Anzeigen neben unseriösen Videos: Werbeboykott gegen YouTube könnte Google Probleme bereiten

Über 250 Unternehmen pausieren ihre Werbung auf Youtube.
Über 250 Unternehmen pausieren ihre Werbung auf Youtube.

Immer mehr Unternehmen zogen in den vergangenen Tagen ihre Werbekampagnen auf YouTube zurück. Der Grund: Ihre Anzeigen waren zum Teil neben unseriösen Inhalten zu sehen. Dem Boykott haben sich mittlerweile 250 Firmen angeschlossen, auch eine große Werbeagentur ist dabei. Analysten gehen davon aus, dass der Boykott Google 750 Millionen Dollar kosten könnte. Derweil zeigt eine Studie, welche Wirkung Werbung neben extremistischen Inhalten haben kann.

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L’Oréal, McDonald’s, AT&T, The Guardian, Kia, Volkswagen und viele weitere – die Zahl der Unternehmen ist lang, die sich dem Werbeboykott gegen YouTube angeschlossen haben. Der Grund aber ist bei allen derselbe: Ihre Anzeigen wurden bei YouTube zum Teil neben unseriösen Inhalten gezeigt. So erschien die Werbung von L‘Oréal laut dem Guardian etwa im Umfeld extremistischer Videos. Anzeigen von Kia waren indes neben einem Video zu sehen, in dem die Journalistin Ita Buttrose frauenfeindlich beleidigt wurde. In einem Test der US-Webseite Mashable brauchten die Redakteure nur fünf Minuten und ein paar Klicks, bis YouTube die erste Anzeige eines großen Unternehmens vor einem Hass-Video einblendete.

Die Kritik: Die Unternehmen finanzieren dadurch indirekt Extremismus. „Wir sind extrem besorgt, dass unsere Spots neben YouTube-Inhalten erschienen sein könnten, die Terrorismus und Hass fördern“, begründete etwa der Telekommunikationskonzern AT&T seine Entscheidung – und spricht damit wohl für alle 250 Aussteiger. Sie wollen keine Anzeigen mehr bei YouTube schalten, solange nicht sichergestellt ist, dass sie nur bei sauberen Inhalten erscheinen.

Auch das Image der Marken kann dadurch beschädigt werden. Dass Marken nicht im Umfeld solcher Inhalte zu sehen sein wollen, ist daher mehr als verständlich. Einer Umfrage des Portals Adweek zufolge haben 40 Prozent der Zuschauer homophober oder rassistischer Videos ein schlechteres Bild von einer Marke, wenn diese neben derartigen Videos erscheint. Bei 55 Prozent ist der Eindruck unverändert. Aber immerhin können sich 71 Prozent noch daran erinnern, einmal Werbung globaler Unternehmen neben solchen Videos gesehen zu haben.

Für Google könnte der Boykott langfristig zum Problem werden. Analysten des japanischen Börsenmaklers Nomura Instinet gehen davon aus, dass Google dadurch 750 Millionen Dollar entgehen werden. Für Google sind das noch Peanuts. In diesem Jahr rechnet das Videonetzwerk mit einem Umsatz von zehn Milliarden Dollar. Allerdings kommen jeden Tag neue Unternehmen hinzu. Mit Havas hat sich sogar die sechstgrößte Werbeagentur der Welt dem Protest angeschlossen. Sie betreut unter anderem O2 und Royal Mail.

In einem Blogeintrag hat sich Google inzwischen für die Probleme entschuldigt („For this, we deeply apologize.“) und verspricht weitere Schritte einzuleiten. YouTube möchte die Anzeigen großer Kunden von unseriösen Inhalten fernhalten. Wie der Konzern das machen will, ist aber noch völlig unklar. Schließlich werden pro Minute 300 Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen. Alle Inhalte zu kontrollieren, dürfte das Unternehmen nicht schaffen.

Der Werbeboykott legt die Schwächen des sogenannten Programmatic Advertising bloß. Großen Netzwerken ist es dadurch kaum möglich, zu kontrollieren, wo die Werbung angezeigt wird. Zuletzt sorgte in diesem Zusammenhang auch ein Boykott des rechten News-Portals Breitbart für Aufmerksamkeit. Auch dort war Werbung großer Unternehmen zu sehen, obwohl diese das gar nicht wollten.

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