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Time-Interview mit Donald Trump über den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge: „Ich bin Präsident, Sie nicht“

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Es ist das beherrschende Thema der Trump-Präsidentschaft: Der ewige Streit um die Wahrheit. Seit seinem Sensationssieg bei der letztjährigen Präsidentschaftswahl liegt Donald Trump mit der US-Presse im Clinch, die er immer wieder beschuldigt, "Fake News" zu verbreiten. Doch allerspätestens seit den bislang unbewiesenen Abhörvorwürfen gegen US-Präsident Obama scheint die Dehnbarkeit von Alternativen Fakten ausgereizt. Das Time Magazine sprach mit dem US-Präsidenten über seinen Wahrheitsbegriff, widmete ihm diesmal aber nicht das Cover.

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Eine neue Woche, ein neuer Trump-Titel des Time Magazines. Nach einem Monat im Amt widmete das US-Nachrichtenmagazin dem neuen US-Präsidenten ein ikonisches Cover, das das Chaos im Weißen Haus illustrierte. Vor zwei Wochen thematisierte Time Trumps Twitter-Obsession mit Rissen mit Washington Monument, einem Symbol der amerikanischen Demokratie.

In dieser Woche hat das 94 Jahre alte US-Traditionsmagazin mit dem US-Präsidenten in einem zwanzigminütigen Telefon-Interview anlässlich des ständigen Ringens um die Wahrheit selbst gesprochen. „Ist die Wahrheit tot?“ heißt der Titel, der sich optisch am 51 Jahre zuvor veröffentlichten legendäre Cover „Ist Gott tot?“ orientiert.

Trump ist diese Woche also nicht das Subjekt, sondern das Objekt, wie das Portal Slate herausarbeitet. Im Time-Interview feiert Trump seine richtigen Einschätzungen – etwa zum Brexit, der unrühmlichen Rolle von Anthony Weiner im US-Wahlkampf für Hillary Clinton  und natürlichen seinen Wahlsieg.

Wie dehnbar Trumps Wahrheitsbegriff jedoch ist,  unterstreichen seine Erklärungen zu den kontroversen Äußerungen über Vorfälle in Schweden (#LastNightinSweden), die sich laut Trump schon am nächsten Tag bewahrheitet hätten.

Dann ist da der im Wahlkampf geäußerte Vorwurf an den Vater seines parteiinternen Rivalen Ted Cruz, es habe eine Verbindung von ihm zum Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald gegeben. Trump sagte dazu heute: Er habe nur eine Zeitung zitiert – das wenig glaubwürdige Klatschblatt National Enquirer.

 „Ich bin eine sehr intellektuelle Person, aber mein Instinkt liegt richtig“

Und selbst den jüngst geäußerten Abhörvorwurf an die Adresse des seines Amtsvorgängers Barack Obama, für den es laut FBI-Chef Comey keine Hinweise gibt, will Trump nicht zurücknehmen. Er habe die Bemerkung in Anführungszeichen gemacht, erklärte Trump – man dürfte sie also nicht so wörtlich nehmen.

Dafür liefert der US-Präsident den Time-Lesern eine paar denkwürdige Zitate: „Ich bin ein Instinktmensch, aber mein Instinkt liegt richtig“, gibt Trump gibt dem Reporter Michael Scherer Einblicke in eine Gedankenwelt. „Ich bin eine Person, die weiß, wie das Leben funktioniert.“ Und überhaupt: So schlecht könne er sich nicht schlagen. „Ich bin Präsident, nicht Sie“, schloss Trump ein weiteres denkwürdiges Interview ab.

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