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Jahresbilanz 2016: Gruner + Jahr mit stabilen Zahlen und optimistischer Prognose

G+J-Chefin Julia Jäkel
G+J-Chefin Julia Jäkel

Im Rahmen seiner Bilanz 2016 hat Bertelsmann in Berlin auch die wirtschaftlichen Eckdaten von Gruner + Jahr bekannt gegeben. Das Zeitschriftenhaus, seit 2014 eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gütersloher, konnte im vergangenen Jahr sein Vorsteuerergebnis bei stagnierendem Umsatz leicht verbessern. Trotz der auf den ersten Blick unspektakulären Zahlen sieht sich der Baumwall auf Kurs.

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Mit 1,58 Milliarden Euro weist das Medienunternehmen mit Hauptsitz in Hamburg gegenüber 2015 (1,611 Milliarden) nahezu stabile Gesamtumsätze aus. Das Operating Ebitda – also das Ergebnis ohne Einfluss von Abschreibungen, Abgaben u.ä. – lag 2016 bei 137 Millionen Euro und somit 6 Millionen Euro über dem Vorjahr, die Marge betrug damit 8,7 Prozent (2015: 8,1). Im Vergleich zu den Großverlagen Springer, Burda oder Bauer kann G+J bei der Umsatz-Flughöhe der Wettbewerber nicht mithalten – Axel Springer etwa realisiert hier mehr als doppelt so viel wie Gruner. Auch ist unklar, wie hoch der Netto-Gewinn am Baumwall ausfällt – und damit der Scheck für den Allein-Gesellschafter in Gütersloh. Schließlich musste G+J nach einigen erfolgreichen Print-Neueinführungen 2016 mit dem Wochentitel frei! einen veritablen Flop verdauen.

Dennoch scheint die Stimmung zwischen dem Bertelsmann-Vorstand und dem G+J-Topmanagement alles andere als eingetrübt. Im Umfeld des Zeitschriftenhauses verweist man darauf, die internen Planzahlen erreicht zu haben. Das seit nun vier Jahren agierende GF-Trio unter Führung von CEO Julia Jäkel treibt im Auftrag und mit Rückendeckung von Konzernchef Thomas Rabe die Umstrukurierung des Verlags voran. Eine der Kernaufgaben: die Trennung von nicht zukunftsfähigem Alt-Geschäft und der Rückzug aus internationalen Märkten wie China, Indien oder Südeuropa. Vor diesem Hintergrund ist auch die Entwicklung der vergangenen Jahre zu sehen. Allein die Portfolio-Effekte (vor allem der Verkauf der Druckerei Brown Printing in den USA) dürften mehrere hundert Millionen Euro Umsatz gekostet haben. Im vergangenen Jahr kamen noch die Effekte aus den Verkäufen der Beteiligungen in Österreich und Spanien hinzu.

Dennoch, so sind Marktbeobachter überzeugt, sind erste Ergebnisse der neuen Verlagsstrategie „unter der Haube“ bereits sichtbar. So wachse das bei G+J lange sträflich vernachlässigte Digitalgeschäft sprunghaft: in Deutschland 2016 dem Vernehmen nach um knapp 50 Prozent. Grund dafür sind neben erfreulicher Performance eigener Vermarktungsaktivitäten auch Zukäufe, wie etwa die Akquisition der Webguerillas durch die CP-Tochter Territory oder des Vermarkters Liquid M. Der Umsatzanteil in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich liegt demnach bei rund einem Viertel – und damit höher als je zuvor in der G+J-Geschichte. Insider verweisen auch darauf, dass G+J Deutschland im Gegensatz zu den Bilanzen konkurrierender Verlage mit einem wachsenden Umsatz und einem verbesserten Ergebnis punkten kann. Bei stabilen Vermarktungserlösen konnte das Vertriebsergebnis sogar gesteigert werden, was im rezessiven Print-Umfeld keine Selbstverständlichkeit ist. Hinzu kommt, dass die strategisch wichtige Auslandsbastion Prisma Media in Frankreich sich ebenfalls mit guten Zahlen im Markt behauptet.

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Als Gründe für die Stabilisierung sieht man im Umfeld des Verlagshauses eine Reihe von Maßnahmen, u.a. dem Aufbau von Content Marketing-Riese Territory, der Gründung Deutsche Medien-Manufaktur mit dem Münsteraner Landlust-Verlag, dem Erwerb des ASVS im Vertrieb von Axel Springer sowie das umsatzrelevante Magazinneugeschäft (Barbara, stern Crime, – Titeln also, die 2016 erstmals durchgängig Erlöse brachten– oder auch der Vertriebserfolg Essen + Trinken mit Thermomix). Die erwähnten kräftigen Zuwächse in der Digitalvermarktung durch Marken-Websites wie auch Ligatus) tun ein Übriges, on top kommen Eigengründungen im Digitalen (AppLike, Club of Cooks). Würde man diese Entwicklungen isoliert betrachten, fiele die Bilanz noch besser aus – dagegen wirkt der zunehmend schwierige Printanzeigenmarkt bei den etablierten Titel, wo G+J allerdings 2016 weniger Federn lassen musste als viele Wettbewerber.

Das G+J-Management sieht sich bei seinen Umgestaltungsplänen definitiv auf Kurs und ist auch überzeugt, den Rückstand im Bereich des Digitalgeschäfts in weiten Teilen wettgemacht zu haben. Alle Websites, heißt es, verzeichneten ein starkes Wachstum. Dass dies, wie zuletzt die Diskussion um Brigitte.de zeigt, gelegentlich mit wenig marken-konformen Mitteln erkauft, sei im Verlag erkannt und werde auf den Prüfstand gestellt. Die Geschäftsführung sieht die Gesamtentwicklung als Bestätigung ihrer Innovationsstrategie, die Magazinmarken weiter in den Mittelpunkt stellt und auf Transformation statt auf Disruption setzt. Und die sei langfristig angelegt: Wer mit Entscheidern am Baumwall spricht, gewinnt den Eindruck, dass auch die nächsten Jahre bis zum für 2021 geplanten Umzug in das neue Verlagsgebäude unter den Zeichen des Umbaus stehen werden. Man sei auf dem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen, hört man bei G+J immer wieder. Man kann es allerdings auch andersherum sehen: Geschafft ist der Turnaround am Baumwall noch nicht.

 

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  1. Bertelsmann war schon immer stabil. Er ist ein international tätiger Konzern und zählt zu den weltweit größten Medienunternehmen und ist außerdem in der Dienstleistungsbranche und im Bildungsbereich aktiv. Carl Bertelsmann gründete das Unternehmen als Buchverlag im Jahr 1835. Die Firma hat immer viele Arbeitsplätze und für Deutschland und die Welt nur gut.

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