Von Chemtrails bis zu den Amerikanern: die wirren Theorien zum Absturz der Germanwings-Maschine

Vor zwei Jahren zerschellte  ein Flugzeug von Germanwings in den französischen Alpen. 150 Menschen starben dabei.
Vor zwei Jahren zerschellte ein Flugzeug von Germanwings in den französischen Alpen. 150 Menschen starben dabei.

Hat der Co-Pilot Andreas Lubitz in selbstmörderischer Absicht die Germanwings-Maschine zum Absturz gebracht? Zwei Jahre nach der Katastrophe in den französischen Alpen rückt die Schuldfrage erneut auf die Agenda. Der Vater des Co-Piloten will seinen Sohn entlasten - und das Bild des "Amok-Piloten" widerlegen, das von den Medien gezeichnet wurde. Damit steht er nicht alleine da. Im Netz treiben sich etliche Verschwörer herum, die den Ergebnissen der Ermittler nicht glauben wollen - und stattdessen Chemtrails oder die Amerikaner hinter dem Absturz vermuten.

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Für die französische Untersuchungskommission, die deutsche Staatsanwaltschaft und die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ist die Sache klar: Allein der selbstmordgefährdete und an Depressionen leidende Co-Pilot Andreas Lubitz hat die Germanwings-Maschine vor zwei Jahren in ein Felsmassiv der französischen Alpen gelenkt. Ein technischer Defekt, eine Einwirkung von außen oder gar einen terroristischen Anschlag schließen die Ermittler aus.

Doch nicht wenige Internet-Nutzer und selbsternannte Experten wollen den Untersuchungen der Behörden keinen Glauben schenken. Im Netz ranken sich die wildesten Verschwörungstheorien zum Absturz. Was sie alle gemein haben: Die offizielle Version, allein Lubitz habe das Flugzeug zum Absturz gebracht, sei falsch – und die tatsächliche Ursache werde von den Regierungen und den Medien verschwiegen. MEEDIA hat die absurdesten Verschwörungen herausgesucht.

1. Fehler bei den Chemtrails

Wo Flugzeuge eine Rolle spielen sind in der Welt der Verschwörungstheoretiker Chemtrails nicht weit. Die Theorie: Flugzeuge versprühen bei jedem Flug Chemikalien, um die im Land lebende Bevölkerung zu manipulieren und gefügig zu machen. Beim Germanwings-Flug habe es dabei jedoch gleich mehrere Missgeschicke gegeben: Die Chemikalien hätten die Crew außer Gefecht gesetzt, da ihre Intensität zu hoch bemessen gewesen sei. Gleichzeitig hätten Chemie-Rückstände die Turbinen blockiert, weil die Maschine im Vergleich zu anderen schon sehr alt gewesen ist. Das Flugzeug sei daraufhin von der Route abgekommen und abgestürzt.

Belege dafür haben die Chemtrails-Verschwörer natürlich nicht zu bieten. Überhaupt ist die Chemtrails-Geschichte ein sehr alter, vielerorts bereits widerlegter Gedanke. Tatsächlich handelt es sich dabei lediglich um Kondensstreifen: In feuchter Luft können die Abgase der Jets nicht verdunsten, sie bleiben als Dampfstreifen sichtbar.

2. Das Flugzeug wurde abgeschossen

Wesentlich häufiger verbreitet wurde die Theorie vom Abschuss der Maschine. Verantwortliche gibt es angeblich viele – wahlweise die amerikanische oder die französische Luftwaffe. Die USA, so die Theorie vieler Verschwörer, habe in den Alpen mit Laserwaffen experimentiert und dabei versehentlich die Germanwings-Maschine getroffen. Eine andere Lesart besagt, dass französische Mirage-Jets den Flieger vom Himmel geholt haben, da dieser auf den Staudamm „Lac de Serre-Ponçon“ in den Alpen zugeflogen sei. Um den Vorfall zu vertuschen habe sich die Regierung auf Lubitz als Täter geeinigt. Als Beweis für einen Abschuss der Maschine bedienen sich die Befürworter immer wieder der angeblichen Tatsache, dass die Trümmerteile zu klein seien für ein Absturz.

Tatsächlich lässt sich weder eine geheime Laserwaffe in den Alpen finden, noch gibt es Beweise für einen Abschuss durch Jets. Zwar sind tatsächlich Kampfjets kurz vor dem Aufprall aufgestiegen, dies ist jedoch weltweit üblich, wenn ein Flugzeug den Funkkontakt zum Tower verliert. Und: Wenn ein Flugzeug wie im Fall der Germanwings frontal auf ein Bergmassiv zusteuert und das mit hoher Geschwindigkeit, bleiben kaum noch Trümmerteile übrig. Es wird pulverisiert.

3. Passagiere waren bereits tot

Zu den wirren Verschwörungstheorien im Netz gesellt sich auch eine wohl noch abstrusere: Vor allem auf YouTube werden Annahmen verbreitet, wonach die Passagiere bereits vor Flugantritt gestorben seien. Zu ihren Befürwortern zählt unter anderem der ehemalige Schlagersänger Christian Anders. Angeblich seien den Passagieren zuvor Organe entnommen worden und die Leichen seien dann mit dem Flieger transportiert worden.

In der verrückten Theorie dürfte kein Funken Wahrheit stecken. Schließlich ist es absolut unglaubwürdig, dass dies in einem Flughafen nicht auffallen würde, wo Polizei, Zoll und Personal auf die Passagiere achten. Belege dafür gibt es natürlich ebenfalls nicht.

4. Lubitz war Islamist

Auch an einen Terroranschlag glauben einige Internet-Nutzer. Die Theorie: Der Co-Pilot, eigentlich Christ, habe sich kurz vor der Katastrophe radikalisiert und sei dem Islam beigetreten. Der Flugzeug-Absturz sei also nichts anderes als ein Anschlag einer Terror-Organisation gewesen. Die Regierung habe dies verschwiegen, um nicht geschwächt dazustehen. In Wahrheit fanden die Ermittler keinerlei Indizien für eine Radikalisierungen. Auch hat sich keine Terror-Organisation zu dem vermeintlichen Anschlag bekannt.

Beweise brauchen die Verschwörungstheorien nicht, um im Netz ihre Verbreitung zu finden. Es reicht die Ungläubigkeit gegenüber dem Staat und den „verschworenen Eliten“. Dass im Körper des Co-Piloten drei verschiedene Psychopharmaka nachgewiesen werden konnten, die gegen eine Depression verschrieben wurden – sei es drum. Dass Lubitz selbst auch von mehreren Ärzten und Psychiatern als depressiv befunden wurde, spielt keine Rolle. Und dass auch sonst jegliche Indizien, wie die Sprachaufnahme aus dem Cockpit oder der Suchverlauf am heimischen Computer von Lubitz, auf einen erweiterten Suizid hinweisen, ist den meisten Verschwörungstheoretikern egal.

Lubitz Vater wird heute in einer für 10:30 Uhr anberaumten Pressekonferenz seine Sicht der Dinge darstellen. Er hat bereits angedeutet, dass er den Ermittlungsergebnissen nicht glaubt, wonach sein Sohn für den Tod der 149 Passagiere und Besatzungsmitglieder allein verantwortlich ist.

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