Die freche Fragefrau der dpa, der „superpeinliche“ Schulz, Spiegel Classic und ein sorgenvolles Altpapier

Martin Schulz, Kristina Dunz, der Spiegel-Ritter, Thomas Fischer
Martin Schulz, Kristina Dunz, der Spiegel-Ritter, Thomas Fischer

Die dpa-Reporterin Kristina Dunz sorgte mit einer einzigen frechen Frage an den US-Präsidenten für Euphorie im Medienland. Aber warum eigentlich? Die „heute show“ findet es peinlich, wenn man sich selbst wählt. Ein Leser findet deutliche Worte zu Best-Ager-Medien wie Spiegel Classic und das Altpapier macht sich wegen eines Fischer-Gastbeitrags juristische Sorgen. Der MEEDIA Wochenrückblick.

Anzeige

Fanden Sie es nicht auch ein ganz kleines bisschen erstaunlich, mit welcher Euphorie und in welchem Umfang die Fragen von dpa-Reporterin Kristina Dunz an US-Präsident Donald Trump während dessen gemeinsamer Pressekonferenz mit der Bundeskanzlerin gefeiert wurden? Schon klar, Frau Dunz hat ihren Job gemacht und zwei wichtige Punkte angesprochen. Sie fragte Trump nach seiner wirtschaftlichen Abschottungspolitik und warum er immer weiter Lügen verbreite. Das war auf den Punkt gefragt, entsprach aber dem streng formalisierten Ritual solcher Pressekonferenzen, bei denen in den seltensten Fällen die Mächtigen aufgrund einer messerscharf formulierten Journalistenfrage ins Wanken geraten. Die hiesigen und einige Überseemedien waren trotzdem ganz aus dem Häuschen, ob der frechen Fragekunst der dpa-Reporterin. Und dpa-Chefredakteur Sven Gösmann zelebrierte den neuen dpa-Fame im Anschluss ausgiebig bei Twitter. Wobei er das Lob, das beispielsweise die Schauspielerin Mia Farrow für seine Reporterin äußerte, gleich mal auf die ganze dpa bezog:

Bei Übermedien meckerte Stefan Niggemeier über die „Dunz-Festspiele“ und protokollierte auch die zahlreichen Jubel-Tweets des dpa-Chefs in eigener Sache. Wobei: Dass man bei Twitter ganz gerne mal in eigener Sache jubiliert, ist dem Medienkritiker an sich auch nicht ganz fremd, wie dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger festhielt:

Dabei heißt es doch, Eigenlob stinkt. Oder war es Eigenwahl?

Der arme Martin Schulz, da guckt er ganz schön bedröppelt. Wobei, liebes „heute show“-Team: Wer sagt denn, dass Schulz nicht einen der drei ungültigen Stimmzettel abgegeben hat? Und seit wann ist es eigentlich peinlich, sich selbst zu wählen? Man wäre ja doch eigentlich eher doof, wenn man das nicht machen würde.

Hurra, diese Woche ist Spiegel Classic erschienen, alle Print-Probleme sind gelöst! Nein, im Ernst: Ein bisschen verwundert war ich schon über den Ableger aus dem Hause Spiegel, und zwar vor allem über das Cover. Da blickt dieses Best-Ager-Männer-Model mit dem eisgrau melierten Bart markant unter einem Ritterhelm hervor. Ich fabe mich gefragt, ob dem Herrn der Helm im Rahmen eines Shootings tatsächlich aufgesetzt wurde oder ob es sich um eine Montage aus der Photoshop-Hölle handelt. Diese nicht eben neuen Versuche, eine Art Lifestyle-Medium für nicht mehr ganz faltenfreie Zeitgenossen zu etablieren – bislang waren die ja nicht von übermäßig rauschendem Erfolg gekrönt – zumindest was die männliche Zielgruppe betrifft. Ein MEEDIA-Leser meinte dazu in einem galligen aber nicht ganz unzutreffenden Leser-Kommentar, der beileibe nicht nur für Spiegel Classic gilt:

Ein neuer Anlauf und vergeblicher Versuch, die Quadratur der Greise zu lösen. Die nächste Verlagsleiche für Silver Agers, Golden Agers, Best Agers, Graue Panther, Generation Gold, Silver Customers, Silverpreneure, Greyhoppers und Supergrannys, Empty Nesters, kündigt sich an. Das Fischen in der Grauzone wird wieder einmal zum Rohrkrepierer. Und das Schicksal ungezählter Medienleichen (wie zum Beispiel das Schicksal von Schawinskis „Radio für Erwachsene“ oder Schautzers „Bono TV“) teilen. Der Trost: Das Antlitz des Models kann das Cover einer kommenden Ausgabe von „Spiegel Geschichte“ über Ritter ohne Mehrkosten schmücken. Hier wirkt es originell wie Herodes auf einer Kinderparty.

Diese Woche schrieb der streitbare Zeit Online-Kolumnist Thomas Fischer einen Gastbeitrag für MEEDIA als Replik auf einen offenen Brief der taz. Dabei ging es um ein gescheitertes Interview, das eine taz-Redakteurin mit Fischer führte, welches aber nicht veröffentlicht wurde. Fischer inkludierte einen Großteil des Interviews in seinem Gastbeitrag. In der Medienkolumne „Altpapier“ machte man sich daraufhin urheberrechtliche Sorgen, ob „die Profis von meedia.de“ wissen was sie tun, wenn da ein Text veröffentlicht wird, der aber doch „der taz gehört“. Keine Sorge, liebes Altpapier. Bei einem Wortlaut-Interview bedarf es zwar eigentlich der Zustimmung beider Urheber, also des Fragers und des Antwortenden, zu einer Veröffentlichung. In diesem speziellen Fall würde aber wohl das Zitatrecht (§ 51 UrhG) greifen, das eine erkennbare geistige Auseinandersetzung mit den fremden Gedanken und schöpferischen Leistungen voraussetzt. Und ganz egal, wie man zu Fischer steht – dass er sich mit der schöpferischen Leistung der Fragen der taz Redakteurin erkennbar geistig auseinandergesetzt hat, kann man nun wirklich nicht bestreiten.

Schönes Wochenende!

Anzeige
Anzeige
Anzeige