Prüfung der Arbeitsbedingungen: Spiegel berichtet über Behörden-Besuch bei Facebooks Löschteam in Berlin

Das Berliner Amt für Arbeitsschutz (LaGetSi) hat die Arbeitsbedingungen in Facebooks Löschteam geprüft.
Das Berliner Amt für Arbeitsschutz (LaGetSi) hat die Arbeitsbedingungen in Facebooks Löschteam geprüft.

Die bei Facebook für die Löschung unerwünschter Inhalte beauftragte Firma Arvato war Ziel einer unangekündigten Betriebsprüfung. Dies berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Zwei Mitarbeiter des Berliner Amts für Arbeitsschutz (LaGetSi) haben Ende Februar Mitarbeiter befragt und Unterlagen mitgenommen. Die Bertelsmann-Tochter war aufgrund unzureichender psychischer Betreuung der Beschäftigten in Kritik geraten. An den Vorwürfen ist aber wohl nichts dran, wie das LaGetSi nun gegenüber MEEDIA bestätigt.

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In Berlin arbeitet ein Team von hunderten Mitarbeitern daran, rund um die Uhr unerlaubte Inhalte auf Facebook zu löschen. Kommentare, Bilder oder Videos, die Nutzer des Sozialen Netzwerkes melden, werden dort überprüft. Was die Mitarbeiter zu sehen bekommen, ist aber nicht immer leicht zu verkraften.

Facebook arbeitet in Deutschland für die Löschung der Inhalte mit der Bertelsmann-Tochter Arvato zusammen. Das „Community Operations Team“ ist speziell für die Aufgabe geschult, gemeldete Inhalte zu sichten und bei Verstoß gegen die Richtlinien des Netzwerkes zu entfernen. Bis Ende des Jahres werden über 700 Mitarbeiter in Berlin arbeiten, teilte eine Facebook-Sprecherin auf MEEDIA-Nachfrage mit.

Doch die Arbeitsbedingungen sollen Medienberichten zufolge alles andere als gut sein. Das SZ-Magazin machte bereits im Dezember unter dem Titel „Im Netz des Bösenauf die psychischen Folgen für die Mitarbeiter aufmerksam. Rund 2000 Inhalte müssen die Angestellten am Tag sichten – besonders belastend finden die Mitarbeiter demnach kinderpornografisches Material, Videos von Enthauptungen und Folter sowie Tier- und Kinderschänderei. „Seit ich die Kinderpornovideos gesehen habe, könnte ich eigentlich Nonne werden – an Sex ist nicht mehr zu denken. Seit über einem Jahr kann ich mit meinem Partner nicht mehr intim werden. Sobald er mich berührt, fange ich an zu zittern“, berichtet etwa eine Mitarbeiterin anonym. Das Problem: Professionelle Hilfe steht den Mitarbeitern den Aussagen zufolge nicht ausreichend zur Verfügung. Darüber hinaus sei auch die Bezahlung der häufig ausländischen Mitarbeiter schlecht. Sie bewege sich nur knapp über dem Mindestlohn.

Doch die Medienberichte zeigen Wirkung und haben offenbar auch das Berliner Amt für Arbeitsschutz (LaGetSi) auf den Plan gerufen. Die Behörde soll prüfen, ob Arvato sich ausreichend um die psychische Gesundheit seiner Mitarbeiter kümmert und sich an das Arbeitszeitrecht hält, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Kurz nach dem Bericht des SZ-Magazin sei das LaGetSi beim Löschteam von Arvato zunächst zu einem vereinbarten Termin erschienen. Ende Februar folgte dann eine unangekündigte Prüfung. Dabei wurden offenbar Mitarbeiter befragt und auch Unterlagen mitgenommen.

Arvato und Facebook haben die Vorwürfe der Mitarbeiter in den Medien zurückgewiesen. Es seien umfassende Betreuungsangebote vorhanden, auch außerhalb der Arbeitszeiten. Zu welchem Ergebnis die Behörden kommen, steht bis dato noch aus.

Update 16:21 UhrDas Amt für Arbeitsschutz (LaGetSi) teilte auf MEEDIA-Nachfrage, dass sie „keinen Anlass für ordnungsbehördliches Handeln“ bei Arvato sehen.

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