„Zusammen Lästern ist super“: Nido schlägt vor, mit den eigenen Kindern über Dicke herzuziehen und rudert nach Kritik halbherzig zurück

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„Neuer Look, neue Inhalte“ verspricht das neu gestaltete Nido auf der Titelseite. Wenn damit auch gemeint ist, dass sich Leser künftig auch mal so richtig ärgern dürfen, dann scheint das Konzept aufzugehen. So schlägt die Redaktion in der Titelgesichte u.a. vor, gemeinsam mit den Kindern über Dicke zu lästern. Das stärke das Band mit dem Nachwuchs. Den fälligen Web-Groll konterte Nido wenig erfolgreich mit einer Erklärung im Traueranzeigen-Stil.

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Die neue Neon-Chefredakteurin, Ruth Fendt, die auch der Nido verantwortet, hat das Magazin für hippe Großstadt-Eltern gerade kräftig renoviert. In der Kommunikation zum Rebrush heißt es im schönsten Marketing-Sprech, dass man den Eltern nun „unverfälscht und auf Augenhöhe“ begegnen und ihnen helfen will, „den Herausforderungen mit Leichtigkeit zu begegnen“.

Diesen Anspruch soll natürlich auch die Titelgeschichte „33 Dinge, die mit Kindern erst so richtig Spaß machen“ einlösen. Einigen Leser hat diese Story jedoch nicht ganz so viel Spaß bereitet, sondern eher Verdruss. So schlägt die Redaktion u.a. vor, gemeinsam mit den Kindern über Übergewichtige herzuziehen. „Lästern hat einen schlechten Ruf. Macht mit dem Kind aber trotzdem Spaß“. Weiter heißt es:

Neulich stehe ich mit meiner Tochter in der Apotheke, neben uns eine sehr korpulente Frau. Wir sehen uns an, grinsen und reden danach minutenlang, darüber, dass sie sehr, sehr dick war. Und dass wir froh sind, keine Dicken zu sein.

Der Autor meint: „Zusammen Lästern ist super. Ich weiß schon, das macht man nicht, verletzt die Menschenwürde und so. Aber das stimmt nicht. Die anderen Menschen sind ja nicht dabei. Die Wahrheit ist, dass es das Band zwischen meiner Tochter und mir stärkt. Ich glaube, jede gute Beziehung braucht einen gemeinsamen Feind. Da sind wir nicht anders als die Nato“.

Für ein Friede-Freude-Eierkuchenheft sind das ganz schön harte Worte. Die Reaktionen im Social-Web ließen nicht lange auf sich warten. Sie reichen von einem schockierten „ernsthaft Nido?“, über „Buh“ und „ekelhaft“ bis zu dem empörten Vorwurf, dass das Magazin „Bodyshaming“ betreibe. Andere Leser fühlen sich gar „persönlich angegriffen“.

Die Reaktion der Redaktion machte es für die meisten Empörten dann auch nicht besser. Statt einer Entschuldigung, lieferten die Hamburger eine Art Erklärung im Stil einer Traueranzeige.

In ihr heißt es, dass man in der Redaktion lange und intensiv darüber diskutiert habe, dass man natürlich für „Bodyshaming nicht zu haben“ sei. Auch heiße man Abgrenzung nicht für gut, trotzdem „haben wir uns dazu entschieden, das von einem Autor und Vater vorgeschlagene Thema ins Heft zu heben. Ganz einfach, weil es ehrlich ist.“

Weiter erklärt die Redaktion:

Ja, wir lästern manchmal und manchmal sogar mit unseren Kindern. Wir sind weit davon entfernet perfekt zu sein. Aber wir wollten mit dem Text ganz sicher niemanden zu nahe treten. Sollte sich jemand persönlich angegriffen gefühlt haben, dann tut uns das leid.

Die Stellungnahme beruhigte jedoch nicht wirklich die Gemüter. So meinte einer: „Das ist, als ob Ihr Rassismus ablehnt, aber nen Kommentar von Björn Höcke abdruckt. Ist ja seine ehrliche Meinung.“ Bei einem anderen ist vor allem eine Zeile hängen geblieben: „Natürlich sind wir für Bodyshaming“. Offenbar hat er die Worte in der nächsten Zeile nicht mehr gelesen.

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