„Weitere Einsparungen“ und „Neunzigminüter“: ZDF-Intendant Thomas Bellut über seine zweite Amtszeit

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ZDF-Intendant Thomas Bellut

In diesem Monat hat die zweite Amtszeit von ZDF-Intendant Thomas Bellut begonnen. Seine "Regierungserklärung" für die nächsten fünf Jahre: Unter anderem das ZDF "noch effektiver zu machen", also weitere Stellen abzubauen, und im Programm "allen Qualitätsstandards gerecht" zu werden. Eine Bedrohung durch Streaming-Anbieter wie Netflix sieht er dabei nicht, wie Bellut im Interview mit der FAZ erklärt.

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„Es schreibt das fort, was meine ersten fünf Jahre bestimmt hat“, so Bellut über seine zweite Amtszeit gegenüber der FAZ (kostenpflichtig). An erster Stelle stehe für ihn das Programm, das „weiter gut und erfolgreich“ sein und „allen Qualitätsstandards gerecht“ werden soll – ein Anspruch, den man von einem Senderchef so erwarten kann und auch muss. Tatsächlich hat sich die „Senderfamilie des ZDF in wenigen Jahren sehr erfolgreich etabliert“, dank ZDFneo und ZDFinfo habe man heute mehr Zuschauer im Alter von unter fünfzig Jahren als Mitte der Neunziger.

Eine Konkurrenz durch Streaming-Anbieter wie Netflix sieht Bellut dabei aber nicht: „Deutschland ist kein Markt für 45 Minuten lange Stücke zur besten Sendezeit, sondern für Neunzigminüter.“ Für den Sender seien weiterhin „Mehrteiler und Fernsehfilme nach wie vor sehr wichtig“. Zwar biete man auch Inhalte in der Mediathek an, aber „nach wie vor dominiert das lineare Fernsehen – fast ohne Einbußen“, so Bellut gegenüber der Zeitung.

Eine weitere zentrale Aufgabe: „das ZDF noch effektiver zu machen“ – also weitere Stellen abbauen. „Wir haben mittlerweile etwa 450 Stellen abgebaut“, so Bellut. „Die Zielmarke liegt bei 560, wir werden sie bis 2020 erfüllen.“ Im Vergleich zu 2010 seien das etwa zehn Prozent weniger Stellen. Jene Effektivität, also Einsparungen, äußern sich etwa mit der Auflösung der Direktion „Europäische Satellitenprogramme“ zum 1. April, die in andere Bereiche des Hauses integriert wird. Die für 3sat produzierenden Redaktionen werden in „Plattform-Redaktionen des ZDF“ zusammengeführt. Gleichzeitig wolle man sich auf die TV-Studios im Sendezentrum in Mainz konzentrieren. „Das wird weitere Einsparungen bringen.“

Dennoch: Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) warnt, dass der Rundfunkbeitrag 2021 um zwei Euro monatlich steigen könnte. „Diese Zahl hat mich überrascht“, sagt Bellut der FAZ. „Wir verfügen im Moment über keine Daten, die diese Entwicklung von 2020 an bestätigen würden. Wir denken in Preissteigerungen, nicht im Aufstocken von Etats. Zwei Euro erscheinen mir zu hoch. Wenn genaue Daten vorliegen, sollte unter dem Stichwort ‚maßvolle Anpassung‘ des Rundfunkbeitrags sicherlich eine Lösung möglich sein.“

Auch das Thema Fake-News spiele für das ZDF eine besondere Rolle, besonders im Wahlkampfjahr 2017. Man habe eine „Fakten-Check-Unit“ eingerichtet, die im Zusammenhang mit Wahlkampfthemen „generell Behauptungen hinterfragen wird“. Als „Polizei“ oder „Wächter“ für andere sehe Bellut das ZDF aber nicht: „Ich beteilige mich nicht am Internet- oder Facebook-Bashing“, wird Bellut zitiert. „Wir schauen auf uns selbst und stellen sicher, dass unsere Informationen und Nachrichten stimmen.“

Die scharfe Kritik der Presseverleger, der öffentlich-rechtliche Rundfunk mache ihnen im Netz Konkurrenz, ficht Bellut nicht an: „Probleme, wie es sie zwischen den Verlegern und der ARD gibt, haben wir nicht. Ich habe von Anfang an gesagt: Wir machen die Geschäftsmodelle der Verlage nicht kaputt.“, so der ZDF-Intendant. „Wir sind keine Konkurrenz zu den Zeitungen und Zeitschriften, wollen es nicht sein, und dabei wird es bleiben.“ Einzig bei den Olympischen Spielen, die fortan bei Eurosport zu sehen sein werden, schwingt bei Bellut „ein großes Bedauern mit“ – die Preisvorstellungen des Rechteinhabers Discovery für eine Sublizenz „waren für uns nicht darstellbar“. Auch die Übertragung der Paralympics sei noch offen. „Die Olympischen Spiele aber sind weg, auf Jahre.“

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