden Gewinn pro Jahr verloren.

Anzeige

Von Claudia Tödtmann

Schlechte Nachrichten für Chefs: Die meisten Mitarbeiter machen nur Dienst nach Vorschrift. Nur 15 Prozent der Leute sind mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit. Das Gros der Mitarbeiter will in erster Linie unauffällig sein: 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das belegt die aktuelle Untersuchung von Gallup. Im Engagement Index veröffentlicht das Marktforschungsunternehmen alljährlich, wie es um die Mitarbeiterbindung, die Motivation der Angestellten und um deren Verhältnis zu Chefs und Unternehmen steht und wie sich das auf die Produktivität des Unternehmens auswirkt. Für die aktuelle Studie hat das Unternehmen 1.413 Arbeitnehmer befragt.

Die Folge dieser inneren Kündigungen sind hohe Fehlzeiten und niedrige Produktivität. Außerdem ist jemand, dem das eigene Unternehmen egal ist, kein guter Markenbotschafter. Marco Nink, Studienverantwortlicher bei Gallup sagt: „Arbeitnehmer, die sich emotional nicht an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen, zeigen weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein – und sie schweigen zudem häufiger zu Fehlentwicklungen.“ Der aktuelle Engagement Index zeigt: jeder dritte Mitarbeiter hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber seinem Vorgesetzten mindestens einmal sogar schwere Bedenken nicht geäußert. Von den Mitarbeitern ohne emotionale Bindung schwieg sogar fast jeder Zweite (45 Prozent). Das ist für die Unternehmen besonders bedenklich.

Schlechte Führungskräfte senken die Wettbewerbsfähigkeit

Schuld an der Misere haben laut Gallup schlechte Vorgesetzte. Die sind demnach die Stellschraube, die dringend bewegt werden müsste. Sie kosten die deutsche Wirtschaft bis zu 105 Milliarden Euro im Jahr. So hoch sind nämlich die Verluste durch innere Kündigungen der Mitarbeiter. Und die meisten, die innerlich gekündigt haben, taten dies wegen ihrer direkten Vorgesetzten. „Wie lange Mitarbeiter ihrem Unternehmen treu bleiben und wie einsatzfreudig und produktiv sie in der Zeit sind, hängt in erster Linie vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab“, so Nink. „Doch in punkto Führungsqualität klaffen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen weit auseinander.“

Nur jeder fünfte Arbeitnehmer (21 Prozent) sagt: „die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten“. Selbst in der Gruppe der hoch gebundenen Angestellten sagen das nur 66 Prozent. Und bei den Arbeitnehmern mit geringer oder ganz ohne Bindung nur 15 beziehungsweise nur drei Prozent. Kein Wunder, dass ein Fluchtreflex einsetzt. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) dachte in den vergangenen zwölf Monaten daran zu kündigen – und zwar wegen seines direkten Vorgesetzten.

Dabei ist die Arbeitseinstellung durchaus sehr positiv. Auf die Gretchenfrage, ob man denn weiter arbeiten würde, wenn man nicht auf das Gehalt für den Lebensunterhalt angewiesen wäre, sagten 77 Prozent der Befragten „Ja“. Vor sechs Jahren waren das noch 70 Prozent.

Was Führungskräfte besser machen müssen

Was den Mitarbeitern wichtig wäre? Nink sagt: „Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit, Entlohnung, Sozialleistungen, flexible Arbeitszeit oder die Zahl der Urlaubstage sind für Mitarbeiter zwar durchaus wichtig, sie haben aber auf deren emotionale Bindung kaum Einfluss.“ Fünfmal wichtiger als das Gehalt ist es dagegen, wenn man „die Möglichkeit hat, das zu tun, was man richtig gut kann“. Entscheidend sind laut Nink außerdem die „Führungsqualität, eine herausfordernde, abwechslungsreiche und als sinnvoll empfundene Tätigkeit und die Kollegen. Emotionale Bindung wird im direkten Arbeitsumfeld erzeugt und der direkte Vorgesetzte ist dabei das A und O.“

Interessant ist das Auseinanderfallen von Fremd- und Eigenwahrnehmung: 69 Prozent der Arbeitnehmer hatten mindestens einmal einen schlechten Vorgesetzten. „Doch die Chefs selbst sind sich ihrer Defizite nicht bewusst – 97 Prozent halten sich selbst für eine gute Führungskraft“, so Nink.

Merkwürdigerweise haben laut Gallup-Umfrage 2016 immerhin 40 Prozent der Führungskräfte eine Weiterbildung besucht haben, um den Umgang mit ihren Mitarbeitern zu verbessern. Das aber wohl ohne Erfolg.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei wiwo.de. MEEDIA veröffentlicht ihn mit freundlicher Genehmigung.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. > Dadurch gingen Unternehmen 105 Milliarden Gewinn pro Jahr verloren.

    Wie bitte? Hier in D oder in den USA oder EU oder wo? Woraus setzt sich diese Summe zusammen? Sind das Kreativverluste?

  2. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mär vom schlechten Vorgesetzten in die Welt gesetzt wird. Wir sollten den Blick mal umdrehen und uns fragen, wie Vorgesetzte damit umgehen sollen, dass 70 Prozent ihrer Mitarbeiter schlicht keinen Bock darauf haben, ihre Arbeit zu machen.
    Da werden mit selbstzufriedener Selbstverständlichkeit die Löhne eingestrichen und gleichzeitig dem eigenen Unternehmen aktiv geschadet. Ist das richtig? Muss man nicht auch darüber mal reden? Letztlich schadet sich der Mitarbeiter doch selbst … und seine Kollegen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es Mode geworden ist, die Chefs an den Pranger zu stellen. Sich selber mal zu hinterfragen, ob der Chef so ist, weil er über Jahre dahin gebracht wurde, tuen die wenigsten Mitarbeiter, die jedem kundtun wie wenig Bock sie eigentlich haben.
    Sollen sie doch gehen … es ist für alle Beteiligten das Beste.

  3. Ach ja, die Gallup-Studie…

    Um Volker Kitz zu zitieren:

    „Nicht die paar Querdenker schultern unsere Gesellschaft, sondern die Masse der Menschen, die jeden Tag geradeaus denken und geradeaus handeln. Sie sind es, die der Wirtschaft den Lebensatem einhauchen.“

    Was ist mit Berufen wie:
    Buchhalter, Piloten, Krankenschwestern, Reinigungspersonal, Busfahrer, Ärzte, Sicherheitspersonal am Flughafen, Rettungssanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten, Steuerberater, Handwerker, Lebensmittelkontrolleure, Stahlkocher, Autobauer, Anwälte, etc.

    Wenn all diese Personen nicht Dienst nach Vorschrift machen würden, was wäre das für ein Chaos…

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige